von Philalex89

Montag, den 20. Juli

Unsere Reisegruppe war auf sieben Leute angeschwollen. Nicht nur, dass Indy und Malte uns beehrten, nein, auch Lillit und Daniel fuhren mit in die ewige Stadt, die wir am frühen Nachmittag erreichten. Etliche Hostelscouts nahmen sich unserer an und versicherten, dass ihre Herberge die günstigste und beste sei. Sie sei zwar eine Stunde von der Innenstadt entfernt, der Pool und die Interneträume stünden aber Jedem zur freien Verfügung. Wir ließen uns nicht beeinflussen und durchsuchten den Bahnhof nach einer Information, doch erfolglos. Schließlich gingen wir doch mit einem Herrn arabischer Herkunft hinterher, der uns den Weg zu einem zentral gelegenen Zwei-Sterne-Hotel für nur zwanzig Euro pro Nacht wies und somit sicherlich sein Geschäft des Tages gemacht hatte. Alle Sparten der Tourismusindustrie gehen in der Hochsaison eine Symbiose ein, jeder hilft jedem, dem ahnungslosen Reisenden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Der erste Eindruck von Rom war genau der gleiche wie in jeder italienischen Stadt. Die Schönheit der alten Gebäude, gepaart mit einem geschäftigen Straßenleben, Palmen auf den Verkehrsinseln und einem herrlichen Sommerklima zauberte sofort ein Lächeln auf unsere Gesichter. Ich weiß nicht, was die anderen empfunden haben, aber Rom stach für mich nicht aus den anderen Reiseeindrücken hervor; weder witterte ich den Geruch des historischen Ruhmes, noch fühlte ich eine besondere Atmosphäre, die ich nicht auch in anderen Städten Italiens gefühlt hatte. Damit möchte ich den überwältigenden Anmut und die besondere Bedeutung dieses Ortes keineswegs schmälern, doch vielleicht hatte ich nach zwei Wochen auf Wanderschaft kein Auge mehr für Besonderes. Ich genoss es, am Höhepunkt der Fahrt angelangt zu sein, war aber trotzdem etwas überreizt.

Das „Hotel“ erwies sich als kultige Kaschemme auf zwei Stockwerken eines Altbaus an der Hauptverkehrsstraße Via Nazionale. Wir zahlten natürlich sofort im voraus, damit wir es uns nicht anders überlegen würden und wurden sogleich nach dem Zuschnappen der Kasse zu fünft in ein geräumiges Dreibettzimmer geführt. Uns wurde versichert, dass wir morgen ins andere Stockwerk umziehen würden. Na klar. Während zwei Vorkriegsbettgestelle zusätzlich aufgebaut wurden, legten wir ab und erfrischten uns.

Natürlich wollten wir sofort das Rom sehen, dass wir alle aus dem Latein- oder Geschichtsunterricht kannten. An den Markthallen (basilicae, Basilika: frühe christliche Kirchen wurden im Stil römischer Gerichts-, Versammlungs- oder Markthallen erbaut, deswegen heißen viele Kirchen heute noch „Basilika“) des Trajans vorbei, steuerten wir auf das Kolosseum zu. Ein reißender Strom moderner Blechkarosserie zog an diesem Denkmal der menschlichen Nekrophilie vorbei, dessen Kalksteinfassade sich einstmals fünfzig Meter in den Himmel erhob und wunderschön mit dem stahlblauen Firmament harmonierte. Bögen und Säulen stützen die ersten drei Geschosse, im vierten finden sich kleine rechteckige Fenster. Wer sich für antike Architektur interessiert, ist hier richtig. Die drei wichtigsten der fünf klassischen Säulenordnungen wurden hier kunstvoll verbaut: im ersten Geschoss die dorische, im zweiten die ionische um im dritten die prachtvolle korinthische.

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Auf einer antiken Straße zwischen dem Kolosseum, dem Forum Romanum und des Palasthügels (Palatin) ließen wir ein Gruppenphoto schießen, gingen weiter am riesigen Triumphbogen des Konstantin vorbei, erreichten den komplett verfallen Circus Maximus, in dem Charlton Heston vergessen hatte, seine Armbanduhr abzunehmen, und gelangten an den Tiber, der entgegen unserer Vorstellung schmal und leise vor sich hinfloss. Dessen unwissend bestiegen wir unseren ersten der sieben klassischen Hügel Roms, das Kapitol, von dem man eine tolle Übersicht über die antiken Ausgrabungsstätten hatte.

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Unser Rundgang führte uns weiter zur spanischen Treppe, die so überfüllt war, dass wir uns bald zum Szenetreffpunkt Campo dei Fiori aufmachten, an dem Daniel und Lillit schon auf uns warteten. Gesäumt von Restaurants inmitten der Altstadt bietet dieser kleine Platz eine gute Alternative zu der hoffnungslos überfüllten Piazza Navona oder der spanischen Treppe. Wir tranken das ein oder andere Bier und aßen Eis. Malte war experimentierfreudig und bestellte sich die Kombination von Pistazie und Melone. Die Rücken an einen Denkmalsockel gelehnt, schauten wir uns die Peinlichkeiten einer pubertierenden Schulklasse aus Bayern an, tauschten deutsche und österreichische Witze untereinander aus und spielten dynamische Gruppenspiele, die exponentiell zu unserem Biergenuss immer lustiger wurden. Um zwei Uhr morgens waren wir wieder im Hotel.

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