Archive for August, 2009


Unsere italienische Reise Teil 10

von Philalex89

Dienstag, den 14. Juli

Jeden Tag habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, ein paar Bleistiftnotizen in mein altertümliches Büchlein zu schreiben, das auch schon Picasso oder Hemingway mitgeführt haben sollen. Anders könnte ich mich jetzt, eineinhalb Monate nach den Erlebnissen, an keine Details mehr erinnern. Nun will ich versuchen den Tagesablauf dieses Dienstags zu rekapitulieren. Vorher gibt es noch ein Gedicht:

Die Medici sind Ärzte keineswegs

und Dottore heißen hier die Lehrer

doch heilt dieses Landes Sinnlichkeit

der Müden Augen schwere Lieder

Repubblica Italiana zeigt Olivenzweig,

Eichenlaub auf dreierfarb’nen Wappen

und des sel’gen Papstes Heiligkeit

thront in Sankt Peters Schatten

Zypresse, Pinie, Lorbeer

umkränzt der Caesaren Büsten

umspült von thyrrenisch Meer

sie nannten ihren Hafen Ostia

Es sind so viele Menschen

Da Vinci, Dante Petrarca

vergöttern diese großen Meister

andere hängen in der Academia

Lieblich Fluss erquickt manch Geister

heißt er Tiber, Adige, Arno

oder gar

Po

den kennt man sowieso

Gleichnamiger, geformt aus Marmors Härte

steht der antiken, süßen Juno

besser als Jupiters wirre Bärte

nur Venus glänzt noch schöner

Oh wandle doch auf Machiavellis Fährte

oh wär ich doch ein Italiener

fuhr ich auf meiner Vesper

durch Dantes sieben Himmel

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von Philalex89

Lieber müder -äh- mündiger Büger,

bitte gehe wählen! Bei den Wahlbeteiligungen von 52% (Sachsen), 56% (Thüringen) und 67% (Saarland) bekommt man als Demokrat ja Angst. Wenn man nicht gerade im Koma liegt, gibt es keine Entschuldigung für ein Fernbleiben an der Urne! Lieber riskiert man regierungsunfähige Koalitionen, als einen Weg für die Heimatwürstchen der NPD zu ebnen und cholerische Stehaufmännchen à la Bodo Rammler Ramelow triumphieren zu lassen.  Sogar dem Heinzelmännchen mit der Fistelstimme  Gysi geht angesichts der Werte der Linken fast einer ab.

Statt Heimatlieder zu singen und Bier zu trinken, sollten manche Politiker lieber eine Rhethorikschule besuchen, andernfalls kommen solche Stilblüten zustande:

„Wir haben gesehen, dass beide Parteien ungefär gleich stark sind; die einen schwächer, die anderen stärker.“

Kurt Biedenkopf

„Wir haben vor der Wahl versprochen, was wir nach der Wahl halten wollten.“

Cem Özdemir

(beides heute in Interviews im ARD aufgeschnappt)

Es klingt nicht so, als ob der gute Özdemir das Versprochene gehalten hätte. Meiner Meinung nach ist dieser Satz logisch falsch. Es möge sich jeder selbst ein Bild machen.

Wir können uns in Zukunft auf Koalitionen wie in einer Haribo-Kolorado-Tüte gefasst machen, wenn alle Parteien langsam die 20 % anstreben. Dann haben wir die Horst-Schlemmer-Partei in der Realität: Konservativ, links und liberal. Gute Nacht, Freunde.


Unsere italienische Reise Teil 9

von Philalex89

Montag, den 13. Juli

Heute wollten wir den mächtigen gotischen Dom Santa Maria del Fiore, dessen Bau um 1296 von Arnolfo di Cambrio begonnen wurde, ansehen. Mit seiner hundertundvierzehn Meter hohen Kuppel Filippo Brunelleschis überragt er die Stadtsilhouette Florentias – wie Gaius Iulius Caesar sie 59 nach Christus nach ihrer Gründung genannt hat – , Fiorenzas – wie Thomas Mann sie nennt – , Florenz‘ – wie die Deutschen sie nennen oder Firenzes – wie sie heute auf italienisch heißt. Im Jahre 1436, also mitten in der Renaissance, wurde dieses wunderschöne Beispiel okzidentaler Architekturkunst geweiht, doch das heutige Aussehen geht auf den Bau der Fassade im neunzehnten Jahrhundert zurück. Zum Dom gehören eine separate Taufkirche, das Baptisterium, ein freistehender Glockenturm, der Kampanile (von italienisch Campana, Glocke), und natürlich das Hauptgebäude. Jeder Teil wurde mit weißem und dunklem Marmor, der sich bei genauerem Betrachten als grün herausstellt, verkleidet. Wen es interessiert: Der Glockenturm ist ein Werk Giotto di Bondones, der als Wegbereiter der Renaissance gilt.

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Unsere italienische Reise Teil 8

von Philalex89

Sonntag, den 12. Juli

Im Moment befinden sich die drei jungen Reisenden nach einer Woche schon über eintausendzweihundert Kilometer von Syke entfernt in der glühend heißen Provinz Emilia-Romagna. Unbarmherzige fünfzehn Autominuten braucht ein nach Erfrischung lechzender Mensch von Ravenna an die azurblauen Gestade des Mare Adriatico. Kleine Perlen von Schweiß lösen sich an den Schläfen, bahnen sich ihren Weg zum Kinn, fallen gesammelt, glitzernd durch die dicke, drückende, dumpfe Atmosphäre, um dann auf siebzig Grad heißem, abgefahrenem Asphalt ihr kurzes Dasein dampfend zu beenden. Die drei Reisenden unserer Geschichte sind zu Fuß unterwegs, ohne Auto. Das Meer scheint unendlich weit weg, die drei trotzen der Versuchung und schleppen sich zum Bahnhof. Eigentlich haben sie nicht sehr viel von dieser Stadt gesehen, in der Italiens Dichterfürst Dante Alighieri 1321 starb und begraben liegt. Die drei würdigen nicht sein Grab, dessen Bewohner die „Göttliche Komödie“, und damit eine vom Latein unabhängige italienische Schriftsprache, erschaffen hat.

Uns fern, etwa sechstausend Meilen, steiget

Der Mittag auf, indes schon diese Welt

Den Schatten fast zum ebnen Bette neiget,

Wenn nach und nach sich uns der Ost erhellt;

Dann wird der Glanz erst manchem Stern benommen,

Des Strahl nicht mehr bis zu uns niederfällt,

Und wie Aurora mehr emporgeklommen,

Verschließt der Himmel sich von Glanz zu Glanz,

Bis auch des schönsten Sternes Licht verglommen.

(Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie, Dreißigster Gesang)

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IT’S INTELLIGENCE

von Philalex89


von Philalex89

Samstag, den 11. Juli

Eine Stunde später schliefen wir auf breiten Bahnhofsbänken und warteten auf den Drei-Uhr-Nachtzug aus Deutschland, der sich wahrscheinlich gerade den Brennerpass hochschaufelte, das Ziel „Roma Termini“stets vor Augen.

„Genießen Sie bequemes Reisen zu ausgeschlafenen Angeboten. Erleben Sie mit City Night Line die schönsten Städte Europas. Wählen Sie zwischen Komfortkategorien Schlaf-, Liege- und Sitzwagen. Wohlfühlambiente und Weckdienst mit Frühstück ans Bett inklusive.“ Die schönsten Attribute eines modernen Schlafwagens habe ich kursiv hinterlegt, damit möchte ich keineswegs betonen, dass wir in den Genuss dieser gekommen sind. Der Stahlkoloss kam quietschend zu Stand. Eine junge, für diese Uhrzeit sehr dynamische Schaffnerin, sprang von der Plattform und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen, während italienische Bahnarbeiter mit der Teilung des Zuges begannen. Wohin der Rest des Zuges weiter fuhr, blieb uns ein Rätsel. Glücklicherweise gab uns die tüchtige Zugbegleiterin, die sich in keiner Weise über Rucksacktouristen zu dieser Uhrzeit wunderte, zu verstehen, dass man Tickets während der Fahrt kaufen könne.

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Unsere italienische Reise Teil 6

von Philalex89

Freitag, den 10. Juli

Die Oper rückte näher! Am Abend sollte endlich das Warten ein Ende haben. Rucksacktouristen wie wir streben nach ein paar Tagen in die Ferne, egal wohin, egal wie weit, egal in welche Richtung. Wie Hannes Wader richtig erkannt hat, verspürten auch wir dieses Gefühl: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort.“ Bologna sollte nach unserem locker skizzierten Plan den nächsten Reiseabschnitt bilden, doch verbrachten wir dort nur eine gemütliche Nacht auf dem Hauptbahnhof. Nachdem wir fünf lange Tage in der außerordentlich schönen Stadt Verona verbracht hatten, nur um auf die Oper zu warten, kauften wir uns Zugtickets für den Nachtzug München-Rom nach Bologna, um von dort mit der Regionalbahn nach Ravenna zu fahren.

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Unsere italienische Reise Teil 5

von Philalex89

Donnerstag, den 9. Juli

Heute wollten wir unbedingt in ein Museum gehen und Marcus und ich hatten Lust auf moderne Kunst, die uns in Washington D.C. und New York so gut gefallen hatte. Früh waren wir im Zentrum, schickten im Internetcafè E-Mails an die Lieben nach Hause, kauften Opernkarten und suchten darauf das Museo d’Arte Moderne. Unsere Suche führte uns in einige luxuriöse Hauseingänge, aus denen wir von reizenden italienischen Empfangsdamen herauszitiert wurden. Die Galerie sollte an einem unglaublich blumig klingenden Platz namens Piazza Forti gelegen sein.

Es stellte sich heraus, dass das Ausmaß dieses Platzes der Größe eines Hinterhofs entsprach, tatsächlich war es der Hinterhof des Museums. Am Tresen empfing uns eine mürrische Museumsmitarbeiterin ohne Englischkenntnisse, die uns zu verstehen gab, dass die Hälfte der Ausstellung wegen Bauarbeiten nicht zu betreten sei. Alles in Allem schien sie sich über Besucher zu wundern und fühlte sich in ihrer Kaffeepause gestört. Als einzige Touristen in dieser Galerie wurden wir von zwei SMS schreibenden Museumswächterinnen hartnäckig verfolgt, die ihre Arbeitsernergie des ganzen Tages auf uns zu konzentrieren versuchten. Vermutlich würden wir die einzigen Besucher bleiben. Ob das wohl an der nicht gerade besucherfreundlichen Lage lag? Eine geschälte Ziege war der Höhepunkt der Ausstellung, woran Gunter von Hagens sicherlich seine Freude gehabt hätte. An manch anderen Plastiken und Gemälden hatten wir mehr Gefallen.

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Den Rest des Tages liefen wir herum, informierten uns über unsere Weiterfahrt nach Ravenna und verglichen die Preise der Restaurants. Wir entschieden uns für eines, in dem es Pasta für fünf Euro gab. Hier haben wir gelernt, dass Pasta in Italien nur eine Vorspeise ist und hungrig verließen wir das Lokal, um noch eine Pizza für unterwegs zu erstehen.

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Vom Ende der Welt Vol. 2

by fatjoe89

Tja liebe Leser,

in einem älteren Artikel habe ich mich über die Schweinegrippeepidemiewarnung lustig gemacht und nun ist es soweit.

Der/Die erste Autor/in dieses Blogs, welche/r genauer nicht genannt werden möchte, unterliegt mit Schweinegrippenverdacht strengen Quarantäneauflagen.

Von dieser Seite aus gute Besserung 😉

von Philalex89

Mittwoch, den 8. Juli

Am nächsten Morgen verlängerten wir unseren Aufenthalt im Hostel um eine Nacht. So haben wir es übrigens auf der ganzen Reise mit den Übernachtungen gehalten: Erst einmal schauen, ob die Herberge uns gefällt und dann jeden Morgen aufs Neue verlängern. Unser erster ganzer Tag in Verona brach an! Wir fuhren zum Gardasee.

Da wir leider ohne Auto unterwegs waren, nahmen wir den Bus Richtung Garda, auf eine erfrischende Abkühlung nach drei Tagen staubiger Reise hoffend. Unsere Busroute liest sich wie die Weinkarte vom Italiener an der Ecke: An der Valpolicella-Region vorbei, durch Bardolino und am Gardsee entlang. Für 35 Kilometer brauchten wir eineinhalb Stunden, bezahlten dafür aber jeder nur 3,30€ und konnten die gemütlichen Dörfer Venetiens, die sich an wellige Hügel mit Zypressen und Orangenhainen schmiegten, durch die Busfenster bewundern. Zwischen den Endmassiven der Dolomiten und dem industrialisierten Flachland steht dieses Gebiet Italiens sinnbildlich für den Übergang von der Einsamkeit Südtirols zu der Geschäftigkeit der Po-Ebene.

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