Um an dieser Stelle der Höflichkeit genüge zu tun – schließlich handelt es sich um meinen Einstand auf dieser wunderbaren Seite – vorweg ein feuchtfröhliches „Moin!“ an die werte Leserschaft!

Aber nun zum Thema: Jeder kennt sie, die Baderegeln, musste sie für seine Schwimmabzeichen einmal lernen, vergaß sie im Anschluss daran innerhalb einer selbst für Schüler beeindruckend kurzen Zeitspanne – und hat trotzdem überlebt. Kein Wunder, handelt es sich doch dabei um eher Amerikanisch angehauchte Richtlinien nach dem Prinzip „Unter Wasser is schlecht Atmen“ oder aber „Ab einer Wassertiefe von 1,25m ist selbstständig mit dem Schwimmen zu beginnen“.

In meiner Funktion als langjähriger Extremchlorinhalant haben sich mir hingegen vergleichsweise sinnvolle Verhaltensrichtlinien aufgezeigt, die ich nun an dieser Stelle einmal der Allgemeinheit kundtun möchte.

1. Schranknummern auswendig lernen!

Bereits vor dem ersten Kontakt mit dem Wasser gilt es, mit Aufmerksamkeit potenzielle Ärgernisse zu verhindern. Zumindest die Nummern der Schränke direkt an der Wand sollten dem Schwimmer in spe im Schlaf geläufig sein, denn, speziell in Syke, herrscht die Wandschrankgarantie, die in 99% aller Fälle nur mit einem bestimmten „Könnte ich bitte einen anderen Schlüssel haben?“ verhindert werden können. Andernfalls kann man sich mit absoluter Sicherheit darauf einstellen, zwischen Wand und einem dem Wasser entlaufenen Wal eingequetscht zu werden – dem Umziehvorgang an sich nicht zwangsweise förderlich!

2. In der Dusche wird geduscht!

Grundsätzlich gilt: Duschen sind zum duschen da. Das mag sich ersteinmal merkwürdig anhören, entspricht aber tatsächlich den Tatsachen. Um der allgemeinen Unwissenheit diesen Umstand betreffend abhilfe zu leisten, gilt es unerfahrenes Publikum auf Fehltritte deutlich hinzuweisen. Liegestütz unter der Eisdusche gelten allgemein als tolerierbar, bei Zahnreinigungsvorgängen samt Bürste, oder masturbierenden Handlungen darf hingegen Einspruch erhoben werden.

3. Sprungbrett

Endlich im Wasser angekommen packt den einen oder anderen schnell die Lust auf einen Sprung ins erfrischende Nass. Insbesondere an die weibliche Bevölkerung geht hier der Hinweis: Bikinis sind nicht wirklich Sprungbrettgeeignet, doch auch Badeshorts können immer wieder zur allgemeinen Erheiterung beitragen.

4. Ach, du trägst Badeshorts? Also ich schwimme ja lieber.

Ein markanter, immer wieder auftretender Denkfehler der primär die männliche Bevölkerung betrifft, ist die merkwürdige Idee, man würde mit Badeshorts schwimmen. So unumstritten ihr modischer Wert auch ist, machen sie den Spaßbader sofort erkennbar. Sollte sich doch einmal eine Badeshorts auf die Schnellschwimmbahn verirren (samt Dümpeler, nicht infolge eines missglückten Sprunges vom Brett), ist die Herabsetzung der durchschnittlichen Schwimmgeschwindigkeit auf die Hälfte garantiert. Dies führt mittlerweile in vielen Fällen zu krassen allergischen Reaktionen auf Badeshorts.

5. Aquajogger

Es ist allgemein bekannt: Fußwege, Wälder und Straßen sind von Nordic Walkern verseucht und überschwemmt. Wer sich jetzt einbildet, dem im Schwimmbad entgehen zu können – träume er weiter. Aquajogging erfreut sich steigender Beliebtheit und abnehmender Geschwindigkeit. Natürlich hat jeder Sport seine Regeln, so auch die Aquajogger. Die Wichtigste sei an dieser Stelle genannt: Egal wie groß die Zahl der Aquajogger, sie müssen prinzipiell unter voller Ausnutzung der Badbreite nebeneinander „joggen“ und sich unterhalten – das gilt für zwei genauso wie für zehn. Eventuelle dadurch entstehende Vollblockaden des Schwimmbereiches sind zu vernachlässigen.

6. Kinder sind potenziell gefährlich

Egal wann, egal wo – Kinder sind immer im Auge zu behalten. Das gilt unter Startblöcken genauso wie mitten auf der Bahn. Kinder haben jederzeit die Fähigkeit unter völliger Missachtung physikalischer Grundgesetze aus dem Nichts aufzutauchen, um dann Wahlweise auf unvorsichtige Schwimmerbadnutzer zu springen, ihnen in den Weg oder direkt in sie hineinzuschwimmen, Spielzeuge mit absoluter Unfehlbarkeit auf Köpfe treffen zu lassen etc. Immer wachsam!

7. Achtung: Ältere Damen

Für selbige gilt: weitaus berechenbarer, aber auch deutlich gefährlicher als Kinder. Ihre Bahn ist vorhersehbar und langsam, doch wehe dem, der ihre Bahn kreuzt, oder gar spritzt – man geht schließlich nicht ins Schwimmbad um nass zu werden.  Bei Zuwiderhandlung kommt es oftmals zu endlosen Schimpfpredigten, deren Inhalt sich im Allgemeinen auf den Satz „Die Jugend von heute“ reduzieren lässt. Ein Ende dessen lässt sich meist nur künstlich durch geschicktes abtauchen herbeiführen. („Unverschämt!“)

8. Triathleten und eiserne Männer

Nicht gefährlich aber potenziell nervtötend: Die Mitschwimmer. Als nicht Vereinsgebundener freier Bahnenzieher ist man im Normalfall gezwungen, sich mit Gleichgesinnten auf jener einen Bahn zusammenzutun, die man durch grobe Rücksichtslosigkeit den allgemeinen Bahnblockierern freigekämpft hat. In der Theorie kein Problem; doch nur, wenn man grundsätzlich annimmt, dass Triathleten oder ähnliche auf-Wettkampf-Ausdauer-Schwimmer tatsächlich schwimmen könnten. Dies ist allerdings nur seltenst der Fall, eine Tatsache, die das Durchhaltevermögen der genannten in ein geradezu selbstentsagerisches Licht rückt. Wer mit einen solchen Stil, wie man ihn oft sieht, einen Iron Man durchhält, darf sich ruhig der allgemeinen Bewunderung anempfehlen. Die meine ist ihm Gewiss.

Außerdem gilt als Ergänzung zur Grund-Baderegel „Fett schwimmt oben“: „Ego auch.“ Dies lässt sich zumindest aus der überproportionalen Häufigkeit aufgeblasener Triathleten schließen. Deutliches Warnzeichen: Stoppuhr am Arm. In diesem Fall: Ohren zu und durch.

9. Psychologische Kriegsführung, oder aber: Das Wasser ist sauber!

Wer sich darüber Gedanken macht, was so alles im Wasser schwimmt hat verloren. Wasser schlucken lässt sich einfach nicht vermeiden – wenn man dann darüber Nachdenkt, ob die Oma da vorne vielleicht an Blasenschwäche leidet oder was der Tampon da auf dem Grund macht, werden selbst die gelegentlichen Haarbüschel zur kleineren Sorge.

10. Wer ab einer Wassertiefe von 1,80m nicht mehr stehen kann ist zu klein.

Das kann man so stehen lassen.

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