von philales89

Schon der alte Platon machte sich Gedanken über die Bildungspolitik. In seinem Werk „Der Staat“ (gr. Politeia, wörtlich „Die Verfassung“) diskutiert sein Lehrer Sokrates mit anderen jungen Menschen im Hause des Oligarchen Kephalos in der Athener Hafenstadt Piräus. Den Fußballinteressierten müsste dieser Stadtteil durchaus geläufig sein.

Im Allgemeinen geht es um Gerechtigkeit, welcher Mensch gerecht ist und wo man diese Gerechtigkeit in der menschlichen Seele finden kann. Gibt es auch in einer Stadt Gerechtigkeit? Das versucht Sokrates herauszufinden, denn, ist sie einmal in der Stadt gefunden, dann ist es einfacher sie im Menschen zu erkennen (vom Makro ins Mikro). Die Hitzköpfe fangen also in der bekannten Form des platonischen Dialogs an, in Gedanken eine wohlgeordnete Stadt zu erbauen. Die Einzelheiten würden jetzt den Rahmen dieses Artikels sprengen, gesagt sei nur soviel, dass diese Stadt gut ausgebildete „Wächter“ (Krieger) braucht, damit sie weise und effektiv verteidigt wird. Anhand der Frage nach guten Wächtern und deren Erziehung, baut Sokrates stereotype, verbindliche Erziehungsregeln auf, kommt zu dem seltsamen Schluss, dass Dichter Lügner sind und wendet sich  der Frage zu welche Musik gut für junge Menschen ist. Es kommen einige für uns heute nicht mehr nachvollziehbare Einschränkungen heraus, die jungen Menschen dürfen zum Beispiel nur noch dorische und phrygische Tonarten hören, weil diese gleichzeitig gewaltsam und ungezwungen klingen. „Das Musikalische soll wohl enden in der Liebe zum Schönen“ ist die Endthese des Kapitels. Hier fasse ich die argumentatorische Grundstruktur einmal zusammen. Was hat davon heute noch Gültigkeit und wieweit kann man den Begriff musisch fassen? Ich finde diese Diskussion sehr interessant:

Wie Sokrates und Glaukon beweisen, ist die musische Erziehung ist am wichtigsten, weil der musisch Erzogene schöne und hässliche Werke in Kunst und Natur unbewusst unterscheiden kann, ohne den Verstand zu gebrauchen. Man ist aber erst musisch gebildet, wenn man die Gestalt der Besonnenheit, Tapferkeit, Großzügigkeit und des Edelmutes erkennt und von ihren Gegensätzen unterscheiden kann, die der musische Mensch ablehnt. Deswegen liebt der musisch Gebildete den Menschen am meisten, der den schönsten Charakter und den schönsten Körper hat; einen Magel am Körper verzeiht er, einen an der Seele nicht. Sokrates findet heraus, dass übermäßige Lust unbesonnen und unvernünftig ist, Glaukon fügt hinzu, dass sie rasend mache. Daraus folgt, dass richtige Liebe wohl geordnet und schön sein muss und der musisch Gebildete nur diese Liebe anstrebt. Also endet musische Bildung, das heißt, auch das Musikalische, in der Liebe zum Schönen.

Es ist faszinierend zu lesen, wie Platon beschreibt, dass Sokrates seine Zuhörer nur mit der Logik des Geistes lenkt, widerlegt und schließlich überzeugt. Das hat Sokrates natürlich viele Feinde gemacht. Nicht zuletzt deswegen wurde er später als Verführer der Jugend angeklagt und hat mit philosophischer Ruhe seinen sprichwörtlich bekannt gewordenen Schierlingsbecher getrunken, zu lesen im wirklich empfehlenswerten platonschen Dialog „Phaidon“.

Wenn ich euch mit Philosophie belange, so hat das mit meiner wöchentlichen Philosophievorlesung zu tun, deren Inhalt ich euch in geistigen Ergüssen vermitteln muss. Was raus muss, muss raus. Bis denne und gutes Philosophieren!


Advertisements