Letzte Woche Samstag verschlug es mich in den Osten – nach Gardelegen. Hansestadt Gardelegen, wohlgemerkt. Stolze Hansestadt gar. Wer noch nie von dieser Weltmetropole Sachsen-Anhalts gehört hat, sei ein dieser Stelle beruhigt – ich bis vor kurzem auch nicht. Muss man auch nicht.Ich landete in genanntem Orte nur aus einem Grund: einem Karateturnier um den Altmark-Pokal. Auf der dreistündigen Autofahrt wurde ich geradezu erschlagen von freundlichen, mal mehr, mal weniger unterschwelligen Ratschlägen.

Die Anti-Raser-Kampagnen auf deutschen Autobahnen sind ja nun nichts neues mehr. Mittlerweile kennt selbst der autobahnscheueste Feldwegplanierer Phillip Lahms Fallstudie über die Genitalgröße von Schnellfahrern, und all die Anderen, mal mehr, mal weniger Phantasielosenvollen Plakate. Was mich erstaunte, war die schiere Fülle eben dieser. Alle gefühlten 5 Kilometer ein neues, oftmals weit häufiger – und überall Kreuze in allen Formen und Farben, in einer Fülle, die jeden Friedhof kahl wirken lässt.

Zu irgendeinem Zeitpunkt erkeimte dann in mir die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Ich meine, jeder von uns kennt den Effekt aus der Werbung: wenn etwas überladen ist mit Werbung, nehmen wir sie kaum noch wahr. Ein einzelnes Schild auf freier Fläche hat weitaus größere Wirkung. Auch Gewohnheit spielt irgendwo immer eine Rolle. Man gewöhnt sich an alles. Auch an Schildermassen am Straßenrand. Und was gewohnt ist, wird ausgeblendet. Und überhaupt – wenn auf einer Strecke, auf der der Autofahrer keine Möglichkeit hat, die Straße zu verlassen, einmal ein solches Schild stünde, würde es nicht reichen, die „Message“ zu vermitteln? Müssen es fünf sein?

Dazu kommen dann ja auch noch die Kreuze. Ich denke nicht, dass irgendetwas gegen die von Angehörigen aufgestellten und gepflegten einzuwenden wäre. Die großen weißen Standart „guck mal hier ist wer gestorben“-Kreuze finde ich hingegen eher… Fragwürdig. Ich weiß nicht. Eine unschöne Instrumentalisierung des Todes, meiner Meinung nach. Und überhaupt; es ist ja allgemein bekannt, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland erfreulich gering ist. Bringt ja auch keine Steuern, sowas. Warum stehen eigentlich nicht überall, wo schonmal jemand durch Alkohol oder Drogen gestorben ist Kreuze? Oder überall dort, wo jemand an einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder dergleichen gestorben ist, um die Leute zum Sport anzuhalten?

Auf die Idee käme glaube ich niemals jemand. Wäre zu morbide. Nur: gäbe es zwischen diesen Aktionen eigentlich wirklich einen Unterschied? Aber dafür gibt es ja auch zu diesen Themen Werbekampagnen. Auch diesen begegnet man auf der Autobahn ohne Ende. „Rauchen tötet“ „Don’t drink an drive“ „Drive responsible!“ „Gib Aids keine Chance“ – von allen Lastwagen prangt es einem entgegen, eine Todesvision jagt die nächste.

Die deutsche Autobahn – sie zeigt dir deine Sterblichkeit. Da fühlte ich mich auf der Kampffläche gleich viel sicherer 😉 Ich frage mich einfach nur, ob das sein muss. Man überlege sich doch mal, man würde alle diese Aktionen, Plakate etc. pp. auf den essenziellen Bestandteil zusammenkürzen, auf eine kurze Aussage:

„Du könntest sterben. Jederzeit.“

Und jetzt stelle man sich vor, dieser Satz würde überall prangen. Ziemlich deprimierende Vorstellung eigentlich, oder? „Ist ne schlechte Zeit für Optimisten“, oder wie war das? Ich empfinde das alles einfach nicht als Lebensbejahend sondern als Todesverneinend. Ein gewisses Maß an Vernunft schadet wohl kaum jemals. Aber wenn wir uns bei allem was wir tun, erst einmal vor Augen halten, dass wir durch diesen und jenen Umstand vielleicht sterben könnten (wo ist das nicht gegeben? Schonmal Final Destination geguckt? xD), was würden wir dann noch tun? Bliebe nicht dabei das Leben selber auf der Strecke? Wir Leben nicht, um nicht zu sterben! Mag funktionieren. Ob es sich auch lohnt, bleibe jedem selbst überlassen.

In diesem Sinne: Genieße dein Leben, du kommst eh nicht lebend raus!

Advertisements