nun also doch. nach eineinhalb monaten. norddeutsche tiefebene und endlich keine krankenhauskost mehr, sondern mutters sonntagshänchen im römertopf!

was hab ich für diesen genuss durchgemacht: es fing damit an, dass ich letztes wochenende keine 160 euro für eine eigentlich kostenlose heimfahrt hinblättern wollte, nur weil die deutsche bürokratie mal wieder versagt hat und ein stempel und eine unterschrift dem selbstzweck von akten und ordnern zum opfer gefallen waren. ich rege mich vielleicht auf! in deutschland bekommt ein angehender therapiehund schneller einen ausbildungsplatz als ein durchschnittlicher hauptschüler! (so gesehen im altenheim meiner großmutter)

wie kann ein schienenverkehrsmittel nur „intercity express 554 hansestadt greifswald“ heißen? nun ja , das ist eine andere frage, viel interessanter ist es, dass ich es tatsächlich geschafft habe, in einer viertel stunde von friedrichshain den hauptbahnhof zu erreichen und das besagte hochgeschwindigkeitsgefährt, das vom berliner ostbahnhof nach köln hbf unterwegs war, zu besteigen und sogar noch einen  platz – ja man könnte es so sagen – zu erkämpfen. nachdem alle businessmen ihre applelaptops ausgepackt hatten, konnte ich mich an einem konzert ihrer gleichzeitig einsetzenden blackberry- und iphoneklingeltöne erfreuen, so holte ich sofort meine riesenkopfhörer und meinen steinzeit-discman heraus, um die ganzen meetingabsprachen nicht anhören zu müssen. Wieso muss diese berufsgruppe noch an einem freitag um 16.51 Uhr fanatisch arbeiten, wo sie doch mal zu einem guten buch greifen oder während der fahrt schlafen oder musikhören könnten. in jedem geschäftsmann lauert doch ein geheimer masochist.

der intercity von hannover nach bremen war nicht so gut besucht, doch auch hier hatte ich amüsante nachbarschaft. „dieser zug fährt über nienburg, verden, bremen hauptbahnhof, delmenhorst nach…“. fünf minuten später fragt mich mein nachbar, ob dieser zug auch in delmenhorst halten würde. ich stand ihm rede und antwort und verbuddelte mich unter einer abgestaubten frankfurter allgemeinen zeitung, wovon – so schien es – nur noch der verdammte wirtschaftsteil übrig war. mist! hier hatten also auch schon die businessmen gewütet! ah, da war noch eine zeitung… hmm, nur das „immobilienblatt“. was sollte ich neben diesem delmenhorster ohne zeitung machen? puh, glück gehabt, der feuilleton-teil tauchte plötzlich doch noch auf…

angekommen in bremen musste ich erstmal über dir größe, oder besser „kleinheit“, des bremer hauptbahnhofes schmunzeln, der die dimensionen des u-bahnhofes friedrichstraße gefühlt nicht übersteigt. genau so der trostlose bahnhofsvorplatz. syke, die schöne stadt im grünen, begrüßte mich herzlich mit schwärzester dunkelheit, leichtem nieselregen und einer stille wie im nuklearen winter. diese stille, frei von autohupen und streunenden anarchisten, machte mir fast angst, weswegen ich mich schon auf einen fröhlich-lauten abend mit meinen alten syker freunden freute, der dann am samstag abend celebriert wurde.

so jetzt muss ich aber sachen packen, denn mein zug fährt in einer stunde, vielleicht ist es ja wieder der ice „greifswald“. also wieder zurück in die bunte metropole.

welches gedicht beschreibt die abendstimmung in einem kaff wie syke besser als dieses bekannte gedicht von goethe:

Ein Gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

parodie auf friedelshain:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Punks pöbeln im Haine.
Warte nur, balde
Pöbelst du auch.

verschmitzte grüße

philip

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