von Philalex89

Donnerstag, den 23. Juli

Mehrere Stunden brauchten wir mit der Regionalbahn ins verschlafene, knapp dreihundert Kilometer entfernte Falconara. Am Bahnhof erschlug uns eine Wand aus Feuchtigkeit und Hitze. Ich liebe das Klima am Mittelmeer, andere mögen mich für verrückt erklären, aber ich mag diese butterschwere, gesalzene Luft. Ein Kioskbesitzer wies uns den Weg zum Zeltplatz. Über fünf Kilometer mussten wir an einer Bundesstraße ohne Fußweg wandern. Es war sicher der schwerste Fußmarsch, den wir zu bestehen hatten. Es mag zwar nicht viel klingen, aber mit zwanzig Kilo auf dem Rücken und einem ungewissen Ziel vor Augen kommt einem diese Strecke unangenehm weit vor.

Wir checkten ein und bauten unsere Zelte im hintersten Winkel des Platzes auf. Hier verbrachten fast nur italienische Familien ihren Sommer, was dafür spricht, dass wir auf einen echten Geheimtipp gestoßen waren. „Ab ins Wasser!“, war unsere Devise. Kilometerlange Kiesstrände mit wenigen Menschen erstreckten sich von Ancona bis zum anderen Horizont. Den Blick trübten nur einige Industrieanlagen und Raffinerien mit vorgelagerten Zapfinseln, doch ließen wir uns die Laune davon nicht verderben, sprangen ins salzige Nass, genossen die Wellen und uns selbst. Wie kleine Kinder freuten wir uns über einen angespülten Baumstamm, den wir sofort enterten und auf ihm hin und her paddelten. Vier zwanzigjährige Männer saßen auf einem Ast und spielten Galeere. Irgendwer taufte den Stamm auf den Namen „Ast“ und wollte ihn am liebsten mitnehmen. Wir sprangen von Wellenbrechern und tollten herum.

Abends kauften wir den ganzen Restbestand an Pizzastücken einer Strandbar auf, denn die paar Restaurants hatten entweder nur Meeresfrüchte im Angebot oder waren uns zu teuer.

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Freitag, den 24. Juli

Am nächsten Morgen suchten wir in diesem Ferien-Vorort von Falconara nach einem Supermarkt, um uns Brot und Aufschnitt fürs Frühstück zu kaufen. Mindestens eine Stunde liefen wir auf glühenden Straßen zwischen den Hotels hin und her. Marcus und ich beschlossen, mit leerem Magen den Bus nach Falconara zu nehmen und dort auf Jagd zu gehen. Wir warteten vierzig Minuten in der Sonne an der Bundesstraße, fanden in der Stadt recht schnell einen Supermarkt und frühstückten erst am späten Mittag mit den anderen am Zelt.

Den Tag hingen wir natürlich am Strand herum und entschlossen uns abends, am nächsten Morgen den Heimweg anzutreten. Die vorher angekündigte Party auf der Gemeinschaftsterrasse des Campingplatzes entpuppte sich als kultige Schlagerveranstaltung eines Alleinunterhalters, der mit seinem Akkordeon und seinen Keyboard-Playbacks mächtig für Stimmung sorgte. Die Italiener tanzten so einen Art Gruppentanz nach dem Vorbild barocker Menuette, so schien es jedenfalls und war lustig anzusehen. Wir bezahlten bei der Rezeption und meldeten uns ab. Nach fast drei Wochen freuten wir uns auf unser Zuhause.

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