Tag Archive: Gedicht


Balina Herbst

 von Philalex89



Eine Glocke, so bronzen, schallt
Die Tauben am Dom ,sie lachen
Deine Locke im Winde wallt
Im Winde die Äste krachen

Am Zeughaus gibt es regen Tausch
Ob Kunst, ob Trödel: Du kannst ihn finden
Nur nicht, wenn der Regen rauscht
Musst du die Zeit im Museum schinden

Kleiner Mann im grauen Frack
Bedient flötend Leierkasten
Plätzchen im Ofen: Backt!
Bevor wir müssen zur Feier hasten

Buntes Laub im Winde wallt
Im Winde die Zweige knicken
Nur nicht, wenn der Regen schallt
Tropfen Blätter leis' zu Boden drücken

Gülden Sonnenstrahl-Glasur
Ach, wie mir das Herz da lacht
Bedeckt nicht nur die Rathausuhr
Berlin im Herbst ist eine Pracht

zur Krise…

Avaritia

Oben, die letzte Stufe,
halt es fällt,
ich rufe,
Scheiße mein Geld!

Wie es rollt,
behebig springt,
blitzend gold,
klirrend klingt.

nach der Treppe aus der Tür
Dich schnapp ich mir,
bleib hier!

Seh wie’s auf die Auffahrt rollt,
und das kleine Gold,
sich Richtung Straße trollt.

Fast hab ich es eingeholt,
siegesgewiss am Mittelstreifen,
greif ich es,
quitschende Reifen!

Noch bevor meine Hand
die Münze fand,
werd‘ ich durch die Luft gerissen,
Knacken, Schreien Zischen.

Lande auf meinem Kopf,
Blut tropft,
der Leib ganz zerfetzt,
und verbissen denk ich jetzt:
muss ich wohl doch sterben,
10 Cent, mich in den Tod gehetzt,
nicht mal die kann ich vererben.

Durch des Unfall große Kraft,
ist die Münz‘ in Schwung bekommen.
hat sich wieder aufgemacht,
ist mir endgültig entronnen.

Wie die Tomaten rot wurden

Wie die Tomaten rot wurden

Als Gott sie schuf, die Tomaten,
waren sie ihm gut geraten.
Sie hingen gold-gelb an hohen Bäumen
und wussten’s Paradies zu säumen.

Doch mit einem Mal,
nämlich mit dem Sündenfall,
wurde es für sie fatal.

“Kommt probiert von dieser hier”
sprach listig die Schlange.
Adam packte schnell die Gier,
da wurd‘ den Tomaten bange.
Waren etwa sie gemeint?,
doch sie wehrten sich vereint.
Sie wollten nicht das Böse schaffen,
niemand soll’t sie dafür hassen.

Drum fielen sie sofort vom Baum,
versteckten sich im Strauches Saum.

Die Tomaten planten Flucht
doch Adam griff zur andren Frucht,
biss hinein
und das Böse setze ein.

Mit Gück und Geschick,
auf den Baum zurück,
wollten die Tomaten nun,
doch das war nicht zu tun.

Kaum sprangen sie die Äste hoch,
hofften auf die Heimkehr noch,
fielen sie sodann zu Hauf,
allesamt zurück zum Strauch.

Angestrengt und wutentbrannt
liefen sie dann bald rot an.
Und siedelten sich unten an.

Hätten sie nicht aufgeben,
könnten wir noch heut erleben,
wie sie in den Bäumen hängen
und sich nicht auf Feldern drängen.

Familie Manschettenknopf

Ein Manschettenknopf auf Wanderschaft

Ist so selten wie

Gequirrlter Schrumpfkopf  mit Tomatensaft

Doch wenn er sich befreit

Umschlagmanschetten verlässt mit aller Kraft

Und in die Freiheit schreit

Sagt sich das Hemd, oh hätt ich nur ’ne

Sportmanschette, dann fuhr ich mit Anette

Herunter nach Italien zu den Vettern Armanien

Und Dolce und Gabanien

Doch nun ist der Ärmel lose, passt nicht zur Hose

Manschettenknöpfe, so silber und golden,

Vermissen das weiße Leinen nie

Und verbingen in trauter Zweisamkeit

Ihren Urlaub am Strand von Rimini

Ein kleiner Mann aus Beirut
fand die Hitze dort nicht gut,
Drum nahm er sein‘ Hut als Gepäck
und zog weg.

Nun wohnt er bei Ruth in Neuköln,
und wünschte sich lieber ’nen Helm
als Schutz vor den Nazigesellen.

Jetzt will er zurück in den Libanon,
denn die Prügel da, kennt er schon.

Und so denkt er voller Wonne,
in seiner Tonne bei Ruth
an die Sonne in Beirut.

Gedacht, getan und Wochen später,
ist er zurück- als Attentäter.

Das Krankenhaus

Menschen kommen in ein Krankenhaus,

Wenn ihnen einer sagt: Mensch, du siehst krank aus!

Ehe der Kreislauf versagt, fragen sie verzagt:

Wo ist der Rettungswagen?

Mich verlangt nach Bahren und Tragen.

Gerufen die 112, der Notarzt kommt vorbei

Wir bringen sie in die Rettungsstelle

Notaufnahme oder Ambulanz

Ganz schön schnelle

Oder ist ihnen lieber ein Homöopath?

Der hilft ganz akkurat

Mit Kräutern und gemahlnen Rattenschwanz

Gesagt, getan, Esoterik ist in Mode

Zwei tage vergangen

Da hilft nur noch der Pathologe

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Zum ewigen Lernen

Zum ewigen Lernen

Überall ist es zu hören:
Hört zu, hört zu, spitz eure Ohren,
saugt es auf und macht was draus
lernt! paukt! verbissen und versessen,
bloß nichts vergessen!

Wissen ist Macht,
und Macht das Ziel,
drum lernt fleißig und viel.

Denkt nicht ans Leben, an Familie und Kind,
feuert euch an,
nehmt euch hart dran,
habt Angst, dass die anderen besser sind!

Als Zweiter in dem Lebensgeschäft,
lohnt es zu Leben nicht recht,
denn ein kleineres als des Nachbars Haus,
sieht im Vergleich beschämend aus.

Eingesperrt im ewigen Streben,
von Leistung und Verträgen.
Ein richtiges Leben ist das nicht,
es geht nur um das bessere Ich.

Es ist der Wille nach Macht,
der euch Karriereköpfe
für diesen Kampf gefügig macht
und wehe man erschöpfe.

Wenn dann eure Köpfe rauchen
die Haare auch sodann ergrauen,
zuletzt dann auf dem Totenbett,
erschöpf und ausgelaugt-
wisst ihr: euer Leben war ein Lernprozess,
so hat es nichts getaugt!

Arm und Reich

Wären die Armen reich und die Reichen arm,
würden die reichen Armen den armen Reichen
auch keine Hand zur Hilfe reichen.

Die armen Reichen würden den reichen Armen,
auch über ihr Leid klagen.

Bleiben die Armen arm und die Reichen reich,
so ist’s genau gleich!

und noch’n Gedicht

Unterhaltung

Es war einmal ein Ehepaar,
getraut seit langen Zeiten,
ergraut im Alltagsleiden.

Die Kinderschar schon ausgezogen,
der Ehemann sie schon betrogen,
wollten sie sich doch nicht scheiden,
gescheit beschlossen diese beiden
um die Beziehung zu erhalten,
sich mal recht zu unterhalten.

Sie ging in den Kinosaal
und er begann aufs eine Mal,
von ARD zu RTL zu schalten.

der lyra augen

sind sie klar, unverschwommen?

viel zu unbedacht hast du diesen blick

winkel

mit ernst genommen

dich abgemüht, warst so abgebrüht

hast der lyra, der unsterblichen

eine seele zugesprochen

sie urteilen lassen

über sich selbst urteilen lassen

doch die sterblichen nur

können dies