Tag Archive: Florenz


Unsere Italienische Reise Teil 11

von Philalex89

Mittwoch, den 15. Juli

Mit einer gehörigen Portion Fernweh im Herzen, machten wir uns am Vormittag zum Bahnhof Firenze Santa Maria Novella auf, um Florenz zu verabschieden. Wir würden die Herberge der letzten Tage vermissen. In einem riesigen, aber doch verwinkelt-urigen Altbau konnte man zwischen etwa zehn verschieden großen Schlafsälen auswählen. Enge, gewundene Treppen, weiß-getünchte gotische Deckengewölbe und durch vier oder fünf Stufen erhöhte Zwischengeschosse ließen den Eindruck einer mittelalterlichen Festungsanlage aufkommen. Von Außen vollkommen unauffällig, müssen im Gegensatz dazu im Inneren mehrere Gebäude und Stockwerke kühn verbunden worden sein, sodass man in den Gängen sofort die Orientierung verlor. Ein dunkler, rustikaler Empfangstresen dominierte zusammen mit einer steilen Holztreppe den Eingangsbereich, von dem ein schmaler Gang zur Küche samt Gepäckablage führte. Hinter der Küche befand sich ein großer Speisesaal, der sofort Assoziationen eines alten Kerkers aufkommen ließ. Die hohen, uralten Gewölbe wurden gemütlich mit indirektem Licht angestrahlt, während die Computer-Ecke in der Küche götzengleich den Haupttreffpunkt bildete .

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Unsere italienische Reise Teil 10

von Philalex89

Dienstag, den 14. Juli

Jeden Tag habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, ein paar Bleistiftnotizen in mein altertümliches Büchlein zu schreiben, das auch schon Picasso oder Hemingway mitgeführt haben sollen. Anders könnte ich mich jetzt, eineinhalb Monate nach den Erlebnissen, an keine Details mehr erinnern. Nun will ich versuchen den Tagesablauf dieses Dienstags zu rekapitulieren. Vorher gibt es noch ein Gedicht:

Die Medici sind Ärzte keineswegs

und Dottore heißen hier die Lehrer

doch heilt dieses Landes Sinnlichkeit

der Müden Augen schwere Lieder

Repubblica Italiana zeigt Olivenzweig,

Eichenlaub auf dreierfarb’nen Wappen

und des sel’gen Papstes Heiligkeit

thront in Sankt Peters Schatten

Zypresse, Pinie, Lorbeer

umkränzt der Caesaren Büsten

umspült von thyrrenisch Meer

sie nannten ihren Hafen Ostia

Es sind so viele Menschen

Da Vinci, Dante Petrarca

vergöttern diese großen Meister

andere hängen in der Academia

Lieblich Fluss erquickt manch Geister

heißt er Tiber, Adige, Arno

oder gar

Po

den kennt man sowieso

Gleichnamiger, geformt aus Marmors Härte

steht der antiken, süßen Juno

besser als Jupiters wirre Bärte

nur Venus glänzt noch schöner

Oh wandle doch auf Machiavellis Fährte

oh wär ich doch ein Italiener

fuhr ich auf meiner Vesper

durch Dantes sieben Himmel

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Unsere italienische Reise Teil 9

von Philalex89

Montag, den 13. Juli

Heute wollten wir den mächtigen gotischen Dom Santa Maria del Fiore, dessen Bau um 1296 von Arnolfo di Cambrio begonnen wurde, ansehen. Mit seiner hundertundvierzehn Meter hohen Kuppel Filippo Brunelleschis überragt er die Stadtsilhouette Florentias – wie Gaius Iulius Caesar sie 59 nach Christus nach ihrer Gründung genannt hat – , Fiorenzas – wie Thomas Mann sie nennt – , Florenz‘ – wie die Deutschen sie nennen oder Firenzes – wie sie heute auf italienisch heißt. Im Jahre 1436, also mitten in der Renaissance, wurde dieses wunderschöne Beispiel okzidentaler Architekturkunst geweiht, doch das heutige Aussehen geht auf den Bau der Fassade im neunzehnten Jahrhundert zurück. Zum Dom gehören eine separate Taufkirche, das Baptisterium, ein freistehender Glockenturm, der Kampanile (von italienisch Campana, Glocke), und natürlich das Hauptgebäude. Jeder Teil wurde mit weißem und dunklem Marmor, der sich bei genauerem Betrachten als grün herausstellt, verkleidet. Wen es interessiert: Der Glockenturm ist ein Werk Giotto di Bondones, der als Wegbereiter der Renaissance gilt.

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Unsere italienische Reise Teil 8

von Philalex89

Sonntag, den 12. Juli

Im Moment befinden sich die drei jungen Reisenden nach einer Woche schon über eintausendzweihundert Kilometer von Syke entfernt in der glühend heißen Provinz Emilia-Romagna. Unbarmherzige fünfzehn Autominuten braucht ein nach Erfrischung lechzender Mensch von Ravenna an die azurblauen Gestade des Mare Adriatico. Kleine Perlen von Schweiß lösen sich an den Schläfen, bahnen sich ihren Weg zum Kinn, fallen gesammelt, glitzernd durch die dicke, drückende, dumpfe Atmosphäre, um dann auf siebzig Grad heißem, abgefahrenem Asphalt ihr kurzes Dasein dampfend zu beenden. Die drei Reisenden unserer Geschichte sind zu Fuß unterwegs, ohne Auto. Das Meer scheint unendlich weit weg, die drei trotzen der Versuchung und schleppen sich zum Bahnhof. Eigentlich haben sie nicht sehr viel von dieser Stadt gesehen, in der Italiens Dichterfürst Dante Alighieri 1321 starb und begraben liegt. Die drei würdigen nicht sein Grab, dessen Bewohner die „Göttliche Komödie“, und damit eine vom Latein unabhängige italienische Schriftsprache, erschaffen hat.

Uns fern, etwa sechstausend Meilen, steiget

Der Mittag auf, indes schon diese Welt

Den Schatten fast zum ebnen Bette neiget,

Wenn nach und nach sich uns der Ost erhellt;

Dann wird der Glanz erst manchem Stern benommen,

Des Strahl nicht mehr bis zu uns niederfällt,

Und wie Aurora mehr emporgeklommen,

Verschließt der Himmel sich von Glanz zu Glanz,

Bis auch des schönsten Sternes Licht verglommen.

(Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie, Dreißigster Gesang)

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