Category: Lyrik/Polemik


Straßengeflüster

Der Asphalt ist hart

doch im Sommer ist er warm

im Winter wird er kalt

nur eine Flasche hältst du im Arm

fliehst dann in die U-Bahn

wo dich die Menschen treten

manche bleiben bei dir stehn

doch um Hilfe hast du nicht gebeten

du bist noch gar nicht alt

doch lange lebst du nicht

alle sehn an dir vorbei

sie erschreckt dein hässliches Gesicht

was ist nur passiert

dass du diesen Weg gegangen?

fühlst du dich einfach frei

oder bist du in dir selbst gefangen?

du willst ein Mensch sein

doch die anderen halten dich

für schmutzig und gemein

dieses Ungeziefer

ist normal in dieser Stadt

sagen viele Leute

das macht mich ganz schön platt

willst du dir helfen lassen

so lass dir sofort helfen

es gibt auch Menschen

die interessieren sich für dich

doch diese sind so selten

alle andren schämen sich für dich

Die Zukunft Berlins

Wir stapfen durch die Straßen

Wenn es in Strömen regnet

Samstagabend Sonntagmorgens

Sind wir uns begegnet

Wir liegen im Dreck

und graben im Müll

vielleicht gibt’s da ein paar Flaschen

damit fülln wir unsre Taschen

Haste ne Zigarette?

Brauchste noch n Ticket?

Vorbei laufen die Herren

die spieln am Samstag Cricket

Und wenn die Gosse brennt

riecht mans bis zum vierten Stock

doch löscht es keiner

man hat nur einfach keinen Bock

Unser Zuhause wechselt Tag für Tag

es liegt unter unsren Füßen

unsere Omas trinken nur noch Kaffee Hag

wir lassen sie noch nicht einmal mehr grüßen

Die Zukunft Berlins

Liegt in unserer Hand

Wir sprühen unsere Seele

In der U-Bahn an die Wand

Balina Herbst

 von Philalex89



Eine Glocke, so bronzen, schallt
Die Tauben am Dom ,sie lachen
Deine Locke im Winde wallt
Im Winde die Äste krachen

Am Zeughaus gibt es regen Tausch
Ob Kunst, ob Trödel: Du kannst ihn finden
Nur nicht, wenn der Regen rauscht
Musst du die Zeit im Museum schinden

Kleiner Mann im grauen Frack
Bedient flötend Leierkasten
Plätzchen im Ofen: Backt!
Bevor wir müssen zur Feier hasten

Buntes Laub im Winde wallt
Im Winde die Zweige knicken
Nur nicht, wenn der Regen schallt
Tropfen Blätter leis' zu Boden drücken

Gülden Sonnenstrahl-Glasur
Ach, wie mir das Herz da lacht
Bedeckt nicht nur die Rathausuhr
Berlin im Herbst ist eine Pracht

Autumn leave(s)

by fatjoe89

Herbstgedanken

„Der Tag ist kühl und grau.

Ein nass-kalter Wind peitscht in mein Gesicht und bringt meine Nase zum tropfen

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Ohne Titel

„Gewürz“, hatte er gesagt, der füllige Mann;
„Gewürz“ doch es hatte wie „Geh, würz!“ geklungen. Sein Bauch war über die Tischplatte geschwappt, die Serviette an die Brust gelegt, wie ein kleines Kind. Sollte er doch sein Gewürz haben, sein „Oregano“, mit dieser falschen Betonung, als wollte er mit dem „Ooo“ die Kerzen löschen.
Es sind immer die Kaputten die hier essen, die Einsamen, die Dicken, die, die vom Leben nicht bedient wurden, sich hier für Geld beachten lassen.
„Hier ihr OreGAno der Herr“, sollte ich sagen, um ihm zu zeigen, dass der, der das Geld hat noch lange nicht das letze Wort hat.
Trinkgeld wird’s ja sowieso nicht geben, zu fettig, sei ihm die Soße gewesen, zu fettig, das sagt der, der bald mehr auf, als am Tisch sitzt.
Es sind immer die, die allein kommen, immer die, die kein Geld geben, denen es nicht schmeckt, die so langsam essen, als äßen sie um nicht Heim zu müssen, um unter Menschen zu sein, um zu zeigen, Ich esse, ich habe ein Leben außerhalb meiner Wände.
Er isst immer noch, schmeckt wohl doch ohne Oregano, was weiß er schon von Geschmack, die Serviette um den Hals. Und dann diese Haare, vom Ansatz läuft ihm der Schweiß, fast in die Suppe. Wenn er einen Gabel voll nimmt, öffnet er den Mund als müsste er seine ganze Faust schlucken.
Die Faust sitzt neben dem Teller, zittert leicht und immer wenn er sie hochnimmt um sich mit beiden Händen den Mund zu wischen- ein Fleck wo sie vorher lag. Er schwitzt. Er schwitzt am Kopf, in der Faust, überall.
Widerlich, doch jetzt schaut er auf, er sucht mich, sucht sein Gewürz.
Soll er es haben, Erstick dran!

Der Gast bedankt sich nett, bei den jungen Keller, isst in Ruhe zu Ende, bezahlt, zahlt großzügig Trinkgeld. Auf dem Weg zurück ins Büro denkt er sich, hier könne er sonntags mit der Familie essen, gutes Essen, nette Bedienung… Er schmunzelt, denkt wie seine Frau sich freut mal wieder italienisch zu essen, denkt an die Kinder, ihre tomatenrot verschmierten Münder, und freut sich auf den Feierabend.

Der Kellner beendet seine Schicht um 11 läuft mit wunden Füßen im Dunkeln nach Hause, macht sie eine Dosensuppe, in der kalten, dunklen Küche, isst, guckt fern, schläft vor dem Fernseher ein.

zur Krise…

Avaritia

Oben, die letzte Stufe,
halt es fällt,
ich rufe,
Scheiße mein Geld!

Wie es rollt,
behebig springt,
blitzend gold,
klirrend klingt.

nach der Treppe aus der Tür
Dich schnapp ich mir,
bleib hier!

Seh wie’s auf die Auffahrt rollt,
und das kleine Gold,
sich Richtung Straße trollt.

Fast hab ich es eingeholt,
siegesgewiss am Mittelstreifen,
greif ich es,
quitschende Reifen!

Noch bevor meine Hand
die Münze fand,
werd‘ ich durch die Luft gerissen,
Knacken, Schreien Zischen.

Lande auf meinem Kopf,
Blut tropft,
der Leib ganz zerfetzt,
und verbissen denk ich jetzt:
muss ich wohl doch sterben,
10 Cent, mich in den Tod gehetzt,
nicht mal die kann ich vererben.

Durch des Unfall große Kraft,
ist die Münz‘ in Schwung bekommen.
hat sich wieder aufgemacht,
ist mir endgültig entronnen.

Wie die Tomaten rot wurden

Wie die Tomaten rot wurden

Als Gott sie schuf, die Tomaten,
waren sie ihm gut geraten.
Sie hingen gold-gelb an hohen Bäumen
und wussten’s Paradies zu säumen.

Doch mit einem Mal,
nämlich mit dem Sündenfall,
wurde es für sie fatal.

“Kommt probiert von dieser hier”
sprach listig die Schlange.
Adam packte schnell die Gier,
da wurd‘ den Tomaten bange.
Waren etwa sie gemeint?,
doch sie wehrten sich vereint.
Sie wollten nicht das Böse schaffen,
niemand soll’t sie dafür hassen.

Drum fielen sie sofort vom Baum,
versteckten sich im Strauches Saum.

Die Tomaten planten Flucht
doch Adam griff zur andren Frucht,
biss hinein
und das Böse setze ein.

Mit Gück und Geschick,
auf den Baum zurück,
wollten die Tomaten nun,
doch das war nicht zu tun.

Kaum sprangen sie die Äste hoch,
hofften auf die Heimkehr noch,
fielen sie sodann zu Hauf,
allesamt zurück zum Strauch.

Angestrengt und wutentbrannt
liefen sie dann bald rot an.
Und siedelten sich unten an.

Hätten sie nicht aufgeben,
könnten wir noch heut erleben,
wie sie in den Bäumen hängen
und sich nicht auf Feldern drängen.

Familie Manschettenknopf

Ein Manschettenknopf auf Wanderschaft

Ist so selten wie

Gequirrlter Schrumpfkopf  mit Tomatensaft

Doch wenn er sich befreit

Umschlagmanschetten verlässt mit aller Kraft

Und in die Freiheit schreit

Sagt sich das Hemd, oh hätt ich nur ’ne

Sportmanschette, dann fuhr ich mit Anette

Herunter nach Italien zu den Vettern Armanien

Und Dolce und Gabanien

Doch nun ist der Ärmel lose, passt nicht zur Hose

Manschettenknöpfe, so silber und golden,

Vermissen das weiße Leinen nie

Und verbingen in trauter Zweisamkeit

Ihren Urlaub am Strand von Rimini

Brief an Aphrodite

(Laut mitsprechen hilft!)
(Edit 23.12.: Auf Wunsch jetzt mit Legende 😉 )

Meine Geliebte, ich lernte Dein  α (alpha)
β m Samstag. (beta)
Als Dein zukünftiger Bräuti γ che ich mir gerade Gedanken über (gamma)
die Hochzeit. Dieses Fest verwan δ lles. (delta)
Zuerst reichen wir einen P ε gdrink, (epsilon)
in das gan ζ uchen wir ein paar Weintrauben (zeta)
mit einem Schuß M η xa. (eta)
Dann gibt’s Musik von θ lking Heads, und wenn (theta)
Alexis zum Ban ι nzt, (iota)
mit seiner neuen κ ufm Kopf, da kommt Stimmung auf. (kappa)
Zum Hauptmahl reiche ich das λ s uns bestimmt munden wird. (lambda)
Du siehst all meine Liebes μ. Und gehen auch einige (mü)
Weinkrüge hi ν ber, was solls, (nü)
das macht ma ξ mal ein paar Drachmen. (xi)
Und da Deine ο korken sammelt, kommt (omikron)
sie bei den vielen π lsflaschen auch auf ihre Kosten. (pi)
Geliebte Aph ρ dite, ist das Fest vorbei, (rho)
fahren wir nach σ ringen in die Flitterwochen (sigma)
und stehen hoffentlich nicht im S τ. Dann besuchen wir Harmonia in England, (tau)
weißt Du mit welchem T υ don bereist? (ypsilon)
φ lleicht (phi)
kenne i χ hn ja? (chi)

Alles Liebe, Dein Schatz

ψ ch glaube, (psi)
s ω feten haben’s in sich! (omega)

(Quelle: Teilweise aus meiner Mathe-Übung, teilweise grade improvisiert 😉 )

Sieben auf einen Streich

Heute gleich sieben Artikel in einem, es folgen:

-Moralpredigt eines Nihilisten

-Charismabescheibung Ronald Pofallas

-haltbare Gottesbeweise

-ästhetische Momente eines Fussballspiels

-Liste verifizierter Verschwörungstheorien

-Ranickis Legitimation als Brachenfremder das deutsche TV-Programm derart zu     kritisieren.

-Gelungende Pointen Mario Barths während seines Abendprogrammes

In diesem Sinne

Marcus