Archive for Februar, 2010


Grundeinkommen – Paradies oder soziale Hölle?

Passend zu meinen Gedichten, die anscheinend wenig Resonanz ausgelöst haben, möchte ich heute mit euch das umkämpfte Thema Sozialstaat diskutieren. Auf Spiegel-Online hat der Hamburger VWL-Professor Thomas Straubhaar einen Neustart des Sozialstaates vorgeschlagen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,679461,00.html

Er geht von folgenden Prämissen aus:

1. Das deutsche Steuersystem ist zu kompliziert.

2. Es würde eine Sozialpolitik der Einzelschicksale gemacht werden.

3. Es gäbe für Langzeitarbeitslose zu wenige Anreize für eine Rückkehr ins Arbeitsleben.

4. Missbrauch des Sozialstaates und soziale Armut sind kein Kennzeichen für unsere gesamte Gesellschaft.

5. „Das Armutsrisiko [sei] hierzulande geringer als im EU-Durchschnitt“.

Seine vorgeschlagene Sozialreform stellt sich als ein kompletter Systemwechsel dar. Anstatt individuell berechneter Steuern und Sozialleistungen sollen alle Menschen in Deutschland ein steuerfreies Grundeinkommen bekommen. Je geringer dieses von Staat gezahlte Grundeinkommen sei, desto niedriger wäre der Steuersatz, der das darüber hinausgehende Einkommen belasten würde, und desto höher wäre der Anreiz für Arbeitslose wieder in den Beruf einzusteigen. Das klingt ersteinmal logisch.

„Die meisten der heutigen Sozialtransfers könnten durch das Grundeinkommen ersetzt werden. Statt all der vielen einzelnen Sozialleistungen wie Grundrente, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Bafög, Wohn- und Kindergeld sollte es nur noch das Grundeinkommen geben.“

Der Staat würde so auch Einsparungen durch den Wegfall von übermäßiger Bürokratie machen. Leider geht Straubhaar nicht näher auf die realen Folgen dieser Reform ein. Aus der „Realität“ würde durch diese Umstrukturierung kein „Paradies“ entstehen, immer noch würde es Menschen geben, die den Staat ausnutzen würden.

Wie steht ihr zu dieser Idee? Sträubt es euch das Haar, wo seht ihr Schwächen, oder stimmt ihr mit dem Autor überein, dass der Staat die Sozialpolitik radikal reformieren sollte? Wenn ja, auf welche Weise?

Straßengeflüster

Der Asphalt ist hart

doch im Sommer ist er warm

im Winter wird er kalt

nur eine Flasche hältst du im Arm

fliehst dann in die U-Bahn

wo dich die Menschen treten

manche bleiben bei dir stehn

doch um Hilfe hast du nicht gebeten

du bist noch gar nicht alt

doch lange lebst du nicht

alle sehn an dir vorbei

sie erschreckt dein hässliches Gesicht

was ist nur passiert

dass du diesen Weg gegangen?

fühlst du dich einfach frei

oder bist du in dir selbst gefangen?

du willst ein Mensch sein

doch die anderen halten dich

für schmutzig und gemein

dieses Ungeziefer

ist normal in dieser Stadt

sagen viele Leute

das macht mich ganz schön platt

willst du dir helfen lassen

so lass dir sofort helfen

es gibt auch Menschen

die interessieren sich für dich

doch diese sind so selten

alle andren schämen sich für dich

Die Zukunft Berlins

Wir stapfen durch die Straßen

Wenn es in Strömen regnet

Samstagabend Sonntagmorgens

Sind wir uns begegnet

Wir liegen im Dreck

und graben im Müll

vielleicht gibt’s da ein paar Flaschen

damit fülln wir unsre Taschen

Haste ne Zigarette?

Brauchste noch n Ticket?

Vorbei laufen die Herren

die spieln am Samstag Cricket

Und wenn die Gosse brennt

riecht mans bis zum vierten Stock

doch löscht es keiner

man hat nur einfach keinen Bock

Unser Zuhause wechselt Tag für Tag

es liegt unter unsren Füßen

unsere Omas trinken nur noch Kaffee Hag

wir lassen sie noch nicht einmal mehr grüßen

Die Zukunft Berlins

Liegt in unserer Hand

Wir sprühen unsere Seele

In der U-Bahn an die Wand

Februar

So Kalenderblatt #2 – Protagonisten sind Antilopen in jeder Form, Größe, Farbe … genauere Informationen zu den einzelnen Arten als Bildbeschreibung