Ein geflügelter Spruch, wie ihn sicherlich jeder schon mal gesehen oder gehört hat. Aber was kostet die Welt den nun wirklich? Ein Beispiel, um auch gleich was klar zu stellen. Haiti ist zur Zeit für den läpischen Preis von höchsten einer Milliarde Dollar zu haben. Sarkastisch? Ja! Unmenschlich? Doppelt Ja! An alle tränendrüsendrückenden Menschenweltverbessere: Dieser geistlose und kopflose Beitrag hat und soll nichts mit Menschlichkeit zu tun haben. Er erhebt auch nicht den Anspruch das Menschentum in seiner Würde und Individualität zu berücksichtigen. Ergo aufhören zu lesen oder klappe!

Welchen Wert wir einer Sache beimessen hängt maßgeblich davon ab, was wir bereit sind dafür zu geben, um es zu besitzen. Damit ist nicht der materielle Besitz in Form von anfassen gemeint, sondern der abstrakte Begriff des Verfügens. Über etwas zu verfügen, damit tun und lassen zu können, wie es uns beliebt. Eine andere Art und Weise einer Sache einen Wert beizumessen ergibt sich – gerade wenn der Erwerb schon lange zurück liegt – aus dem Umstand, wenn etwas beschädigt, verstört oder vorenthalten und entzogen wird. Dann lässt sich ganz aktuell der Wert der Sache bestimmen. In unseren Zeiten fällt in solchen Zusammenhängen oft das Wort Schadensersatz. Anders gesagt, der ermittelte Schaden ist der aktuelle Wert. Üblicherweise angegeben in der Maßeinheit Dollar. Hier sei nochmal kurz gesagt: keinerlei Menschlichkeit. Oder will bzw. kann mir hier jemand die handelsübliche Dollareinheit für einen Menschen nennen? Wenn ja, wäre ich sehr dankbar, da es vieles vereinfachen würde.

Aber zurück zum Thema. Haiti, zu haben nach groben Schätzungen für eine Milliarde Dollar. So ungefähr der entstandene Schaden. Anderes Beispiel: Weltfinanzkrise. Hier kann jetzt jeder sich raussuchen, welchen Schaden es in welchen Ländern es gegeben hat, dann sich anschauen, was die jeweiligen Regierungen beriet waren an Mittel aufzuwenden und daraus ziemlich schnell ermitteln, was uns (den Regierungen) das globale Finanzwesen in den Jahren 2008/2009 wert gewesen ist. Ich denke über ein höheres oder zumindest vergleichbares Angebot würde sich jeder Finanzminister freuen.

Aber ist das wirklich alles? Glaubt man den ganzen düsteren Zeitgenossen ist damals nicht nur der Finanzsektor gerettet worden, sondern mit ihm eigentlich ganz neben bei die Welt wie wir sie kennen selbst! Unglaublich, würde das ja bedeuten, dass wir aus dem Schaden der Finanzkrise den Wert der Welt selbst ableiten könnten. Ok sicherlich geht das zu weit, da ja sämtliche Gütererzeugnisse, Bodenschätze und unentdeckten Erdenreichtümer noch nicht mit einberechnet sind. Menschen selbst natürlich wieder exklusive. Anfängliche Überlegungen das Welt-BIP als Wert anzunehmen ist ebenfalls abwähgig, da auch die Wirtschaftskraft in meinem Augen nur ein Indiz, aber kein stichhaltiges Argument für die Antwort auf die Frage „Was kostet die Welt?“ ist.

Nichts desto trotz interessiert mich diese Frage, da seit der Finanzkrise für mich Geld im öffentlichen Sektor keine Ausrede mehr sein kann. Arber Milliarden von Euros und Dollars wurden aus dem Nichts herbei gezaubert. Immense Schulden aufgenommen – Rückzahlung ungewiss. Ich will hier garnicht gegen die Regierung wettern. Erstens habe ich davon keine Ahnung und zweitens scheint es geholfen zu haben. Bisher spüre ich keine Auswirkung der Finanzkrise und habe bisher auch noch keinen getroffen, der wegen der Finanzkrise Schaden erlitten hat. Vielleicht verkehre ich in den falschen Kreisen, bin homophob oder habe einfach keine Ahnung vom Leben, aber das ist dann so und muss an dieser Stelle so hingenommen werden. Viel wichtiger ist der Gedanke, der sich bei mir manifestiert hat. Sollte es auf Erden ein Problem geben, welches sich mit Geld lösen lässt: für mich ist es seit der Finanzkrise gelöst! Denn Geld scheint ja im Ernstfall nicht das Problem zu sein.

Und was könnte nun der nächste Ernstfall sein? Noch eine Finanzkrise? Bei den aktuellen Managerboni nicht ausgeschlossen. Eine neue Öl- oder Gaskrise? Gut möglich, da der Energiebedarf täglich steigt und fossile Ressourcen auf jeden Fall endig zu sein scheinen. Aber am deutlichsten erscheint vielen spätestens seit der Geburt Knuts im Jahr 2007 der Klimawandel. Ein riesen Problem, wenn man der derzeitigen medialen Hysterie folgt. Vielleicht zu recht, vielleicht auch nicht. Ich denke völlig unbegründet sind die Bedenken nicht, aber glaube ich auch nicht an den baldigen Untergang. Vielleicht des Abendlandes, aber nicht der gesamten Welt. Bei diesem Gedanken könnte man mal ganz subtil fragen, was die ganzen „Weltenretter“ eigentliche mehr unbewusst als bewusst schützen wollen. Aber das will ich hier nicht thematisieren. Viel interessanter ist, woran die ganzen guten oder schlechten Ideen mehr oder weniger scheitern. Meistens ist das gängige Argument doch, es fehle am Geld. Und wie ich gerade dargelegt habe ist Geld für mich im Ernstfall kein Argument mehr!

Also liebe Weltenretter, schreit nicht mehr nach Geld, im Ernstfall ist es da! Aber wann ist der Ernstfall und viel wichtiger, was ist wenn sich das Problem nicht mir Geld lösen lässt? Gott sei Dank bin ich Kapitalist und Glaube an die heilende Kraft des Geldes. Umso wichtiger erscheint es mir für den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Mittel zu kämpfen.

Der Zeitpunkt der Erkenntnis eine Problems als erster, für mich alles entscheidender Faktor. Und weil der so zentral ist will ich erst den zweiten wichtigen Punkt behandeln, das Mittel. Wie das Mittel aussieht ist mir egal. Ob das öffentliche Verkehrsmittel sind, erneuerbare Energien oder Atomkraft, intensive Forschung oder Entwicklungshilfe, jedes einzeln oder alle zusammen, ist mir egal. Natürlich kann man ein paar ehrende Ziele setzten, wie Inovation, Gemeinnützigkeit lokal und global, möglichst sparsam im Input und möglichst ergibig im Output oder alles weiter was den billig und gerecht Denkenden als ehrenhaft erscheint. Wichtig wäre für mich nur in aller Unkenntnis, dass es effektiv und anschließend angemessen ist.

Gemein sind allen Mitteln sicherlich zwei Faktoren, die entscheidend für den Erfolg sind. Der Zeitpunkt und der Wille zur Handlung. Der Zeitpunkt als objektives Kriterium und der Wille als subjektives Kriterium. Der Zeitpunkt zur Handlung ist entscheidend, denn davon hängt ja zweifelsohne ab, zu welchen Handlungen man noch fähig ist. Simples Beispiel ist die Zubereitung von Essen. Wenn ich Gäste erwarte und Essen versprochen habe, dann bleibt mir ab einem gewissen Zeitpunkt bis zum Eintreffen der Gäste nicht mehr die Möglichkeit ein Fünfgängemenü zu kochen, sondern nur noch der Griff zur Tiefkühlpizza. Zugegeben, in diesem Beispiel ist mir das Eintreffen der Gäste bestimmt und ich kann mir selber einen Zeitpunkt zur Handlung wählen. Wer will kann auch hier wieder eine Wertschöpfung herrauslesen. Je früher ich den Zeitpunkt wähle, umso mehr kann ich handeln und somit ein vielleicht besonders aufwändiges und wertvolles Essen bereiten.

Das ganze übertragen auf die Welt? Der Klimawandel ist nicht gewiss, ist auch nicht entscheidend. Wichtiger ist der Zeitpunkt, den wir wählen um gegen den Klimawandel zu agieren. Denn danach entscheiden sich zugleich auch die Mittel, die wir einsetzten können. Je früher der Zeitpunkt gewählt wird können wir auf konventionelle Mittel zurückgreifen. Je später der Zeitpunkt gewählt wird müssen meiner Ansicht nach auf inovativere Mittel zurückgegriffen werden, da diese ihre Wirkung vielleicht schneller entfalten können.

Ja und wann ist der rechte Zeitpunkt? Ich sage es lässt sich nicht an den Technologien festlegen. Vielmehr haben Technologien neben einigen anderen Faktoren, wie Gewohnheit, Komfort oder Einsicht, Einfluss auf unseren Willen. Der Zeitpunkt definiert sich durch die Summe jedes einzelnen Willen zur Handlung. Haben sich genügend gefunden mit Willen zur Handlung ist der Zeitpunkt gekommen. An dem Zeitpunkt definieren sich dann wiederum die Mittel, welche eingesetzt werden. Kapitalistisch gesehen: Ist eine Nachfrage (Wille) entstanden wird es auch ein Angebot (Mittel) geben.

Und was macht man jetzt mit dieser Erkenntnis? Nunja, um als erstes nochmals auf die Eingangsfrage zurück zukommen „Was kostet die Welt?“, sie kostet unseren Willen. Unser Wille definiert jeden Tag aufs neue, was uns die Welt wert ist. Und den hat ja jeder für sich alleine. Ich will hier keinem ins Gewissen reden, da mein eigener Wille nur von Zwölf bis Mittag reicht oder eben nur von der Haustür bis zum Volvo.

Nein wir müssen weg von den Diskussionen um Geld, Technologie und Klimawandel überhaupt. Man möge mir den Spruch verzeihen, aber der Kampf um die Köpfe wird entscheiden, was uns die Welt wert ist. Die beste Willensbeeinflussung wird gewinnen. Hoffen wir, dass die „richtige“ Seite gewinnt und folgende Generationen auf die Frage „Was kostet die Welt“ nicht antworten müssen: „Damals war das Angebot einfach zu schlecht!“

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