Es hat sich wieder einiges aufgestaut. Wenn der aufmerksame Beobachter täglich durch die Weiten des WWW und sonstiger medialen Massenabfertigung rauscht, fallen ihm  immer wieder zotige Schoten auf, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will.

Die WM ist vorbei, Südafrika tierisch verschuldet. Jogi Löw ruiniert sich laut der B.Z. im Vertragsdrama und der Held von Schland ist unser aller Lieblings-Rhetor Lukas Podolski. Ich glaube es war beim Spiel gegen Australien, als Bela Rethi auf einmal meinte, Poldi würde – man lese und staune – „geistesgegenwärtig“ wirken. Vor Lachen fiel ich fast vom Stuhl. Eine höchst philosophische Frage ergab sich wie von selbst: Kann etwas „gegenwärtig“ sein, was in unserer Realität gar nicht vorhanden ist? In der mittelalterlichen Praxis der „Vergegenwärtigung“ von Heiligen in der Andacht vor selbigen Heiligenbildern, verschwindet das Medium, nämlich das Bild, und der mittelalterliche Mensch betet direkt zur Ikone. Man lasse sich im Paradigma „Podolski“ einmal auf diese Vergegenwärtigung ein, lässt das Medium „Körper Podolski“ verschwinden und vergegenwärtige sich nur seinen „Geist“:

Ein anderes Thema liegt mir wesentlich mehr am Herzen: Berlin musiziert ununterbrochen, eine summende, trommelnde, trillernde Stadt. Manche Straßenmusiker spielen so virtuos, dass man mit offenem Mund stehenbleibt und ganz vergisst, dass man gerade über den Alexanderplatz von A nach B gehetzt ist. Die wechselnden Akkordeonspieler im Westausgang der U2-Station am Alexanderplatz brillieren zum Beispiel mit klassischen Standarts auf höchstem Nieveau. Da hört man schonmal zweistimmig die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi, die Soloparts gehören Schwierigsten, was es für die Violine gibt, und die „Straßenmusiker“ spielen diese Stellen mit einer bewunderndswerten Leichtigkeit. Genauso hörenswert ist ein Jazzgitarrist am Hackeschen Markt, den man sich selbst begleitend dort an schönen Abenden findet.

Doch es geht auch anders, stellt richtigerweise Stefan Kuzmany auf SPON fest: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,707844,00.html

Der Autor entfaltet ein allzutaegliches Kreuzberger Horroszenario, wenn er schreibt:

Der Höhepunkt folgt regelmäßig gegen zehn Uhr am Abend: das Medley des Grauens. Es beginnt mit einer unglaublich schlecht gespielten Version der „Schicksalsmelodie“ aus dem Film „Love Story“, die nach wenigen Takten umschlägt in den Latino-Klassiker „Bésame mucho“ und sich dann wandelt in etwas, dessen Titel ich zum Glück nicht kenne, das ich aber mittlerweile im Schlaf heruntersingen könnte. Es gibt kein Entkommen. Wenn die Musik beginnt, erstirbt unser Gespräch. Die leiernden Melodien bohren sich in unser Bewusstsein, ob wir wollen, oder nicht. Wir sind ausgeliefert.

Kann man diesen lustlosen „Musikern“ böse sein? Eigentlich nicht. Doch bin ich es irgendwie doch, ich ertappe mich dabei zu denken, wie es wäre ihnen zu sagen, dass sie eigentlich gar nicht spielen könnten und jeden Tag stundenlang die gleiche Melodie spielten. Bin ich zu sarkastisch? Also doch ein „Straßenmusiker-Diplom“ wie in NYC und anderswo?

Wenn ich allerdings solche Musiker, wie diese hier: http://www.jaw-music.de/ in der Fußgängerzone spielen hören würde, wär das der Hammer!

Ein Geschwisterpaar macht einfach mal Popmusik auf Latein! es klingt tierisch kitschig, aber ein bisschen wie italienisch und die Texte sind auch ziemlich einfach. Da kommt dann so ein Schwulst durch den Äther wie: „De maloooo fatoooo muuuundi […] Scribo nunc haec carminaaaaa.“ (Über das üble Schicksal der Welt […]schreibe ich nun dies Lied.) Das grenzt schon an das üble schicksal der Welt als für Deutschland 2002 Corrina May an den Start ging. Die beiden sollten lieber „De malo carmine omnis mundus lacrimat. Ob eam causam taceo nunc.“ ( über das üble Lied weint die ganze Welt. Aus diesem Grund schweige ich nun lieber) singen…

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