Archive for August, 2009


Unsere italienische Reise Teil 3

von Philalex89

Dienstag, den 7.Juli

Mein etwa zwei Pfund schwerer Italienreiseführer schreibt über Shakespeares bekannteste Tragödienstadt folgendes: „Der Dichter war niemals in der kunstsinnigen Stadt.“ Aha, wie interessant. Konnte man sich eigentlich schon fast denken. Die nächste Frage könnte lauten: War Goethe je in Persien? Schließlich hat er doch den „West-östlichen Divan“ geschrieben! Und weiter: „Käme er [Shakespeare] heute, wäre er von den Festspielen in der römischen Arena und der jährlichen Weinmesse vermutlich so begeistert, dass er seiner Liebestragödie sicherlich einen versöhnlichen Schluss gäbe.“ Es ist erstaunlich, was sich die flotten Federn vom Verlag Baedeker anmaßen, um dem gelangweilten Massentouristen von heute einen verträumten, eloquenten Einstieg in den Artikel zu bieten. Meiner Erfahrung nach hätten Romeo und Julia sich gar nicht erst kennen gelernt, hätte Shakespeare versucht, eine Oper in Verona anzusehen. Wir freuten uns wirklich auf Giacomo Puccinis „Turandot“, wobei wir nicht wussten, dass erstens echte Opernliebhaber diese Veranstaltung meiden und zweitens aufgrund des unter freiem Himmel spielenden Orchesters das Risiko eines wetterabhängigen Totalausfalls nicht zu unterschätzen ist.

Weiterlesen

Unsere italienische Reise Teil 2

von Philalex89

Montag, den 6. Juli

Die Nacht war dunkel, stürmisch und regnerisch. Damit hatte sich unser Plan vom kurzen Wanderurlaub schlagartig verflüchtigt und wir sehnten uns nach einem trockenen, heißen Italien deren relative Luftfeuchte gering genug wäre, unsere Zeltplanen schnell zu trocken. Diese Möglichkeit ergab sich abends in der luxuriösen Bozener Jugenherberge, deren Badezimmer gerade für das Zelt ausreichte. Wir waren in italien angekommen! Doch es war weniger ein „Benvenuti in Alto Adige!“ als ein „Willkommen in Südtirol!“ Von italienischer Lebensart zeugten nur einige Palmen, die hektischen Carabinieri und knatternde Vesperflotten.

DSCN1871

Eingrahmt von den Ötztaler Alpen (Wildspitze 3768m) und den Dolomiten (Marmolada 3343m) liegt Bozen in der Flußgabelung der Eisack und der Etsch, die man aus dem Deutschlandlied von Hoffmann von Fallersleben kennt („Von der Maas bis an die Memel, Von der Etsch bis an den Belt“). Eine wundervolle Gewitterstimmung äußerte sich in wildem, zerissenem Wolkenspiel und einem phantastischen Ausblick auf die steilen Gipfel des „Rosengartens“. Wir durchstreiften die kleine hübsche Altstadt, erklommen einen schmalenPfad, um von einer höher gelegenen Kapelle (das engagierte Graffiti „Vive la morte prematura“ an der Kirchmauer, was soviel heißt wie „Es lebe die Abtreibung“, stand im krassen Widerspruch zur sonst beschaulich-katholischen Idylle)Bolzano überblicken zu können und gönnten uns dann wohlverdiente Ruhe auf echten Matratzen. Morgen fahren wir ins „richtige“ Italien! Verona wir kommen!

DSCN1857


Unsere italienische Reise

von Philalex89

„Ja, endlich bin ich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt![…] Nun bin ich hier und ruhig und, wie es scheint, auf mein ganzes Leben beruhigt. Denn es geht, man darf wohl sagen, ein neues Leben an, wenn man das Ganze mit Augen sieht, das man teilweise in- und auswendig kennt. Alle Träume meiner Jugend seh‘ ich nun lebendig; […]“ Goethe, Italienische Reise, Rom, den 1. November 1786

Jeder kennt Italien, Rom, Caesar und Pizza. Die Welt der römischen Antike übt auf uns Europäer einen ebenso mystischen Reiz aus, wie die epischen Stoffe aus dem Mittelalter. Rom ist für uns gewaltig, weil es gewaltig war und nicht weil es die Stadt der Städte Europas ist. Sie ist wie der alte General, der sein Schwert nicht mehr halten kann, vor dem aber trotzdem alle ehrfürchtig erstarren. Man kann Goethes ekstatische Begeisterung verstehen, vielleicht sogar teilen. Heute wie zu Goethes Zeit ist uns Italien und besonders seine Hauptstadt allgegenwärtig: Damals als verklärtes Paradies einer untergegangenen Epoche und unerschöpfliche Quelle antiker Heldenstoffe, heute als Urlaubsland und Exporteur mediterran-kulinarischer Lebensart. Über die heimischen Bildschirme flimmert Pizzawerbung mit dem Kolosseum im Hintergrund, Russel Crowe im Lendenschurz stürzt sich brüllend auf seine Arenagegner und Asterix verteilt Kinnhaken an römische Centurien, sodass sie bis nach Afrika geschleudert werden.

Weiterlesen

Fahrradfahrer an die Macht

Hier mal ein kleines Viedeo um das Sommerloch zu überbrücken 😉