von Philalex89

Sonnabend, den 25. Juli

Die langsame Regionalbahn brachte uns früh morgens von Falconara Marittima über Pèsaro, Rìmini und Ravenna nach Bologna. So schnell waren wir wieder an dem Ort, von dem wir vor zwei Wochen nach Florenz gefahren waren! Es war Mittag und wir aßen ausgiebig bei McDonalds, denn Pizza und Pasta hatten wir erstmal satt. Die Reise ging weiter nach Brennero (Brenner). Wir fuhren durch Verona, freuten uns über die langsam ansteigenden Berge, ließen Trento, Bozen und Brixen hinter uns und standen am späten Nachmittag am ausgestorbenen Bahnsteig vom Brennerpass. Die klare, kalte Witterung der Bergwelt durchströmte uns.

Weiter ging es nach Innsbruck, vorbei an den wunderschönen Bergmassiven und Schluchten der Stubaier und Zillertaler Alpen. Das erste Mal nach drei Wochen wieder in Österreich gönnten wir uns einen Döner und erkundigten uns nach Verbindungen nach München, wo wir um etwa zweiundzwanzig Uhr ankamen. Dort war ein typischer Samstagabendtrubel. Wir erwischten den nächsten Zug nach Augsburg, in dem betrunkene Halbstarke und wie immer peinliche weibliche Junggesellenabschiede miteinander anbandelten und uns natürlich auch nicht in Ruhe ließen.

Sonntag, den 26. Juli

In Augsburg richteten wir uns an der gemütlichsten Stelle der Bahnhofhalle einen Schlafplatz ein, plünderten einen Cappuccino– und Süßigkeitenautomaten, gingen alle nochmal auf Klo und versuchten wenigsten ein oder zwei Stunden zu schlafen. Marcus bot ein absolut lustiges Bild: Gerade hatte er sich auf einen Stapel Baumaterial niedergelassen, um iPod zu hören, lag er auch schon auf der Seite, sanft träumend. Andy hatte außerdem, frech wie immer, seine Isomatte okkupiert. Um 3 Uhr nahmen wir den Zug nach Nürnberg, wo um 6 Uhr Morgens immer noch Highlife in Dosen war. Betrunkene schliefen auf Bänken, Dandys und Snobs erster Klasse versuchten angetüdelte Mädchen anzumachen, die angesichts der Uhrzeit nur den Vogel zeigten. Im ganzen Trubel kauften wir Gebäck und fuhren über Bamberg, Lichtenfels, Coburg weiter zu einem Kaff mitten in Thüringen, in dem wir in den Zug nach Göttingen umstiegen. Leider hatte eine fünfzigköpfige Pfadfindertruppe mit nervigen Kleinkindern, die uns bestimmt nicht schlafen ließen, den gleichen Plan. Von Göttingen aus kennt jeder selbst den Weg. Um halb vier kamen wir nach unglaublichen 31,5 Stunden Bahnfahrt in der Heimat an! Ich lief nach Hause und stand vor verschlossenen Türen, weil meine Mutter selbst noch im Urlaub war. Weder mein Onkel, noch die Nachbarn waren da, sodass ich keinen Schlüssel ausborgen konnte. Ich schlief zwei Stunden auf einem gemütlichen Terassenstuhl in der Sonne. Ungeduscht, hungrig und durstig bat ich bei anderen Nachbarn um Asyl, die mich verpflegten und meinten, jetzt wäre der Nachbar mit dem Schlüssel wieder da. Glücklich, hundemüde und voller grandioser Erinnerungen fiel ich ins Bett.

Auf eine besonders feierliche Weise sollte jedoch mein Abschied aus Rom vorbereitet werden; drei Nächte vorher stand der volle Mond am klarsten Himmel, und ein Zauber, der sich dadurch über die ungeheure Stadt verbreitet, so oft empfunden, ward nun aufs eindringlichste fühlbar. Die großen Lichtmassen, klar, wie von einem milden Tage beleuchtet, mit ihren Gegensätzen von tiefem Schatten, durch Reflexe manchmal erhellt, zur Ahnung des Einzelnen, setzen uns in einen Zustand wie von einer andern, einfachern, größern Welt.“ Goethe, Italienische Reise, Bericht April

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