„Gewürz“, hatte er gesagt, der füllige Mann;
„Gewürz“ doch es hatte wie „Geh, würz!“ geklungen. Sein Bauch war über die Tischplatte geschwappt, die Serviette an die Brust gelegt, wie ein kleines Kind. Sollte er doch sein Gewürz haben, sein „Oregano“, mit dieser falschen Betonung, als wollte er mit dem „Ooo“ die Kerzen löschen.
Es sind immer die Kaputten die hier essen, die Einsamen, die Dicken, die, die vom Leben nicht bedient wurden, sich hier für Geld beachten lassen.
„Hier ihr OreGAno der Herr“, sollte ich sagen, um ihm zu zeigen, dass der, der das Geld hat noch lange nicht das letze Wort hat.
Trinkgeld wird’s ja sowieso nicht geben, zu fettig, sei ihm die Soße gewesen, zu fettig, das sagt der, der bald mehr auf, als am Tisch sitzt.
Es sind immer die, die allein kommen, immer die, die kein Geld geben, denen es nicht schmeckt, die so langsam essen, als äßen sie um nicht Heim zu müssen, um unter Menschen zu sein, um zu zeigen, Ich esse, ich habe ein Leben außerhalb meiner Wände.
Er isst immer noch, schmeckt wohl doch ohne Oregano, was weiß er schon von Geschmack, die Serviette um den Hals. Und dann diese Haare, vom Ansatz läuft ihm der Schweiß, fast in die Suppe. Wenn er einen Gabel voll nimmt, öffnet er den Mund als müsste er seine ganze Faust schlucken.
Die Faust sitzt neben dem Teller, zittert leicht und immer wenn er sie hochnimmt um sich mit beiden Händen den Mund zu wischen- ein Fleck wo sie vorher lag. Er schwitzt. Er schwitzt am Kopf, in der Faust, überall.
Widerlich, doch jetzt schaut er auf, er sucht mich, sucht sein Gewürz.
Soll er es haben, Erstick dran!

Der Gast bedankt sich nett, bei den jungen Keller, isst in Ruhe zu Ende, bezahlt, zahlt großzügig Trinkgeld. Auf dem Weg zurück ins Büro denkt er sich, hier könne er sonntags mit der Familie essen, gutes Essen, nette Bedienung… Er schmunzelt, denkt wie seine Frau sich freut mal wieder italienisch zu essen, denkt an die Kinder, ihre tomatenrot verschmierten Münder, und freut sich auf den Feierabend.

Der Kellner beendet seine Schicht um 11 läuft mit wunden Füßen im Dunkeln nach Hause, macht sie eine Dosensuppe, in der kalten, dunklen Küche, isst, guckt fern, schläft vor dem Fernseher ein.

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