von nec

Viiiel zu spät möchte ich an dieser Stelle doch auch endlich noch ein paar Worte zum Hurricane 2009 verlieren. Ich werde mich dabei rein auf die Bands beschränken, eventuelle Nebenbeschäftigungen lass ich einfach mal wegfallen 😉

Als wir (André L. und ich) am Freitag gegen Mittag ankamen, verschwand zu exakt diesem Zeitpunkt die bis dahin freundlich scheinende Sonne hinter einer festen Wolkendecke. Als wir unsere Sachen auspackten, begann es zu nieseln. Dann, mit Zelt, 3 Sporttaschen, Klappstühlen etc. schwer beladen auf dem Weg Richtung Campingplatz, wurden wir bis auf die Knochen durchnässt. Dass der Regen geradezu auf die Sekunde stoppte, nachdem wir das Eingangszelt betraten um unsere Konzertbänder abzuholen, muss ich glaube ich gar nicht mehr erwähnen. So trocknete zumindest alles recht fix 😉

Danach ab auf den Platz, direkt ein paar Bekannte getroffen, dazugesellt und bei ihnen das Zelt aufgebaut. Die Zeit bis zum ersten, uns interessierenden Act verging wie im Flug. Als wir dann die Blue Stage erreichte, konnten wir noch kurz das letzte Lied von „The Ting Tings“ – die mir bis dahin gar nichts sagten – mit anhören. Nach kurzer Wartezeit betrat dann Katy Perry die Bühne. Zu sagen, wir wären sehr gespannt auf sie gewesen, wäre übertrieben; sie war schlicht der erste Act, von dem wir Musik kannten 😉 Alles in allem war es eine eher unspektakuläre Dreiviertelstunde. Vorne auf der Bühne hopste eine Erdbeere herum, und Katy Perry trällerte ihre dem Großteil des Publikums unbekannten Lieder. Einzig bei „I kissed a girl“ und „Hot’n Cold“ kam kurzfristig Stimmung auf. Nicht allzu lang im Geschäft, war sie auch nicht in der Lage, das Publikum irgendwie aufzuheizen, sondern zog ihr Programm durch um dann unter vergleichsweise verhaltenem Applaus wieder zu verschwinden. Wieder Pause.

Dann Duffy. Hier hatte ich persönlich mir mehr Hoffnungen gemacht – nicht, dass ich privat großartig Musik von ihr hören würde, doch kennt man von Duffy doch das eine oder andere Lied mehr, und das meiste kann man sich sehr gut anhören. Fazit des Ganzen: Katastrophe. Wenn ihr es irgendwie vermeiden könnt, tut euch Duffy nicht live an. Ich war schockiert. Erste Verwirrung kam schon auf, als der Schminke-Zombie die Bühne betrat und rumzuquietschen begann. Ihr Gesang klang in etwa, als würde ihr dabei ein Presslufthammer auf die Brust gehalten, und klang zusammengefasst etwa so: „UuUuUuUuUuUuUuh…“ Als Duffy die Bühne verließ, konnte von Applaus kaum die Rede sein; die meisten Zuschauer hatten sich mittlerweile zerstreut, es war geradezu leer. Wir sind dann ersteinmal etwas Essen gegangen, hörten im vorbeigehen kurz bei Franz Ferdinand zu – heute ärgert es mich, dass ich nicht dort geblieben bin.

Mit gefülltem Magen zurück an der Green Stage erlebten wir einige Songs von den Kings of Leon mit. Wäre ich Fan, wäre ich glaube ich enttäuscht gewesen. Selten etwas derart leidenschaftsloses gesehen. Es hätte sich bei dem Konzert auch ohne weiteres um eine private Probe im Keller handeln können – die Interaktion mit dem Publikum war ungefähr dieselbe. Schwach.

Da kurz darauf auf der Blue Stage Kraftwerk auftreten würde, wechselten wir dort hinüber (Moby hatten wir auch verpasst – sagte mir zu dem Zeitpunkt nichts, mittlerweile gehört Moby zu jenen, die ich gerne gesehen hätte). Kraftwerk, Urgestein der deutschen Musikszene – und mir bis zu diesem Tag absolut unbekannt. Die einzige Referenz waren die leuchtenden Augen meines Vaters, als ich erwähnte, dass Kraftwerk auftreten würde. Kann ich jetzt nur teilen – absolut geniale Bühnenshow , gute Musik, super Act. Wir wollten zwischendrin noch ins Zelt wechseln um Culcha Candela zu sehen, aber dieses Vorhaben erwies sich von vornherein als aussichtslos – die Menschenmenge, die ins Zelt wollte, war ca. so groß wie das Zelt selbst. Also Kraftwerk zuende gesehen, und das war dann das Ende des ersten Konzerttages.

Der Samstag war, rein die uns interessierenden Acts, am dünnsten besiedelt. Der erste, den ich auch nur aus Neugierde besuchen wollte, war Ska-P, um 16:30 Uhr. War auch gut soweit, nur habe ich leider nicht mehr als 3-4 Lieder mitbekommen, das äußere Umstände verhinderten, dass ich den Act zuende sehen konnte. Nachdem das dann geklärt war, machte ich mich nunmehr gezwungenermaßen (glaubt ihr auf einem Festival wäre auch nur EINER von vier weiteren Bekannten/Freunden zu erreichen, von denen man weiß, dass sie auch irgendwo dort herumstromern? Neee…) auf den Weg zu Clueso. Eigentlich überhaupt nicht meine Musik. So gar nicht. Also überhaupt nicht. Allerdings war ich kurzfristig von einer Freundin dazu gezwungen worden, mich mit ihm auseinander zu setzen, und mir eine Live-DVD anzusehen. Als Einschlafhilfe auf einer langen Fahrt hatte Clueso sich bereits bewährt – heute sollte er die Zeit überbrücken. So. Und an dieser Stelle muss ich voreingenommene Sau einfach mal eingestehen, dass Clueso absolut super war. Richtig gut, hat die Menge mitgenommen und abgefeiert, und ich fürchte, ich muss mich mittlerweile beinahe als Fan bezeichnen. Live-Empfehlung meinerseits 😉

Clueso war am Samstag der letzte mir bekannte Act. Danach bin ich auf gut Glück rüber zu Green Stage, und hab mir das Ende von Social Distortion angehört, die mir mit ihren harten Klängen durchaus gefallen haben. Danach betraten Faith No More die Bühne, mir ebenfalls unbekannt (was in diesem Fall auf eine sehr lange Schaffenspause zurückzuführen ist). Ich war auch etwas überrascht, denn die Männer, die sich an ihre Instrumente begaben, waren für meine Begriffe ziemlich alt. Umso erstaunlicher der Auftritt. Faith No More hat mit einer Energie die Bühne gerockt, die absolut beeindruckend war, und die Bühnenerfahrung der Gruppe hätte kaum deutlicher sein können. Der Leadsänger hielt zwischendrin noch eine Ansprache, die ich aus Faulheit einfach mal sinngemäß auf Deutsch wiedergebe: „Hallo zusammen! Verdammt lange her seit dem letzten Mal! Ihr seid ganz schön alt geworden! Wir auch. Hat sich einiges Verändert. Wer hat Kinder bekommen? Hände hoch!“ Er meldet sich. „Jemand geschieden?“ Meldet sich weiter. „Einen Drogenentzug hinter sich gebracht?“ Er meldet sich immer noch. Wirkte so relativ beeindruckend, auch, weil er ein sehr charismatischer Typ war. Folge des Auftritts war, dass ich mir ersteinmal das Best of gekauft habe. Wurde aber größtenteils enttäuscht, die Stimmung kommt nicht rüber. Wenn ihr die Chance habt, sie live zu sehen – tut es, feiert ab. Aufgenommen haben sie mich nicht so arg vom Hocker gehauen.

Nachdem Faith No More die Bühne verließ, wechselte ich nocheinmal die Stage, schnupperte bei Nick Cave and the bad Seeds rein, die mich aber nicht überzeugen konnten, weshalb ich vorzeitig abbrach, und damit das Ende des Samstags einläutete.

Dann der Sonntag, letzter Tag, Mainact-Tag. Fing musikalisch für uns wieder kurz vor 17 Uhr an – mit Lily Allen. André war zwar nicht sonderlich interessiert, aber ich höre sie seit ihrem neuen Album dieses Jahr sehr gerne, und war auch von ihrem Auftritt sehr angetan. Alle guten Lieder gespielt, mit dem Publikum rumgeblödelt, und, wie man es von ihr erwartet, sexistische Witze gerissen. Geraucht wie ein Schlot – die Band hat mehrfach ein Solo gespielt, damit sie sich eine neue anzünden konnte – und sehr viel getrunken. Was auch immer sie getrunken hat, es war weder Wasser noch Saft. Nun ja. Guter Auftritt nichtsdestotrotz, den sie mit einer extralangen Version von „Not Fair“ ausklingen ließ, und unter johlendem Applaus die Bühne verließ.

Wir wechselten im Anschluss sofort zur Blue Stage hinüber. Nicht, weil wir großartig an den Eagles of Death Metal interessiert gewesen wären, die gerade spielten, und deren Auftritt an mir ziemlich vorbeiging, sondern weil im Anschluss Disturbed spielen würde – unser Hauptargument, zum Hurricane zu fahren. Und bei Disturbed wollten wir vorne stehen. Was wir dann auch taten. Als dann nach viel zu langer Wartezeit endlich der Leadsänger von Disturbed, auf einer Sackkarre stehend, in Zwangsjacke und mit Maulkorb auf die Bühne gefahren wurde, war dies der Anfang eines Feuerwerks. Stundenlang könnte ich über diesen bis ins letzte gelungenen Auftritt schwärmen. Angefangen beim unglaublich charismatischen Leadsänger, dessen Stimme in real genauso beeindruckend ist wie vom Band, peitschte die Menge auf, verbreitete eine unglaubliche Stimmung und… Gänsehaut, immer noch. War Hammer. Allein das Solo des Drummers war absolut genial. Wenn Disturbed irgendwann nochmal in Reichweite ein Konzert geben sollte, weiß ich, wer auf jeden Fall dabei sein wird.

Nach diesem epischen Auftritt waren Fettes Brot, die parallel zu Disturbed auf der Green Stage gespielt hatten, und deren letzte Songs wir noch mitanhören konnten eine Enttäuschung. Mit gutem Willen könnte man sagen, dass sie wie eine schlechte Coverband geklungen haben, die in ihrer überzogen bieder-bunten Kleidung auf der Bühne herumhüpften (auf einem Teppich – wir haben nur die Räucherstäbchen vermisst). Aber sie hatten die Masse auf ihrer Seite. Ganz schlecht können sie also nicht gewesen sein – nur mich und André sprachen sie einfach gar nicht an.

Abschließend spielten dann die legendären Ärzte, die ich live schon kannte. Und ich wurde wieder nicht enttäuscht. Ein Auftritt, der zwar musikalisch zwar nicht mit Disturbed mithalten konnte, aber insgesamt doch ungefähr auf einer Stufe steht – denn Die Ärzte sind einfach Entertainment pur. Geniale Show, die üblichen Wortgeplänkel und Spiele mit dem Publikum… Und die unvergessliche Spendensammlung. Auf dem ganzen Festival waren überall Stände von Viva con Agua zu finden gewesen, denen mit seine Pfandbecher als Spende geben konnte. Viva con Agua kämpft, wie der Name schon andeutet, für die Erschließung von Wasser in Gegenden, in denen es davon wenig gibt. Oder so. Viele Gruppen hatten immer wieder dazu aufgerufen, dafür zu spenden, aber keine so erfolgreich wie die Ärzte. Diese unterbrachen einfach ihre Show, gingen kurz hinter die Bühne, kamen mit Schutzhelmen und Besen wieder, und forderten das Publikum auf, sie mit Pfandbechern zu bewerfen – für den guten Zweck. Und die Leuten taten es. Ca. 10 Minuten flogen ununterbrochen die Becher durch die Menge – sie wanderten von hinten nach vorne, um am Ende auf der Bühne oder im Graben davor zu landen, den die Security notgedrungen hatte räumen müssen, um dem Dauerfeuer zu entgehen. Nachdem auf Bühne und davor eine Knietiefe Schicht Becher lag, versiegte der Strom, die Ärzte schwangen die Besen, bedankten sich, und machten weiter. War Klasse. Hab zwar drei, vier Becher abbekommen, zwei davon am Kopf, aber dafür waren sie ja aus Plastik 😉 Und es war ein absolut beeindruckendes Bild, wie hunderte Becher durch die Luft flogen…

Damit war das Hurricane ’09 dann leider auch schon beendet, und wir machten uns direkt auf den Heimweg. Ich freue mich aufs nächste Mal!

Ich bitte um Nachsicht bezüglich Rechtschreibung und Ausdruck – ich musste gerade feststellen, dass meine absolute literarische Abstinenz meine Form restlos hat verfallen lassen. Da hat man mal 1,5 Jahre keine Schule o.ä. mehr und kann sich nicht mehr ausdrücken, schlimm sowas. Nunja. Ein Grund mehr, wieder häufiger zu schreiben 😉 Die Rechtschreibfehler entspringen schlicht meiner Korrekturfaulheit.

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