ich sitze hier auf meinem stuhl und schaue aus dem fenster, geradewegs in ein schlechtbeleuchtetes fitnessstudio – es ist ein frauenfitnessstudio, nein, deswegen hab ich mir das zimmer nicht ausgesucht… -, welches genau im ersten stock einer mittelklasse-hotelkette liegt, dessen paneuropäische gäste sich jeden tag abends aus ihren fenstern lehnen, heimlich, den rauchmelder austricksend, rauchen und diverse andere dinge tun, sodass mein blick aus dem fenster allabendlich den charakter einer postmodernen theaterinszenierung annimmt, doch ganz nebenbei: ist es nicht eigentlich vermessen, den ersten artikel unseres ersten blog mit dem wort „ich“ anzufangen?

berlin du bist so wunderbar berlin

wenn ich in der u-bahn eingeschlafen bin, und nicht weiß wohin, woraus, schau ich die leute an. Dort wo die meisten prolls, betrunkenen, alternativen, links-anarchisten und die schrägsten paradiesvögel aussteigen, kann ich sicher sein, befindet unsere heimat-haltestelle, manchmal haben sich diese aufgezählten gruppen/weltanschauungen auch in einer person vereinigt und dann weiß ich, ich bin in friedrichshain. Doch auch der südeuropäische austauschstudent, der sich in der jazzkneipe mit seiner trompete ein bisschen geld dazu verdient, oder die germanistikstudentin im 20. semester, mit einem probiotisch erzogenen kleinkind auf dem rücken, gehören zur typischen bevölkerung und prägen nachhaltig das stadtbild. ganz zu schweigen von dem ziagaretten-asiaten, den ganzen tag im zugigen (wie doppeldeutig) u-bahnhof stehend. Die lebenseinstellung der typischen friedelshainer lässt sich am besten an dem gegenüber der neuen o2-world aufgestellten Plakat „h4-world“ festmachen, die menschen leben hier einfach (h4=hartz4), doch auch sehr kreativ, lustig und etwas aufmüpfig.

was haben wir nicht alles schon erlebt… sei es der besuch der offiziellen obama wahlparty oder die deutschlandpremiere von james bond, samt rotem teppich und b-promi-star-glamour a la oliver pocher, „top“model jenny und co., oder das grandiose deep-purple-konzert in der max-schmeling-halle, der tag der deutschen einheit vor dem brandenburger tor.

jetzt sind wir berliner, doch man merkt nich wirklich nen unterschied, oder doch? 4,4 millionen nachbarn aller nationalitäten, oder ist es der döner für 2,20€ der berlin ausmacht, oder das kontinentale klima, frisch aus russland rüberwehend, der geruch der u-bahn, ist es der blick auf den fernsehturm direkt vor der haustür (also der blick), sind es die kneipen, die jeden tag gefüllt sind… damit es nicht zu kitschig wird sag ich es wie mein patenonkel: berlin ist keine stadt, berlin ist ein lebensgefühl. (das ist doch erst recht kitschig, oder?)

für mich bis jetzt ein ziemlich müdes gefühl, das wird aber  an der 8-stunden-schicht im unfallkrankenhaus liegen… hey! dafür sind wir nun stolzer stützpunkt des adac-hubschraubers christoph berlin.

das reicht für heute, bleibt anständig, wir versuchen es zumindest und zum abschluss noch ein zitat aus alfred döblins „berlin alexanderplatz“:

…, er steht jetzt vergnügt und breitbeinig im Berliner Land, und wenn er sagt, er will anständig sein, so können wir ihm glauben, er wird es sein.  ihr werdet sehen wie er wochenlang anständig ist. aber das ist gewissermaßen nur eine gnadenfrist.

grüße philip

p.s.: anständig ist langweilig

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