prolog:

hiermit eröffne ich eine neue kategorie, in welcher utopien jeglicher art aus ihrem kerker der engstirnigkeit befreit werden sollen. diese überlegungen oder neuen theorien dienen nur der geistigen und seelischen erbauung und erheben in keinerlei weise anspruch auf reale gültigkeit, was ja auch schon in dem wort „utopie“ anklingt. zudem kann – nein – vielmehr soll diese kategorie, trotz ihrer gedanklichen flexibilität, den geneigten leser humorvoll erquicken.

erstes thema:

das schöne an der philosophie, der freundin der weisheit, ist, dass sie die spitzendisziplin aller wissenschaften bildet, weil sie alles, worüber menschen nachdenken können, einschließt. philosophie hat in unserer zeit einen schlechten beigeschmack, der nach moral und weltfremder, geistiger isolation schmeckt, was natürlich auch an der schwierigkeit ihrer geschriebenen texte und nicht zuletzt an ihrer gedanklichen freiheit, mit der immer die sprengung alltäglicher werte und normen einhergeht, liegt. schon der niederländische maler rembrandt griff das klischee von philosophen im elfenbeinturm auf:

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doch philosophen sind viel mehr als isolierte, nichtsnutzige – heute würde die wirtschaft von „uneffektiv“ sprechen – denkartisten, sondern sie versuchen zum wohle der menschheit zu erforschen, „was die welt im innersten zusammenhält“. schon platon war ein meister in anderen wissenschaften, wie mathe, rhetorik oder sogar kriegsführung. um auf das thema zurückzukommen: ja, ich habe das thema der philosophenkönige von platon, dem alten haus, geklaut. doch was schreibt er in seinem werk „der staat“ zu dieser thematik?

Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten, oder die jetzt so genannten Könige und Gewalthaber wahrhaft und gründlich philosophieren, und also dieses beides zusammentrifft, die Staatsgewalt und die Philosophie, von den Leuten aber, die sich jetzt jeder von beiden getrennt zuwenden, die meisten im Blick auf ihre Naturanlage unerbittlich angeschlossen werden, so gibt es kein Ende des Unheils für die Staaten, ja ich glaube für das Menschengeschlecht.

hmm, sieht also schlecht aus für die meisten staaten, denn welche wird von einem echten philosophen regiert? deswegen also die kriege und unschöne sachen wie der welthunger oder finanzcrash oder die holländer an sich…

wie könnte zum bespiel deutschland aussehen, wenn es von einem philosophen regiert werden würde? ich würde sagen, ersteinmal monarchisch. WAS? igitt, bloß nicht, sowas hatten wir ja schonmal… also doch demokratisch, volksgeführt. die alten griechen nahmen diese bezeichnung wohl zu wörtlich, denn platon schimpft in seinen schriften erbittert darüber, wie das volk, wenn es einmal die demokratie erzwungen hat, in den straßen wütet und unzucht treibt, was sich bei platon mehr nach anarchie als nach einer staatsform anhört. aber wir leben ja 2,5 tausend jahre weiter und unsere demokratie ist also durchaus erhaltenswert.

wie sieht deutschland nun mit seinem bundestag voller philosophen aus? ich präsentiere am besten ersteinmal den istzustand anhand eines videos, das das wesen des politiktreibens in deutschland symbolisiert:

wieso muss der gemeine deutsche abgeordnete meistens leere worthülsen um sich werfen, wenn doch wirklich wichtige dinge mit wenigen worten am besten erklärt sind? die prägensten aussagen in der menschheitsgeschichte wurden mit ein paar worten auf den punkt gebracht, wie zum beispiel „ich denke also bin ich“ (descartes), „ich weiß dass ich nicht weiß“ (Sokrates, und nicht wie oft fälschlcherweise „ich weiß, dass ich nichtS weiß“ übersetzt), oder „schalke ist ein scheißverein“ (eigentlich alle).

nicht nur, dass der deutsche politiker die form der gepflegten, verständlichen rhetorik sprengt, nein! es mangelt ihm auch an inhaltlichem feingefühl!

man könnte nun also eine masse von philosophen erziehen, zwischen denen das volk wählen kann. jeder dieser gelehrten sollte neben seiner geistigen intelligenz natürlich auch emotional/sozial topfit sein, doch glaube ich, dass sich das eine aus dem anderen ergibt, denn wer wirklich intelligent ist, der achtet auch den anderen.

ein abbau der bürokratie und geminderter eigennutz wären kennzeichen solch einer regierung und die schönen künste würden genauso viel geförtert werden wie die industrie. (yeah, 100 milliarden euro für die lokalen theater und musikschulen!) ein studierwilliger müsste nicht jahrelang auf einen studienplatz warten, obwohl er tausend formulare ausgefüllt, praktika absolviert hat, um dann dennoch 500 euro studiengebühren bezahlen zu müssen. oder kinder würden nicht verhungern, weil die jugendämter nur ihre akten sortieren würden und das kind nicht besuchen könnten. eine zu streng geführte bürokratie führt ja immer ins verderben. (noholo)

jetzt würde man denken, ja wieso braucht man dafür philosophen? braucht man nicht, und das sagt sogar platon: die machthaber müssen nur „wahrhaft und gründlich philosophieren“, was für mich heißt, dass sie einen gründlichen, fundierten und menschenliebenden blick auf die welt besitzen und über den eigenen tellerrand (bei platon ist es eine höhle) schauen müssten. Amen.

antworten und kommentare bitte nicht in diese kategorie sondern halt woandershin. neue themen in dieser kategorie nur mit der überschrift „was wäre, wenn (eigenes thema)“.

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