Tag Archive: bürokratie


Bei meiner (derzeitigen) Lieblings-Tageszeitung, dem berliner Tagesspiegel, las ich eben einen Text über die Rekonvaleszenz des Irak. Dort werden auch einige Worte über einige von US-Soldaten gefundene Al Qaida Dokumente verloren, die in West Point analysiert wurden. Einer der Gründe für den Machtverlust der Al Qaida im Irak war demnach „überbordende Bürokratie„:

Auch hätten die Kämpfer ständig neue Hierarchien und Titel erfunden. So gab es irgendwann „einen Emir für Granaten, einen Emir für Verwaltung, einen Emir für fern gezündete Bomben sowie Emire für Nachschub, Gas, Zelte und die Küche“

Noch so ein westliches Problem, das eigentlich keins ist 😉

Aber das nur als kleiner Anreißer, den ich Euch nicht vorenthalten wollte; auch der übrige Text ist wirklich lesenswert und geht natürlich auch auf weniger komische und trotzdem ebenso wichtige Aspekte ein, die die Frage über Sinn oder Unsinn des Irakkrieges wieder einmal eindeutig beantworten.

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Was wäre, wenn Philosophen Könige wären?

prolog:

hiermit eröffne ich eine neue kategorie, in welcher utopien jeglicher art aus ihrem kerker der engstirnigkeit befreit werden sollen. diese überlegungen oder neuen theorien dienen nur der geistigen und seelischen erbauung und erheben in keinerlei weise anspruch auf reale gültigkeit, was ja auch schon in dem wort „utopie“ anklingt. zudem kann – nein – vielmehr soll diese kategorie, trotz ihrer gedanklichen flexibilität, den geneigten leser humorvoll erquicken.

erstes thema:

das schöne an der philosophie, der freundin der weisheit, ist, dass sie die spitzendisziplin aller wissenschaften bildet, weil sie alles, worüber menschen nachdenken können, einschließt. philosophie hat in unserer zeit einen schlechten beigeschmack, der nach moral und weltfremder, geistiger isolation schmeckt, was natürlich auch an der schwierigkeit ihrer geschriebenen texte und nicht zuletzt an ihrer gedanklichen freiheit, mit der immer die sprengung alltäglicher werte und normen einhergeht, liegt. schon der niederländische maler rembrandt griff das klischee von philosophen im elfenbeinturm auf:

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doch philosophen sind viel mehr als isolierte, nichtsnutzige – heute würde die wirtschaft von „uneffektiv“ sprechen – denkartisten, sondern sie versuchen zum wohle der menschheit zu erforschen, „was die welt im innersten zusammenhält“. schon platon war ein meister in anderen wissenschaften, wie mathe, rhetorik oder sogar kriegsführung. um auf das thema zurückzukommen: ja, ich habe das thema der philosophenkönige von platon, dem alten haus, geklaut. doch was schreibt er in seinem werk „der staat“ zu dieser thematik?

Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten, oder die jetzt so genannten Könige und Gewalthaber wahrhaft und gründlich philosophieren, und also dieses beides zusammentrifft, die Staatsgewalt und die Philosophie, von den Leuten aber, die sich jetzt jeder von beiden getrennt zuwenden, die meisten im Blick auf ihre Naturanlage unerbittlich angeschlossen werden, so gibt es kein Ende des Unheils für die Staaten, ja ich glaube für das Menschengeschlecht.

hmm, sieht also schlecht aus für die meisten staaten, denn welche wird von einem echten philosophen regiert? deswegen also die kriege und unschöne sachen wie der welthunger oder finanzcrash oder die holländer an sich…

wie könnte zum bespiel deutschland aussehen, wenn es von einem philosophen regiert werden würde? ich würde sagen, ersteinmal monarchisch. WAS? igitt, bloß nicht, sowas hatten wir ja schonmal… also doch demokratisch, volksgeführt. die alten griechen nahmen diese bezeichnung wohl zu wörtlich, denn platon schimpft in seinen schriften erbittert darüber, wie das volk, wenn es einmal die demokratie erzwungen hat, in den straßen wütet und unzucht treibt, was sich bei platon mehr nach anarchie als nach einer staatsform anhört. aber wir leben ja 2,5 tausend jahre weiter und unsere demokratie ist also durchaus erhaltenswert.

wie sieht deutschland nun mit seinem bundestag voller philosophen aus? ich präsentiere am besten ersteinmal den istzustand anhand eines videos, das das wesen des politiktreibens in deutschland symbolisiert:

wieso muss der gemeine deutsche abgeordnete meistens leere worthülsen um sich werfen, wenn doch wirklich wichtige dinge mit wenigen worten am besten erklärt sind? die prägensten aussagen in der menschheitsgeschichte wurden mit ein paar worten auf den punkt gebracht, wie zum beispiel „ich denke also bin ich“ (descartes), „ich weiß dass ich nicht weiß“ (Sokrates, und nicht wie oft fälschlcherweise „ich weiß, dass ich nichtS weiß“ übersetzt), oder „schalke ist ein scheißverein“ (eigentlich alle).

nicht nur, dass der deutsche politiker die form der gepflegten, verständlichen rhetorik sprengt, nein! es mangelt ihm auch an inhaltlichem feingefühl!

man könnte nun also eine masse von philosophen erziehen, zwischen denen das volk wählen kann. jeder dieser gelehrten sollte neben seiner geistigen intelligenz natürlich auch emotional/sozial topfit sein, doch glaube ich, dass sich das eine aus dem anderen ergibt, denn wer wirklich intelligent ist, der achtet auch den anderen.

ein abbau der bürokratie und geminderter eigennutz wären kennzeichen solch einer regierung und die schönen künste würden genauso viel geförtert werden wie die industrie. (yeah, 100 milliarden euro für die lokalen theater und musikschulen!) ein studierwilliger müsste nicht jahrelang auf einen studienplatz warten, obwohl er tausend formulare ausgefüllt, praktika absolviert hat, um dann dennoch 500 euro studiengebühren bezahlen zu müssen. oder kinder würden nicht verhungern, weil die jugendämter nur ihre akten sortieren würden und das kind nicht besuchen könnten. eine zu streng geführte bürokratie führt ja immer ins verderben. (noholo)

jetzt würde man denken, ja wieso braucht man dafür philosophen? braucht man nicht, und das sagt sogar platon: die machthaber müssen nur „wahrhaft und gründlich philosophieren“, was für mich heißt, dass sie einen gründlichen, fundierten und menschenliebenden blick auf die welt besitzen und über den eigenen tellerrand (bei platon ist es eine höhle) schauen müssten. Amen.

antworten und kommentare bitte nicht in diese kategorie sondern halt woandershin. neue themen in dieser kategorie nur mit der überschrift „was wäre, wenn (eigenes thema)“.

die erste familienheimfahrt

nun also doch. nach eineinhalb monaten. norddeutsche tiefebene und endlich keine krankenhauskost mehr, sondern mutters sonntagshänchen im römertopf!

was hab ich für diesen genuss durchgemacht: es fing damit an, dass ich letztes wochenende keine 160 euro für eine eigentlich kostenlose heimfahrt hinblättern wollte, nur weil die deutsche bürokratie mal wieder versagt hat und ein stempel und eine unterschrift dem selbstzweck von akten und ordnern zum opfer gefallen waren. ich rege mich vielleicht auf! in deutschland bekommt ein angehender therapiehund schneller einen ausbildungsplatz als ein durchschnittlicher hauptschüler! (so gesehen im altenheim meiner großmutter)

wie kann ein schienenverkehrsmittel nur „intercity express 554 hansestadt greifswald“ heißen? nun ja , das ist eine andere frage, viel interessanter ist es, dass ich es tatsächlich geschafft habe, in einer viertel stunde von friedrichshain den hauptbahnhof zu erreichen und das besagte hochgeschwindigkeitsgefährt, das vom berliner ostbahnhof nach köln hbf unterwegs war, zu besteigen und sogar noch einen  platz – ja man könnte es so sagen – zu erkämpfen. nachdem alle businessmen ihre applelaptops ausgepackt hatten, konnte ich mich an einem konzert ihrer gleichzeitig einsetzenden blackberry- und iphoneklingeltöne erfreuen, so holte ich sofort meine riesenkopfhörer und meinen steinzeit-discman heraus, um die ganzen meetingabsprachen nicht anhören zu müssen. Wieso muss diese berufsgruppe noch an einem freitag um 16.51 Uhr fanatisch arbeiten, wo sie doch mal zu einem guten buch greifen oder während der fahrt schlafen oder musikhören könnten. in jedem geschäftsmann lauert doch ein geheimer masochist.

der intercity von hannover nach bremen war nicht so gut besucht, doch auch hier hatte ich amüsante nachbarschaft. „dieser zug fährt über nienburg, verden, bremen hauptbahnhof, delmenhorst nach…“. fünf minuten später fragt mich mein nachbar, ob dieser zug auch in delmenhorst halten würde. ich stand ihm rede und antwort und verbuddelte mich unter einer abgestaubten frankfurter allgemeinen zeitung, wovon – so schien es – nur noch der verdammte wirtschaftsteil übrig war. mist! hier hatten also auch schon die businessmen gewütet! ah, da war noch eine zeitung… hmm, nur das „immobilienblatt“. was sollte ich neben diesem delmenhorster ohne zeitung machen? puh, glück gehabt, der feuilleton-teil tauchte plötzlich doch noch auf…

angekommen in bremen musste ich erstmal über dir größe, oder besser „kleinheit“, des bremer hauptbahnhofes schmunzeln, der die dimensionen des u-bahnhofes friedrichstraße gefühlt nicht übersteigt. genau so der trostlose bahnhofsvorplatz. syke, die schöne stadt im grünen, begrüßte mich herzlich mit schwärzester dunkelheit, leichtem nieselregen und einer stille wie im nuklearen winter. diese stille, frei von autohupen und streunenden anarchisten, machte mir fast angst, weswegen ich mich schon auf einen fröhlich-lauten abend mit meinen alten syker freunden freute, der dann am samstag abend celebriert wurde.

so jetzt muss ich aber sachen packen, denn mein zug fährt in einer stunde, vielleicht ist es ja wieder der ice „greifswald“. also wieder zurück in die bunte metropole.

welches gedicht beschreibt die abendstimmung in einem kaff wie syke besser als dieses bekannte gedicht von goethe:

Ein Gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

parodie auf friedelshain:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Punks pöbeln im Haine.
Warte nur, balde
Pöbelst du auch.

verschmitzte grüße

philip