Archive for Mai, 2010


Dostojewskij – Der Spieler

Klassiker der Weltliteratur für 1,50 € zu erstehen, ist schon ein tolles Gefühl. So kann das Bücherkaufen schnell zur Sucht werden, vor allem bei mir. Das Thema „Sucht“, aber diesmal „Spielsucht“,  wird auch in meinem neueren Fang verarbeitet. Um meine Desorientierung in der russischen Literatur  zu überwinden, habe ich mich an Fjodor Michailowitsch Dostojewskijs Roman „Der Spieler“  herangewagt. „Heranwagen“ ist eigentlich das Falsche Wort für dieses wunderschöne Stück Literatur. Doch nicht zuletzt durch die Klitschko-Brüder und ihre Milchschnittenwerbung ist die russische Literatur dazu bestimmt „ schwere Kost“ zu sein. „Tooooolstoiiiij – schwääääääärrrre Koooohst“, könnt ihr euch erinnern?

Wer keine Lust hat sofort Dostojewkijs Jahrhundertroman „Der Idiot“ mit seinen fast 800 Seiten zu lesen, dem empfehle ich zum Einstieg den „Spieler“. Knackige, spannende und sprachvollendete 150 Seiten! Die Atmosphäre des Buches ist folgende: Die adelige Highsociety der wichtigsten europäischen Nationen trifft sich in der fiktiven deutschen Stadt Roulettenburg, um ihre Renten zu verprassen, die ihnen ohne Arbeit durch große Landgüter in die Hände fließen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts präsentiert sich ihre Residenz, ein nobles Kurhotel zwischen Bürgerlichkeit und Hofstaatlichkeit, als Schmelztiegel unterschiedlichster Charaktere und Nationen. Das erinnert doch stark an Thomas Manns Zauberberg? Doch anstatt Lungenleiden zu pflegen, ist der langweilige Müßiggang die schlimmste Krankheit der Bewohner. Jetzt wird einem klar, warum Thomas Manns Erzählstil zu der Erzähltradition des 19. Jahrhunderts gerechnet wird.

Ein Lotterleben, würde man denken. Doch der Schein trügt. Die Hauptfigur Alexej Iwanowitsch ist als Hauslehrer bei einem schwer verschuldeten russischen General angestellt, der seine Familie und Diener wie einen Hofstaat um sich schart. Der Aufstieg der Bourgeoisie beginnt, der Abstieg des Adels scheint nicht mehr fern. Um sein galantes Leben weiter aufrechtzuerhalten, spekuliert der abgebrannte General auf das Ableben einer reichen Großtante in Russland, dessen Erbe er anzutreten gedenkt. Doch dann…

Die eigentliche Haupthandlung kreist aber um Alexeij und seine Liebe zur Tochter des Generals – Paulina. Eines Nachts gewinnt Alexeij, der sonst nie spielt, alle Roulettetische auf einmal. Sein Glück kann er kann er kaum fassen, seinen Gewinn muss er sofort Paulina zeigen. Paulina, hoffend, in Alexeij einen wirklichen Freund abseits der adligen Scheinwelt gefunden zu haben, denkt, er wolle sie kaufen, und kündigt die Freundschaft. Es konnte anscheinend nicht anders kommen. Alexeij sinkt immer weiter hinab in den Sumpf des Spiels.

Einige herrliche Szenen konstruiert Dostojewskij zur Freude des Lesers: Alexeij unterwirft sich bei einem Parkspaziergang dem Willen Paulinas. Sie spielt mit ihm und möchte, dass er die Frau eines edlen deutschen Grafen auf offener Straße anspricht. Ein bürgerlicher Hauslehrer, der sich so etwas traut! Alexeij stürzt sich in sein Unglück und produziert einen handfesten Skandal im Hotel. Diese Zeit war so anders als unsere. Später – jetzt kann ich es ja ruhig verraten – reist zum Schrecken aller die tot geglaubte Großtante an. Die resolute alte Dame lässt sich in nichts reinreden und verspielt all ihr Geld, der General ist der völligen Verzweiflung nahe. Mit dieser Großtante soll Dostojewskij seinen lebendigsten Charakter entworfen haben. Ich habe mich halb totgelacht!

Dostojewskij verarbeitet in diesem kurzen Roman seine eigene Spielsucht auf seinen Reisen durch Europa – er soll sie dadurch nicht besiegt haben.

Also Leute: Keine Angst vor den alten Russen! Die sprachliche Schönheit der Werke Gogols, Dostojewkijs und Tolstois überwältigt so, dass die angebliche Schwere der russischen Steppe in den Hintergrund tritt.  Ich stehe am Anfang, einen für mich neuen literarischen Kosmos zu entdecken.

Mai

So ihr Lieben, der Blog ist ja ein wenig eingeschlafen, höchste Zeit für Afrika im Mai!

Thema ist – wie könnte es anders sein – die Vielfalt der Vogelarten Südafrikas! Und die kann sich sehen lassen – staunend schon am ersten Tag erblickt man in jedem Busch, am Grund, in jeder vorstellbaren Form, Farbe und Größe unterschiedlichste Arten. Genauere Beschreibungen s.u.  😉