Nach den ganzen stressigen Klausuren und dem SBF hab ich mir heut mal Kino gegönnt und den Vorleser gesehen, hauptsächlich weil ich die Romanvorlage von Bernhard Schlink kenne, ganz gut fand, und gesapnnt war, was eine (teilweise) amerikanische Produktion aus diesem so deutschen Thema gemacht hat. (Eine Inhaltszusammenfassung findet man übrigens hier bei Wikipedia)

Meine Eindrücke und Bemerkungen zum Film:

Der erste Teil kommt im Buch eindeutig besser rüber. Hier gereicht dem Buch sein Erzählstil aus der Ich-Perspektive zum Vorteil, auf den im Film verzichtet wurde. Glücklicherweise, denn in einem Film nimmt der Ich-Erzähler meiner Meinung nach nur noch mehr von der Interpretations- und Imaginationsfreiheit des Zuschauers. Ich glaube, der erste Teil wird im Buch auch etwas ausführlicher beschrieben, allerdings fand ich die zeitliche Einteilung des Films auch sehr gelungen, am zweiten und dritten Teil kann man wohl auch wenig sparen. Von daher weiß ich nciht ob und wie man den ertsen Teil filmisch hätte besser umsetzen können – im Buch ist er allerdings besser. Zwei exemplarische Kritikpunkte: Die Szene mit der Speisekarte ist zu aufdringlich, Hannah sollte Situationen wie diese gewohnt sein und einfacher überspielen können. Allerdings ist ihre Panik zumindest ähnlich dargestellt wie später vor Gericht. Die geplante Versetzung Hannahs in den Bürodienst hingegen fand ich zu unprägnant als Auslöser für ihre Flucht. Wer das Buch nicht kannte, wird diese Szene wahrscheinlich schnell vergessen haben und später nicht mit ihrem Analphabetismus in Verbindung bringen.
Ein Punkt der vielleicht etwas zu sehr vernachlässigt wird im ersten Teil des Filmes ist auch, dass Michaels und Hannahs Beziehung (damals wahrscheinlich) illegal und sehr asymmetrisch ist.

Mir persönlich am besten gefallen hat im Film der zweite Teil, hier werden die Gefühle Michaels ohne den Erzähler wesentlich besser vermittelt. Der Konflikt Michaels, Hannah zu Entlasten, oder ihre Entscheidung bzw. Scham zu respektieren, als er erkennt, dass sie Analphabetin ist, wird besonders gut herausgearbeitet. (Bruno Ganz hat in diesem Teil übrigens eine sehr schöne Rolle als Michaels (Jura?-)Professor) Hannahs Befragung wirkt sehr schön drückend auf den Zuschauer, der genau das Wissen Miachels teilt.

Das Ende wird mit dem dritten Teil für meinen Geschmack zu lange hinausgezögert, den Dialog Michaels mit dem Opfer Ilana Mather fand ich einfach nur langwierig und langweilig, aber uahc hier weiß ich nicht, wie man das hätte verbessern können. Die Schlussszene macht in meinen Augen Hannah Herzsprung, die als Tochter mit der Handlung viel zu wenig zu tun hat, kaputt. Ein kleiner Monolog, oder eine Szene, in der Michael beginnt das Buch zu schreiben, hätte mir besser gefallen. Im Buch rezipiert Michael eben dieses Buch, das lässt sich natürlich schwer umsetzen. Was mich an diesem Film am meisten gestört hat, ist, dass alle Bücher und Schriftstücke auf in englischer Sprache gezeigt wurden. Sicherlich ein Zugeständnis an das amerikanische Publikum, allerdings leidet auch die Authentizität, denn der Film spielt natürlich nach wie vor in Deutschland.

Kurz zu den schauspielerischen Leistungen:
Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes: super
Bruno Ganz: sehr authentisch, leider werde ich seine Stimme wohl ewig mit Hitler verbinden…
Alexandra Maria Lara: gut gespielt, viel zu dramatisch vor Gericht, aber das geht sicher auf Kosten des Regisseurs
Hannah Herzsprung: weniger Schminke, weniger von diesem komischen Lächeln, irgendwas stimmt auch mit ihrer Sprechweise nicht…

Die Filmmusik war nicht besonders herausragend aber immer angemessen und nicht aufdringlich.

Insgesamt hat mir der Film jedoch wegen des starken zweiten Teils sehr gut gefallen. Demnächst werde ich wenn das jemanden interessiert vielleicht mal öfter über Filme schreiben, ich habe mir nämlich sone 5er Karte gekauft weil die mit 20€ (=4€/Film) recht günstig war – man kauft ja immer nach Kilopreis 😉

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