von Philalex89

Dienstag, den 21. Juli

Das versprochene Frühstück war ein Witz. Ein trockenes Brötchen, keine Butter, etwas Pfirsichmarmelade und eine Tasse, mehr nicht, lau aufgebrüten Malzkaffee bekam jeder vorgesetzt. Wir hatten dieses Hotel ausgesucht, weil wir teure Supermarktbesuche oder ein Frühstück außerhalb sparen wollten. Nun mussten wir eine Stunde später ein zweites Frühstück einnehmen und hatten keinen Cent weniger ausgegeben.

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Eine der beiden Untergrundbahnen Roms brachte uns vor die Tore des Gottesstaates aus Erden, den Vatikan. Eine Menschenmenge schlang sich um den halben Petersplatz. Wir reihten uns ein und waren nach zwanzig Minuten in der Päpstegruft unter dem Petersdom. Erfolgreich hatte ich mein geliebtes Opineltaschenmesser durch die Sicherheitskontrollen geschmuggelt, da ich befürchtete, es andernfalls nie wiederzusehen. Dem Vatikan haftet eine gewisse mystische Atmosphäre an, die nicht zuletzt durch verschwörerische Geschichten Dan Browns geschürt worden sind. Die weltliche und geistliche Macht vereinend schrieben die Oberhäupter des Vatikans Weltgeschichte, waren in Konflikte aller Art verwickelt und stellten Dekrete auf, die Auswirkungen auf Menschen in aller Welt hatten. Die sieben Orientkreuzzüge wurden nicht nur gebilligt, sondern gefördert, man denke an Hexenverfolgungen und Gräueltaten der Missionare in Südamerika. Unter dem Deckmantel christlicher Ziele wurden über die Jahrhunderte Grausamkeiten verübt und die Machtgier mancher Päpste befriedigt, sodass ich heute dem Vatikan mit einer gewissen Skepsis gegenüber stehe. Gestern wie heute sichert eine der besten Elitetruppen der Welt den Ministaat: Die Schweizer Garde, die unter ihren blau-gelben Röckchen bis an die Zähne bewaffnet sind und sich nicht von pisackenden kleinen Kindern ablenken lassen.

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Der römische Kaiser Konstantin soll dem damaligen Papst die Stadt Rom samt der ganzen Westhälfte des römischen Reiches geschenkt haben. Die Urkunde erwies sich später als Fälschung, trotzdem wurde sie Jahrhunderte lang als Legitimation des Kirchenstaates angeführt. Innerhalb von 1600 Jahren ist dieser halb Europa einschließende Staat auf 44 Hektar geschrumpft, irgendwas muss da falsch gelaufen sein. Wir betraten den Innenraum des Domes über eine enge Treppe und ließen so die Gruft hinter uns. Was sich jetzt auftat, übertrifft jegliche Vorstellungskraft: Auf 15000 Quadratmetern haben 60000 Gläubige platz, unzählige Kapellen schmücken die Seiten des Hauptschiffes, unter der Kuppel des Michelangelo hat Bernini das Grad Petri in vergoldeter Bronze geschaffen. Kein Photo vermag die überschäumende Schönheit dieses Ortes auf Papier zu bannen.

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Hungrig verließen wir den heiligen Boden, aßen wie immer Pizza Margerita, schlichen in der Mittagshitze am Castel Sant‘ Angelo vorbei über den Tiber zur Piazza Navona. Mit Daniel hatten wir uns für den Abend verabredet, Lillit war schon nach Österreich aufgebrochen. An einem schmucken, kleinen Platz spielten wir etwas Gitarre und Mundharmonika, quatschten mit Leuten und wurden auf ein Gratiskonzert in einem hundert Meter entfernten Club eingeladen. Die Band war in Ordnung, leider handelte es sich um einen Kellerraum mit zwanzig Zuschauern und einer grausamen Akustik, weswegen wir vor der Zugabe gingen. Gelohnt hatte sich die Aktion allemal.

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