von Philalex89

Mittwoch, den 22. Juli

Wir schliefen bis zum Mittag, verzichteten auf das üppige Frühstück im Hotel, kauften Brot und Aufschnitt im Supermarkt und speisten auf eben jenem Platz, an dem wir gestern Daniel getroffen hatten. Verzweifelt suchten wir in einer unglaublichen Hitze ein Internetcafè, um unsere Weiterfahrt zu planen. Als Abschluss wollten wir das Mittelmeer sehen und ein paar Tage Abschied vom lauten, wuseligen Italien nehmen. Am glücklichsten schien uns die Route über die Adriaküste, weil wir von dort einen guten Anschluss an Bologna und die Brennerstrecke gehabt hätten. Wir suchten eine Kleinstadt namens Falconara Marittima in der Nähe von Ancona an der Adria heraus und kontaktierten einen Zeltplatz per E-Mail.

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Unsere Entdeckungsreise durch das antike Rom starteten wir am Hügel Palatin, auf dem Augustus als erster römischer Kaiser seinen Palast gebaut hatte. Mit den Jahren entwickelte sich der Palatin zu einer Art Beverly Hills des Hochadels samt eigener Thermen, einem Stadion für Pferderennen, mehrerer Bibliotheken, Tempeln und einem exklusiven Aquädukt für ständiges Frischwasser. Die ganze Anlage wurde im sechzehnten Jahrhundert in idyllische Gärten umgewandelt; man flaniert zwischen Ruinen, Zypressen, majestätischen Pinien, großen Oleandersträuchern und Zitronenbäumen und hat einen weiten Blick über das Forum Romanum. In einer einst sumpfigen Senke, die später durch die Cloaca Maxima zum Tiber hin entwässert wurde, erstreckt sich noch heute das Forum Romanum, einst Versammlungsplatz, Ort der Gerichte und Märkte und Zentrum der Welthauptstadt im Mittelpunkt der Hügel Roms.

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Nachdem wir unsere Flaschen an öffentlichen Brunnen nachgefüllt hatten (in einer Trinkpause zischten wir zu fünft drei Liter weg), stiegen wir den Palatin hinab und schauten uns die Überreste alter Tempel und Verwaltungsgebäude an. Indy wollte uns ärgern und ging immer hundert Meter vor uns, weswegen wir ihn aus Rache in Andy umtauften.

Unsere Eintrittskarte legitimierte auch einen Besuch des Kolosseums, wohin wir uns sofort aufmachten. Von außen viel beeindruckender gab es im Inneren den Blick auf die ehemaligen Räume der Gladiatoren und Ställe der Bestien frei. Dieses Kellergeschoss war in der Antike mit Holzbohlen verdeckt, auf den der Arenasand geschüttet wurde. Zur Freude der 50000 Gaffer, konnten so mit Hilfe von Luken und Flaschenzügen die wilden Tiere in einer Ecke des ellipsenförmigen Kampfplatzes blitzschnell auftauchen. Die Anlage langweilte uns schnell, außerdem waren wir nach diesem Tag sehr hungrig. Am Bahnhof erkundeten wir uns nach Verbindungen an die Adriaküste und aßen danach einen Döner.

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Nach einer abendlichen Siesta im Hotel, beschlossen wir unseren Romaufenthalt an der wunderschönen Piazza dei Fiori mit einem Eis und gingen um Mitternacht zu Bett. Meine Eindrücke von Rom habe ich versucht, ein bisschen poetisch auszudrücken:

Quellende Fontäne

Bellende Hyäne

Brüllender Löwe

Überm Kopf ’ne Möwe


Freche Spatzen

Flauschige Tatzen

Ragende Säulen

Ein Fiat mit Beulen


Laute Plebejer

Große Arena

Amarena Kirsch

Als Relief ein Hirsch


Windige Händler

Berufliche Pendler

Elegante Signorina

Prima Ballerina


Lauschige Plätze

Geschäftige Hetze

Stille im Dom

So klingt nur Rom

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