Heute morgen erhielt ich Antwort von der deutschen Nationalbibliothek, betreffend unseren Antrag, unsere Pflicht auf Ablieferung unserer bewahrenswerten Texte zu erfüllen zu können.

Bisher, so teilte man mir mit, würden „Webseiten aller Art (dazu gehören auch Foren, Blogs, Portale, Datenbanken etc.) bei der Deutschen Nationalbibliothek noch nicht gesammelt“. Außerdem wurde mir wärmstens empfohlen, meine Registrierung bei der DNB zu löschen, sollte ich nicht zufällig Autor von E-Books sein.

Das überraschte mich doch sehr, hatte ich mich doch vorher ausführlichst über diese unsere Bürgerpflicht informiert. Verwiesen werde ich u.a. auf folgenden Text von der Homepage der DNB:

Welche Netzpublikationen werden von der Deutschen Nationalbibliothek gesammelt? Zum Sammelgebiet Netzpublikationen gehören alle Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die in öffentlichen Netzen zugänglich gemacht werden. […] Beispiele für Netzpublikationen sind elektronische Zeitschriften, E-Books, […] oder auch Webseiten.

Nun gut, da ist mindestens eine Kategorie, die wir auf jeden Fall erfüllen. Wir sind – und darauf sind wir stolz – eine Webseite. Also weiter, denn es folgen Ausschlusskriterien:

Es gibt allerdings einige Einschränkungen bei der Sammelpflicht. Zeitlich begrenzte Vorabveröffentlichungen, reine Software- oder Anwendungstools und auch Fernseh- und Hörfunkproduktionen werden nicht gesammelt.

Soweit bestanden würde ich sagen.

Außerdem nicht gesammelt werden Netzpublikationen, die rein privaten oder gewerblichen Zwecken dienen.

Nun, als politisches, lyrisches, künstlerisch-musikalisches und manchmal komödiantisches Portal ist allzutaegliches sicher weder privat noch kommerziell. Alles in allem: Wir erfüllen die Kriterien für schützenswertes Kulturerbe doch in vollem Umfang!

Natürlich kann das auch die deutsche Nationalbibliothek nicht dementieren und verkündet daher in der freundlichen Mail, dass gehaltvolle und schützenswerte Webseiten wie die unsere „in Zukunft“ per Harvesting gesammelt und Katalogisiert werden sollen. (Dieses Verfahren werde derzeit noch getestet. Ich bin gespannt, wie die Netzwelt daruaf reagieren wird – wenn man sich schon gegen Google Cache wehrt…)

Nun denn, es handelt sich also nur noch um eine Frage der Zeit, bis allzutaegliches dann tatsächlich in der deutschen Nationalbibliothek verewigt wird – gesichtslos, als eine von vielen, vielen, deutschsprachigen Webseiten.

Nun, hoffen wir’s mal, denn theoretisch (aber natürlich nur theoretisch) kann sich die Nationalbibliothek noch auf §1 Abs. 2 PflAV berufen:

(2) Ein Anspruch auf Aufnahme eines Medienwerkes in die Sammlung der Bibliothek besteht nicht.

Wollen wir’s nicht hoffen! Einen schönen Abend noch.

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