Archive for September, 2009


Unsere italienische Reise Teil 14

von Philalex89

Sonnabend, den 18. Juli

Der Samstag war angebrochen, doch Marcus und ich sollten erst in neun Stunden erholsamen Schlaf finden. Italienische Jugendliche und junge Erwachsene saßen noch Stunden nach Abklingen der letzten Konzerte auf der Piazza IV. Novembre und der Treppe des Palazzo dei Priori, des alten Versammlungsgebäudes des mittelalterlichen Perugia und heute wichtigstes Bauwerk der Stadt. Entgegen unserer Erwartung tranken die Italiener Bier in Massen, wo war die hochgerühmte Esskultur der Antipastiplatten und schweren Rotweine geblieben? Betrunkene pinkelten in mit Motorrollern zugeparkten Hausnischen, die Stimmung drohte ins vulgäre zu kippen und da es bereits drei Uhr geschlagen hatte, stiefelten wir die Serpentinen der Viale Indipendenza hinunter. Da wir mit dem Bus gekommen waren, gingen wir auf gut Dünken Richtung Bahnhof, schlichen uns durch dunkle Parks und hofften, dass die Zeit schnell vergehen möge. Der Bahnhof solle erst um fünf geöffnet werden. Na gut, dachten wir uns, setzen wir uns einfach noch eineinhalb Stunden an den vorgelagerten Omnibusbahnhof. Marcus schlief ein, während immer wieder pöbelnde Feiernde hupend vorbeifuhren.

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Unsere italienische Reise Teil 13

von Philalex89

Freitag, den 17. Juli

Der gute alte Goethe hat mehr als siebenhundert Seiten über Italien geschrieben, der Region um Perugia widmete er nur einen Absatz: „Ich verließ Perugia an einem herrlichen Morgen und fühlte die Seligkeit, wieder allein zu sein. Die Lage der Stadt ist schön, der Anblick des Sees höchst erfreulich. Ich habe mir die Bilder wohl eingedrückt. Der Weg ging erst hinab, dann in einem frohen, an beiden Seiten in Ferne von Hügeln eingefaßten Tale hin, endlich sah ich Assisi liegen.“ Goethe, Italienische Reise, Den 25. abends. Perugia

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Es gibt jedenfalls keinen Grund dazu. Aktuelles Beispiel:

Gaddafi will die Schweiz auflösen.

Genauer:

Konkret soll die Schweiz gemäss der Vorstellung von Qadhafi [Gaddafi] in Territorien aufgeteilt werden. Die Romandie soll an Frankreich gehen, das Tessin an Italien und die Deutschschweiz an Deutschland. (Quelle)

Es lohnt sich außerdem ein Blick in die Kommentare zu diesen Artikeln. Bei Welt Online etwa kann man folgenden geistigen Höhenflug bewundern:

Na ja, immerhin hält er den Dienstweg ein und stellt einen Antrag bei der UN. Die Amis und die moralischste Armee der Welt fliegen einfach wo hin und hauen alles kurz und klein, ohne die UNO zu fragen. Also – auch wenn er ein Spinner ist: Er hält sich wenigstens an die Regeln.

So einfach kann man heute Sympathien für so eine Forderung erhalten. Dazu ist die UN gerade noch gut.

Aber hey, wie oft wurde da nicht schon über die Auflösung Israels abgestimmt – im Gegensatz zu jenem Gaddafi-Antrag schafft es dieser immer wieder auf die Tagesordnung. Ja, das will ich nicht verschweigen, der Antrag des Operettendiktators wurde von der Bürokratie kassiert. Schade eigentlich, das Abstimmungsverhalten wäre sicher interessant gewesen.

–ace386

Unsere italienische Reise Teil 12

von Philalex89

Donnerstag, den 16. Juli

Heute wollten wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und nur in äußerster Not eine Abkühlung im See wagen. Endlich warf ich die leere Propanflasche, die uns in Kufstein im Stich gelassen hatte, weg und kaufte zwecks geplanter warmer Tortellonizubereitung eine gefüllte. Mit Freuden waren wir morgens im nahen Lidl gewesen und hatten uns für die nächsten Tage mit Vorrat eingedeckt. Schnurstracks sicherten wir uns ein schattiges Plätzchen, freuten uns über das tolle Panorama und ließen uns von einem eintreffenden niederländischen Ehepaar, das einen Platz gleich neben uns zugewiesen bekommen hatte, nicht irritieren. Die Holländer waren im Böse-Herübergucken geübt, das merkten wir sofort, doch war dies nur unser Tagesliegeplatz. Sie ignorierend pochten wir heimlich auf unser Gewohnheitsrecht. Zum zweiten und letztem Mal wagte ich mich ins Wasser, beschloss dann aber, dass ich den See lieber lesend und schlafend genießen wollte. Vielleicht gibt dieses Gedicht die Stimmung am See wider:

Helle Hitze, heißer Sand

schnelles Schwirren schwängert Lüfte

Kecke Mückchen unerkannt

fliegen durch des Sommers Lüfte

Der Horizont, so flirrend klar

vertuscht die Sicht ins Ungewisse

Fühlte mich Eden nie so nah

wenn mich Chronos dem Orte nicht entrisse!

Und des Zephyrs sanfte Hand

kräuselt Wasser grünlich Bläue

Phöbus‘ Wagen gerät in Brand

lenkt er ihn jeden Tag aufs Neue


Im Zenit der bleichen Sonne

braune Leiber sich erquicken

Ich lieg‘ im Gras mit großer Wonne

will Gedanken zu Dir schicken

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Unsere Italienische Reise Teil 11

von Philalex89

Mittwoch, den 15. Juli

Mit einer gehörigen Portion Fernweh im Herzen, machten wir uns am Vormittag zum Bahnhof Firenze Santa Maria Novella auf, um Florenz zu verabschieden. Wir würden die Herberge der letzten Tage vermissen. In einem riesigen, aber doch verwinkelt-urigen Altbau konnte man zwischen etwa zehn verschieden großen Schlafsälen auswählen. Enge, gewundene Treppen, weiß-getünchte gotische Deckengewölbe und durch vier oder fünf Stufen erhöhte Zwischengeschosse ließen den Eindruck einer mittelalterlichen Festungsanlage aufkommen. Von Außen vollkommen unauffällig, müssen im Gegensatz dazu im Inneren mehrere Gebäude und Stockwerke kühn verbunden worden sein, sodass man in den Gängen sofort die Orientierung verlor. Ein dunkler, rustikaler Empfangstresen dominierte zusammen mit einer steilen Holztreppe den Eingangsbereich, von dem ein schmaler Gang zur Küche samt Gepäckablage führte. Hinter der Küche befand sich ein großer Speisesaal, der sofort Assoziationen eines alten Kerkers aufkommen ließ. Die hohen, uralten Gewölbe wurden gemütlich mit indirektem Licht angestrahlt, während die Computer-Ecke in der Küche götzengleich den Haupttreffpunkt bildete .

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