Category: alleinfriedelshain


Beobachtungen

von Philalex89

Ein Hund liegt mit Sonnenbrille und Käppi im Ubahnschacht, vor ihm ein alter Starbucks-Pappbecher, und bettelt mit Hundeaugen für sein Herrchen, der ein paar Meter weiter versucht alte Bahntickets wieder zu verkaufen;

eine Gruppe Punks kettet mit Handschellen willkürlich (?) einen Passanten an einen Fahrradständer;

im dämmrigen Park vor dem Fernsehturm zünden sich im nass-kalten Nieselregen zwei junge Männer eine Haschpfeife an;

ein Obdachloser mit rot aufgedunsenem Gesicht will sich im Eingangsbereich eines Supermarktes aufwärmen, wird von einem ihn duzenden Sicherheitsmann „überredet“ hinauszugehen, um seine Nacht bei sechs Grad Außentemperatur im Freien zu verbringen;

eine Sinti-und-Roma-Mutter geht mit ihren Kindern auf der Straße auf Menschen zu, ob sie Englisch sprechen würden, versucht per Pappschildchen auf ihre Armut aufmerksam zu machen und kauft schließlich bei McDonalds mehrere Maxi Menues;

ein stiernackiger, narbiger Mann mit hochgeklapptem Kragen und Baseballmütze sitzt in der Ubahn, wippt hin und her, schaut nervös und verängstigt seine Sitznachbarn an und stiert schließlich nur noch wippend auf den Boden;

500-600 Stundenten besetzen friedlich das Audimax, während eine Hundertschaft der Polizei das Gebäude umstellt und die Unileitung nicht für Gespräche offen ist;

ein 19-jähriger steht zehn Stunden am Tag auf dem Alexanderplatz und versucht Passanten anzuhalten und davon zu überzeugen, den „WWF“ zu unterstützen, oft vergeblich, da sie (die Passanten) schon von der „Berliner Morgenpost“, „Amnesty International“ und „Aktion Tier“ angesprochen wurden;

15 Punks sitzen um zwei Kisten Sternburger Bier, zwei von ihnen betteln Passanten mit Pappbechern an;

von einem Tag auf den anderen sind alle Uniwanduhren fünf Minuten vorgestellt, so scheint es;

jeder Mülleimer wird per Hand nach Leergut untersucht;

ein Drittel der Berliner Raucher raucht angeblich „Ling“-Zigarretten, käuflich in Ubahnstationen zu erwerben;

ein aufgeregter Tourist photographiert den Fernsehturm im Nebel;

alles wahr, gesehen, gehört, beobachtet auf den Straßen Berlins.

 

 

THE BAND!

hallo leute!

es ist zeit, meine band „10miles“ vorzustellen. leider ist unsere homepage www.10miles.de noch nicht ganz fertig, aber dafür überzeugt diese hier umso mehr: www.myspace.com/10milesberlin.

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Winter

es ist winter. kinder fahren schlitten, der radiomann sagt minus 20°C zur nacht an. der schnee glitzert so schön in der sonne und ein halb erfrorener obdachloser übergibt sich in der notaufnahme. während die s-bahn 20 minuten verspätung hat, die berufspendler sich die hände reiben, holen sie in der ukraine wieder ihre holzöfen raus.  wie klimaschützend gedacht: in deutschland heizen jetzt auch wieder viele familien mit holz und die förster zählen schon den baumbestand. im gaza-streifen ist es eher zu heiß als zu kalt, aber da gibt es ja auch keine bäume. die nächte sind sternenklar in berlin und putins eiskalter atem scheint nicht nur osteuropa zu vereisen. barack dagegen spart sich den atem für seinen amtseintritt und barak ist atemlos, weil er sich um seine uzischützen, frankreich und ägyten gleichzeitig kümmern muss.

sogar die zigaretten-asiaten stehen nicht mehr bis spät abends an der u-bahnstation, schließlich haben wir oberschenkelhalsbruchwetter. es ist so kalt, dass das fresh frozen plasma sich fast warm anfühlt, noch vor dem erwärmen im plasmatherm. bei scheinwerferlicht landend wirbelt der adac-hubschrauber feine schneegriesel auf, die in der luft tanzen und dennoch wieder den boden berühren müssen. die leute in den bars trinken cocktails wie tequila sunrise oder swimmingpool, um dem winter zu entfliehen. die tage werden wieder länger, überall liegen noch sylvesterknaller herum, die stadtreinigung muss wahrscheinlcih ersteinmal die straßen streuen, was solls… ob wohl am fernsehturm eiszapfen hängen? das jahr 2009 hat schon eine große veränderung gebracht: der döner gegenüber kostet 30 cent mehr, wir können also getrost sagen: es kann nur noch besser werden.

es ist die zeit ski zu fahren – oder doch nicht? für martin schmitt war es ein guter start in die skisaison, für dieter althaus leider nicht. doch einer freut sich bestimmt über den unfall: der freigelassene RAF-kauz christian klar schaut auf bildern schon so dämonisch drein. doch hier in berlin ist er anscheinend sehr beliebt. sein mageres antlitz stiert von begrüßungsplakaten der autonomen, die vornehmlich an brückenpfeiler gepappt wurden, herab. was gibt es sonst noch für wichtige nachrichten aus der welt? demnächst fängt das dschungelcamp an, da wären wir wieder beim fliehen vor dem winter. und kiffen soll schizophrenie auslösen. außerdem soll ein bauernsohn aus bayern seine bayrischen bauerneltern erschlagen haben. ich glaub es wird zeit, dass es frühling wird. 😉

liebe grüße aus friedrichshain

euer philip

Der S-Bahn-Trick

die nächste geschichte aus friedelshain behandelt die tage mittwoch, den 19. november, und donnerstag, den 20. november, an denen maltes halbbruder zwecks eines fußballspiel nach berlin gereist war und bei uns in obhut genommen wurde. es war nicht irgendein fußballspiel, sondern das länderspiel-derby schlechthin: deutschland-england. da fällt mir als fußballlaie (schreckliche rechtschreibreform, ein wort mit drei L, das geht doch gar nicht) eigentlich als erstes das umstrittene wembley-tor aus dem jahre 1966 ein, dessen wir uns an dieser stelle erinnern mögen.

so gefaked dieses wembley-tor war, so schlecht und verdient hat die deutsche nachwuchs-dfb-elf am besagten mittwoch gegen die rot-weißen inselpiraten verloren. ich möchte mich in diesem artikel gar nicht auf fußballerische diskussionen einlassen, doch das helmes-tor zum 1:1-ausgleich verdient aufgrund seines hohen unterhaltungswertes besondere erwähnung:

dass deutschland dieses tor doch noch erzielt hat, grenzt fast an ein wunder und ist sicherlich auf die unsicherheit des englischen keepers zurückzuführen. alles in allem war das 1:2 ergebnis durchaus schon in den ersten 20 minuten vorauszuahnen.

richtig lustig war eigentlich nur das drumherum, das heißt die anfahrt und abfahrt mit den öffentlichen verkehrsmitteln, die ab dem alexanderplatz hoffnungslos verstopft waren, wie merlin trotzdem noch einen sitzplatz ergaunert hat, bleibt sein geheimnis, wahrscheinlich spielen sich solche szenen täglich im haushalt blaase ab, wenn sich er und seine fünf geschwister am essenstisch versammeln. jahrelange übung ist da schon von vorteil, das war zumindest maltes theorie. ein nettes gespräch hatten wir mit einem etwas älteren geschäftsmann aus berlin, der ursprünglich aus nordfriesland kam, und sich anscheinend gefreut hat, endlich mal wieder norddeutsch-breit zu reden und gesprächspartner ohne berliner schnauze vor sich zu haben.

angekommen am olympiastadion wurden wir von einigen schwergepanzerten hundertschaften zum eingang geführt und im nachhinein waren wir uns alle einig, dass dieser geleitschutz auch nötig war, denn zwischen dem england- und deutschlandeingang flogen viele bierflaschen und andere aerodynamische gegenstände hin und her.

dann das spiel: langweilig.

die abfahrt: gestaltete sich in etwa genauso schwierig wie die ankunft, wenn ein paar tausend leute gleichzeitig in eine s-bahn steigen wollen, kann man schon im vorraus klaustrophobisch-hektische szenen ahnen. und nun komme ich zur überschrift dieses artikels. genial und angetrunken wie wir waren heckten wir einen teuflischen plan aus: wir nahmen einfach die s-bahn in die gegenrichtung, stiegen bei der ersten haltestelle in die gerade einfahrende richtige s-bahn um und ergatterten so alle einen sitzplatz. ha ha, was für stoffel, dachten wir nur als wir in die haltstelle „olympiastadion“ einfuhren und die drängelnden massen sahen. das war der s-bahntrick.

am donnerstag besuchten wir noch die modellbahnaustellung „loxx“ am alex und kehrten am abend im zünftigen brauhaus mitte ein, von wo wir später noch eine kleine kneipentour starteten. nach ein paar stunden und einigen litern bier mehr suchten wir vergnügt die wohnung auf und legten uns zur verdienten nachtruhe. so fühlt sich der schlaf der gerechten an.

so, ich genieße jetzt noch meinen freien tag, bevor ich morgen in den wochenenddienst starte.

grüße aus friedelshain

philip

p.s.: herzliche glückwunsche zum 20. an vanessa! und probiert mal kleine tricks im alltag aus

die erste familienheimfahrt

nun also doch. nach eineinhalb monaten. norddeutsche tiefebene und endlich keine krankenhauskost mehr, sondern mutters sonntagshänchen im römertopf!

was hab ich für diesen genuss durchgemacht: es fing damit an, dass ich letztes wochenende keine 160 euro für eine eigentlich kostenlose heimfahrt hinblättern wollte, nur weil die deutsche bürokratie mal wieder versagt hat und ein stempel und eine unterschrift dem selbstzweck von akten und ordnern zum opfer gefallen waren. ich rege mich vielleicht auf! in deutschland bekommt ein angehender therapiehund schneller einen ausbildungsplatz als ein durchschnittlicher hauptschüler! (so gesehen im altenheim meiner großmutter)

wie kann ein schienenverkehrsmittel nur „intercity express 554 hansestadt greifswald“ heißen? nun ja , das ist eine andere frage, viel interessanter ist es, dass ich es tatsächlich geschafft habe, in einer viertel stunde von friedrichshain den hauptbahnhof zu erreichen und das besagte hochgeschwindigkeitsgefährt, das vom berliner ostbahnhof nach köln hbf unterwegs war, zu besteigen und sogar noch einen  platz – ja man könnte es so sagen – zu erkämpfen. nachdem alle businessmen ihre applelaptops ausgepackt hatten, konnte ich mich an einem konzert ihrer gleichzeitig einsetzenden blackberry- und iphoneklingeltöne erfreuen, so holte ich sofort meine riesenkopfhörer und meinen steinzeit-discman heraus, um die ganzen meetingabsprachen nicht anhören zu müssen. Wieso muss diese berufsgruppe noch an einem freitag um 16.51 Uhr fanatisch arbeiten, wo sie doch mal zu einem guten buch greifen oder während der fahrt schlafen oder musikhören könnten. in jedem geschäftsmann lauert doch ein geheimer masochist.

der intercity von hannover nach bremen war nicht so gut besucht, doch auch hier hatte ich amüsante nachbarschaft. „dieser zug fährt über nienburg, verden, bremen hauptbahnhof, delmenhorst nach…“. fünf minuten später fragt mich mein nachbar, ob dieser zug auch in delmenhorst halten würde. ich stand ihm rede und antwort und verbuddelte mich unter einer abgestaubten frankfurter allgemeinen zeitung, wovon – so schien es – nur noch der verdammte wirtschaftsteil übrig war. mist! hier hatten also auch schon die businessmen gewütet! ah, da war noch eine zeitung… hmm, nur das „immobilienblatt“. was sollte ich neben diesem delmenhorster ohne zeitung machen? puh, glück gehabt, der feuilleton-teil tauchte plötzlich doch noch auf…

angekommen in bremen musste ich erstmal über dir größe, oder besser „kleinheit“, des bremer hauptbahnhofes schmunzeln, der die dimensionen des u-bahnhofes friedrichstraße gefühlt nicht übersteigt. genau so der trostlose bahnhofsvorplatz. syke, die schöne stadt im grünen, begrüßte mich herzlich mit schwärzester dunkelheit, leichtem nieselregen und einer stille wie im nuklearen winter. diese stille, frei von autohupen und streunenden anarchisten, machte mir fast angst, weswegen ich mich schon auf einen fröhlich-lauten abend mit meinen alten syker freunden freute, der dann am samstag abend celebriert wurde.

so jetzt muss ich aber sachen packen, denn mein zug fährt in einer stunde, vielleicht ist es ja wieder der ice „greifswald“. also wieder zurück in die bunte metropole.

welches gedicht beschreibt die abendstimmung in einem kaff wie syke besser als dieses bekannte gedicht von goethe:

Ein Gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

parodie auf friedelshain:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Punks pöbeln im Haine.
Warte nur, balde
Pöbelst du auch.

verschmitzte grüße

philip

Maltes erster Arbeitstag

So, wieder zuhause, frisch geduscht,
Blick aus dem Fenster, alles dunkel, Blick in dem Fernseher, Simpsons, Blick in den Magen, leer, Blick in den Kühlschrank, leer, Blick zum Pizzamann,weit weg, und vor allem 4 Stockwerke tiefer…
also Hungern!

Sonstiges Entertainmentprogramm, 8n halb gestunden gearbeitet (und nich so möchtergern wir unser aller Freund Marcus „arbeiten“, sondern ARBEITEN!!)

keine Lust mehr auf große Action, erstma ne Runde Civi und schonma auf nächste Woche freuen, Besuch im Olympiastadion, Deutschland-England, morgen Bundesliga, bestimmt wieder nur Unentschieden, nunja muss man mit leben…

…wie ihr seht, das Leben ist hier nicht viel außergewöhnlicher als (wie) anderswo auch

dennoch will ich alle da draußen in der Peripherie grüßen und sagen…

-Berlin du bist so wunderbar Berlin-

haltet die Ohren steif

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der erste monat

ich sitze hier auf meinem stuhl und schaue aus dem fenster, geradewegs in ein schlechtbeleuchtetes fitnessstudio – es ist ein frauenfitnessstudio, nein, deswegen hab ich mir das zimmer nicht ausgesucht… -, welches genau im ersten stock einer mittelklasse-hotelkette liegt, dessen paneuropäische gäste sich jeden tag abends aus ihren fenstern lehnen, heimlich, den rauchmelder austricksend, rauchen und diverse andere dinge tun, sodass mein blick aus dem fenster allabendlich den charakter einer postmodernen theaterinszenierung annimmt, doch ganz nebenbei: ist es nicht eigentlich vermessen, den ersten artikel unseres ersten blog mit dem wort „ich“ anzufangen?

berlin du bist so wunderbar berlin

wenn ich in der u-bahn eingeschlafen bin, und nicht weiß wohin, woraus, schau ich die leute an. Dort wo die meisten prolls, betrunkenen, alternativen, links-anarchisten und die schrägsten paradiesvögel aussteigen, kann ich sicher sein, befindet unsere heimat-haltestelle, manchmal haben sich diese aufgezählten gruppen/weltanschauungen auch in einer person vereinigt und dann weiß ich, ich bin in friedrichshain. Doch auch der südeuropäische austauschstudent, der sich in der jazzkneipe mit seiner trompete ein bisschen geld dazu verdient, oder die germanistikstudentin im 20. semester, mit einem probiotisch erzogenen kleinkind auf dem rücken, gehören zur typischen bevölkerung und prägen nachhaltig das stadtbild. ganz zu schweigen von dem ziagaretten-asiaten, den ganzen tag im zugigen (wie doppeldeutig) u-bahnhof stehend. Die lebenseinstellung der typischen friedelshainer lässt sich am besten an dem gegenüber der neuen o2-world aufgestellten Plakat „h4-world“ festmachen, die menschen leben hier einfach (h4=hartz4), doch auch sehr kreativ, lustig und etwas aufmüpfig.

was haben wir nicht alles schon erlebt… sei es der besuch der offiziellen obama wahlparty oder die deutschlandpremiere von james bond, samt rotem teppich und b-promi-star-glamour a la oliver pocher, „top“model jenny und co., oder das grandiose deep-purple-konzert in der max-schmeling-halle, der tag der deutschen einheit vor dem brandenburger tor.

jetzt sind wir berliner, doch man merkt nich wirklich nen unterschied, oder doch? 4,4 millionen nachbarn aller nationalitäten, oder ist es der döner für 2,20€ der berlin ausmacht, oder das kontinentale klima, frisch aus russland rüberwehend, der geruch der u-bahn, ist es der blick auf den fernsehturm direkt vor der haustür (also der blick), sind es die kneipen, die jeden tag gefüllt sind… damit es nicht zu kitschig wird sag ich es wie mein patenonkel: berlin ist keine stadt, berlin ist ein lebensgefühl. (das ist doch erst recht kitschig, oder?)

für mich bis jetzt ein ziemlich müdes gefühl, das wird aber  an der 8-stunden-schicht im unfallkrankenhaus liegen… hey! dafür sind wir nun stolzer stützpunkt des adac-hubschraubers christoph berlin.

das reicht für heute, bleibt anständig, wir versuchen es zumindest und zum abschluss noch ein zitat aus alfred döblins „berlin alexanderplatz“:

…, er steht jetzt vergnügt und breitbeinig im Berliner Land, und wenn er sagt, er will anständig sein, so können wir ihm glauben, er wird es sein.  ihr werdet sehen wie er wochenlang anständig ist. aber das ist gewissermaßen nur eine gnadenfrist.

grüße philip

p.s.: anständig ist langweilig