Freude schöne Eisenbahne,

Tochter in H0 und N,

Du bist uns die frische Sahne,

auf dem Erdbeerkuhuchen,

deine Unschuld bindet wieder,

was der Alltag streng geteilt,

alle Menschen werden Brüder,

wo die Eisenbahne „railt“.

So oder so ähnlich könnte die märklinsche Version von Schillers Ode an die Freude aussehen. Viele Menschen, so auch ich, sind von Modelleisenbahnen fasziniert, da stellt sich doch die Frage, WARUM ? Was findet man(n) an kleinen, herumfahrenden, sauteuren Zügen und ein paar drumherum gebauten Häusern so faszinierend?

Wenn man sich dieses Video so anschaut, findet man die Lösung. Es ist nicht der Wunsch „Schöpfer“ sein zu können und eine Welt nahc seinen Vorstellungen bauen zu können, wenn man sich mal Alnagen anschaut, findet man heraus, dass viele Bahnen sehr ähnlich sind. Viele Bahnen weisen eine hohe Reliefenergie auf, d.h. sie sind relativ hügelig, der städtische Bahnhof ist der Nachbau des Alten Bahnhofs Baden-Baden von Fleischmann und in der Stadt verkehren, je nach Geldbeutel, Autos mit dem Car-System, oder sie sind aufgeklebt und der Verlauf des fließenden Verkehrs obliegt der Phantasie des Betrachters.

Was also, wenn nicht der Wunsch nach göttlicher Macht, verleiht der Modelleisenbahn eine verzaubernde Aura?

Es ist der Wunsch nach der „heilen Welt“.

Wenn man mal genauer hinschaut, auf jeden Modellbahntreff herrscht allgemeines Staunen und Harmonie, es ist keine Spur von Neid oder Mißgunst, auch wenn die bestaunte Anlage viel größer und teurer und aufwendiger und mit mehr Lichtern und Figuren und Zügen versehen ist, kein Modellbahnfreund würde auf die Idee kommen neidisch zu sein, alle würden sich der tollen Anlage erfreuen und hofen, dass die eigene auch eines Tages solche Ausmaße erreicht. Die Modelleisenbahn ist einafch die perfekte kleine Welt, auf keiner Anlage sind Krieg, Finanzkrise oder Massenarbeitslosigkeit, welche die Menschen (ob zurecht oder zu unrecht soll an anderer Stelle genauer erläutert werden) beschäftigen udn beängstigend zu finden. Stattdessen beobachtet der Betrachter spielende Kinder, sonnenbadende Frauen und Lokführer in riesigen Stahlkolossen des vergangenen Jahrhunderts „als die Welt noch in Ordnugn war“. Man vergisst alle Sorgen und ist einfach bezaubert von diesem minimalitischen Wunderwerk.

Was die Modelleisenbahn für den Mann und das Kind und viele Frauen, das ist, dieser Vergleich sei erlaubt, der 19. Mai 2001 bis 17:18 für Schalke Fans oder ein Rosamunde-Pilcher-Film für die Generation 50+…

…Die Erfüllung der „heile-Welt-Utopie“.

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