Tag Archive: Italienreise


Unsere italienische Reise Teil 21

von Philalex89

Epilog

Fernab von Pauschalreisen, Partyexzessen auf Mallorca und wochenlangem Rumliegen am Strand hatten wir eine super Alternative gefunden, mit einer maximalen Zahl an Reisezielen so günstig wie möglich ein Land und seine Kultur kennenzulernen. Im Durchschnitt bezahlten wir jeder 30 Euro am Tag, alle Museumsbesuche, Konzerte, Restaurantbesuche, Hotels und Bahnfahrten mit eingerechnet. Ich schätze, dass keiner von uns mehr als insgesamt 150 Euro für die Bahnfahrten ausgegeben hat.

Wir sahen die schönsten Plätze Nord- und Mittelitaliens: Bozen, den Gardasee, Verona, Ravenna, Florenz, Perugia und Rom. Im Mittelmeer badeten wir schließlich auch noch. Wir haben interessante Menschen kennen gelernt, seien es im Youth Hostel die Amerikaner oder später auf dem Campingplatz Daniel und Lillit. Zwischen Entspannung und Trödelei war immer Zeit für Kultur. Ich denke, dass wir jeden Ort ausreichend erlebt haben und nicht unbedingt länger in einer Stadt hätten verweilen müssen. Für die nächsten Reisen würde ich mir ein Auto wünschen, da man damit sehr viel flexibler als mit der Bahn ist.

Was hat uns diese Reise gebracht? Das Gefühl, sich in einer fremden Welt zurechtfinden zu können auch wenn man nicht weiß, wo man den nächsten Tag schlafen und essen kann. Das Gefühl, ein Land und seine Menschen gewürdigt zu haben und nicht respektlos und arrogant wie andere Touristen von einem Ort zum anderen gehetzt zu sein. Das Gefühl, dass sich solch eine Reise mit lieben Freunden immer wieder lohnen wird!

Berlin, den 1. September 2009

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Unsere italienische Reise Teil 20

von Philalex89

Sonnabend, den 25. Juli

Die langsame Regionalbahn brachte uns früh morgens von Falconara Marittima über Pèsaro, Rìmini und Ravenna nach Bologna. So schnell waren wir wieder an dem Ort, von dem wir vor zwei Wochen nach Florenz gefahren waren! Es war Mittag und wir aßen ausgiebig bei McDonalds, denn Pizza und Pasta hatten wir erstmal satt. Die Reise ging weiter nach Brennero (Brenner). Wir fuhren durch Verona, freuten uns über die langsam ansteigenden Berge, ließen Trento, Bozen und Brixen hinter uns und standen am späten Nachmittag am ausgestorbenen Bahnsteig vom Brennerpass. Die klare, kalte Witterung der Bergwelt durchströmte uns.

Weiter ging es nach Innsbruck, vorbei an den wunderschönen Bergmassiven und Schluchten der Stubaier und Zillertaler Alpen. Das erste Mal nach drei Wochen wieder in Österreich gönnten wir uns einen Döner und erkundigten uns nach Verbindungen nach München, wo wir um etwa zweiundzwanzig Uhr ankamen. Dort war ein typischer Samstagabendtrubel. Wir erwischten den nächsten Zug nach Augsburg, in dem betrunkene Halbstarke und wie immer peinliche weibliche Junggesellenabschiede miteinander anbandelten und uns natürlich auch nicht in Ruhe ließen.

Sonntag, den 26. Juli

In Augsburg richteten wir uns an der gemütlichsten Stelle der Bahnhofhalle einen Schlafplatz ein, plünderten einen Cappuccino– und Süßigkeitenautomaten, gingen alle nochmal auf Klo und versuchten wenigsten ein oder zwei Stunden zu schlafen. Marcus bot ein absolut lustiges Bild: Gerade hatte er sich auf einen Stapel Baumaterial niedergelassen, um iPod zu hören, lag er auch schon auf der Seite, sanft träumend. Andy hatte außerdem, frech wie immer, seine Isomatte okkupiert. Um 3 Uhr nahmen wir den Zug nach Nürnberg, wo um 6 Uhr Morgens immer noch Highlife in Dosen war. Betrunkene schliefen auf Bänken, Dandys und Snobs erster Klasse versuchten angetüdelte Mädchen anzumachen, die angesichts der Uhrzeit nur den Vogel zeigten. Im ganzen Trubel kauften wir Gebäck und fuhren über Bamberg, Lichtenfels, Coburg weiter zu einem Kaff mitten in Thüringen, in dem wir in den Zug nach Göttingen umstiegen. Leider hatte eine fünfzigköpfige Pfadfindertruppe mit nervigen Kleinkindern, die uns bestimmt nicht schlafen ließen, den gleichen Plan. Von Göttingen aus kennt jeder selbst den Weg. Um halb vier kamen wir nach unglaublichen 31,5 Stunden Bahnfahrt in der Heimat an! Ich lief nach Hause und stand vor verschlossenen Türen, weil meine Mutter selbst noch im Urlaub war. Weder mein Onkel, noch die Nachbarn waren da, sodass ich keinen Schlüssel ausborgen konnte. Ich schlief zwei Stunden auf einem gemütlichen Terassenstuhl in der Sonne. Ungeduscht, hungrig und durstig bat ich bei anderen Nachbarn um Asyl, die mich verpflegten und meinten, jetzt wäre der Nachbar mit dem Schlüssel wieder da. Glücklich, hundemüde und voller grandioser Erinnerungen fiel ich ins Bett.

Auf eine besonders feierliche Weise sollte jedoch mein Abschied aus Rom vorbereitet werden; drei Nächte vorher stand der volle Mond am klarsten Himmel, und ein Zauber, der sich dadurch über die ungeheure Stadt verbreitet, so oft empfunden, ward nun aufs eindringlichste fühlbar. Die großen Lichtmassen, klar, wie von einem milden Tage beleuchtet, mit ihren Gegensätzen von tiefem Schatten, durch Reflexe manchmal erhellt, zur Ahnung des Einzelnen, setzen uns in einen Zustand wie von einer andern, einfachern, größern Welt.“ Goethe, Italienische Reise, Bericht April

Unsere italienische Reise Teil 19

von Philalex89

Donnerstag, den 23. Juli

Mehrere Stunden brauchten wir mit der Regionalbahn ins verschlafene, knapp dreihundert Kilometer entfernte Falconara. Am Bahnhof erschlug uns eine Wand aus Feuchtigkeit und Hitze. Ich liebe das Klima am Mittelmeer, andere mögen mich für verrückt erklären, aber ich mag diese butterschwere, gesalzene Luft. Ein Kioskbesitzer wies uns den Weg zum Zeltplatz. Über fünf Kilometer mussten wir an einer Bundesstraße ohne Fußweg wandern. Es war sicher der schwerste Fußmarsch, den wir zu bestehen hatten. Es mag zwar nicht viel klingen, aber mit zwanzig Kilo auf dem Rücken und einem ungewissen Ziel vor Augen kommt einem diese Strecke unangenehm weit vor.

Wir checkten ein und bauten unsere Zelte im hintersten Winkel des Platzes auf. Hier verbrachten fast nur italienische Familien ihren Sommer, was dafür spricht, dass wir auf einen echten Geheimtipp gestoßen waren. „Ab ins Wasser!“, war unsere Devise. Kilometerlange Kiesstrände mit wenigen Menschen erstreckten sich von Ancona bis zum anderen Horizont. Den Blick trübten nur einige Industrieanlagen und Raffinerien mit vorgelagerten Zapfinseln, doch ließen wir uns die Laune davon nicht verderben, sprangen ins salzige Nass, genossen die Wellen und uns selbst. Wie kleine Kinder freuten wir uns über einen angespülten Baumstamm, den wir sofort enterten und auf ihm hin und her paddelten. Vier zwanzigjährige Männer saßen auf einem Ast und spielten Galeere. Irgendwer taufte den Stamm auf den Namen „Ast“ und wollte ihn am liebsten mitnehmen. Wir sprangen von Wellenbrechern und tollten herum.

Abends kauften wir den ganzen Restbestand an Pizzastücken einer Strandbar auf, denn die paar Restaurants hatten entweder nur Meeresfrüchte im Angebot oder waren uns zu teuer.

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Freitag, den 24. Juli

Am nächsten Morgen suchten wir in diesem Ferien-Vorort von Falconara nach einem Supermarkt, um uns Brot und Aufschnitt fürs Frühstück zu kaufen. Mindestens eine Stunde liefen wir auf glühenden Straßen zwischen den Hotels hin und her. Marcus und ich beschlossen, mit leerem Magen den Bus nach Falconara zu nehmen und dort auf Jagd zu gehen. Wir warteten vierzig Minuten in der Sonne an der Bundesstraße, fanden in der Stadt recht schnell einen Supermarkt und frühstückten erst am späten Mittag mit den anderen am Zelt.

Den Tag hingen wir natürlich am Strand herum und entschlossen uns abends, am nächsten Morgen den Heimweg anzutreten. Die vorher angekündigte Party auf der Gemeinschaftsterrasse des Campingplatzes entpuppte sich als kultige Schlagerveranstaltung eines Alleinunterhalters, der mit seinem Akkordeon und seinen Keyboard-Playbacks mächtig für Stimmung sorgte. Die Italiener tanzten so einen Art Gruppentanz nach dem Vorbild barocker Menuette, so schien es jedenfalls und war lustig anzusehen. Wir bezahlten bei der Rezeption und meldeten uns ab. Nach fast drei Wochen freuten wir uns auf unser Zuhause.

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Unsere italienische Reise Teil 18

von Philalex89

Mittwoch, den 22. Juli

Wir schliefen bis zum Mittag, verzichteten auf das üppige Frühstück im Hotel, kauften Brot und Aufschnitt im Supermarkt und speisten auf eben jenem Platz, an dem wir gestern Daniel getroffen hatten. Verzweifelt suchten wir in einer unglaublichen Hitze ein Internetcafè, um unsere Weiterfahrt zu planen. Als Abschluss wollten wir das Mittelmeer sehen und ein paar Tage Abschied vom lauten, wuseligen Italien nehmen. Am glücklichsten schien uns die Route über die Adriaküste, weil wir von dort einen guten Anschluss an Bologna und die Brennerstrecke gehabt hätten. Wir suchten eine Kleinstadt namens Falconara Marittima in der Nähe von Ancona an der Adria heraus und kontaktierten einen Zeltplatz per E-Mail.

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Unsere italienische Reise Teil 17

von Philalex89

Dienstag, den 21. Juli

Das versprochene Frühstück war ein Witz. Ein trockenes Brötchen, keine Butter, etwas Pfirsichmarmelade und eine Tasse, mehr nicht, lau aufgebrüten Malzkaffee bekam jeder vorgesetzt. Wir hatten dieses Hotel ausgesucht, weil wir teure Supermarktbesuche oder ein Frühstück außerhalb sparen wollten. Nun mussten wir eine Stunde später ein zweites Frühstück einnehmen und hatten keinen Cent weniger ausgegeben.

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Unsere italienische Reise Teil 16

von Philalex89

Montag, den 20. Juli

Unsere Reisegruppe war auf sieben Leute angeschwollen. Nicht nur, dass Indy und Malte uns beehrten, nein, auch Lillit und Daniel fuhren mit in die ewige Stadt, die wir am frühen Nachmittag erreichten. Etliche Hostelscouts nahmen sich unserer an und versicherten, dass ihre Herberge die günstigste und beste sei. Sie sei zwar eine Stunde von der Innenstadt entfernt, der Pool und die Interneträume stünden aber Jedem zur freien Verfügung. Wir ließen uns nicht beeinflussen und durchsuchten den Bahnhof nach einer Information, doch erfolglos. Schließlich gingen wir doch mit einem Herrn arabischer Herkunft hinterher, der uns den Weg zu einem zentral gelegenen Zwei-Sterne-Hotel für nur zwanzig Euro pro Nacht wies und somit sicherlich sein Geschäft des Tages gemacht hatte. Alle Sparten der Tourismusindustrie gehen in der Hochsaison eine Symbiose ein, jeder hilft jedem, dem ahnungslosen Reisenden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Unsere italienische Reise Teil 15

von Philalex89

Sonntag, den 19. Juli

Diesen Tag kann ich nur aus meiner Sicht erzählen, da ich um halb elf Uhr morgens mit Daniel und Lillit nach Perugia gefahren bin. Wir wollten den letzten Tag des Jazzfests mit zwei Konzerten abrunden. Nachmittags sollte der weltbekannte Gitarrist John Scofield im Theatro Morlacchi aufspielen und am Abend gab sich der Elefant der Bluesmusik, B. B. King, in der großen Arena die Ehre.

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Unsere italienische Reise Teil 14

von Philalex89

Sonnabend, den 18. Juli

Der Samstag war angebrochen, doch Marcus und ich sollten erst in neun Stunden erholsamen Schlaf finden. Italienische Jugendliche und junge Erwachsene saßen noch Stunden nach Abklingen der letzten Konzerte auf der Piazza IV. Novembre und der Treppe des Palazzo dei Priori, des alten Versammlungsgebäudes des mittelalterlichen Perugia und heute wichtigstes Bauwerk der Stadt. Entgegen unserer Erwartung tranken die Italiener Bier in Massen, wo war die hochgerühmte Esskultur der Antipastiplatten und schweren Rotweine geblieben? Betrunkene pinkelten in mit Motorrollern zugeparkten Hausnischen, die Stimmung drohte ins vulgäre zu kippen und da es bereits drei Uhr geschlagen hatte, stiefelten wir die Serpentinen der Viale Indipendenza hinunter. Da wir mit dem Bus gekommen waren, gingen wir auf gut Dünken Richtung Bahnhof, schlichen uns durch dunkle Parks und hofften, dass die Zeit schnell vergehen möge. Der Bahnhof solle erst um fünf geöffnet werden. Na gut, dachten wir uns, setzen wir uns einfach noch eineinhalb Stunden an den vorgelagerten Omnibusbahnhof. Marcus schlief ein, während immer wieder pöbelnde Feiernde hupend vorbeifuhren.

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Unsere italienische Reise Teil 13

von Philalex89

Freitag, den 17. Juli

Der gute alte Goethe hat mehr als siebenhundert Seiten über Italien geschrieben, der Region um Perugia widmete er nur einen Absatz: „Ich verließ Perugia an einem herrlichen Morgen und fühlte die Seligkeit, wieder allein zu sein. Die Lage der Stadt ist schön, der Anblick des Sees höchst erfreulich. Ich habe mir die Bilder wohl eingedrückt. Der Weg ging erst hinab, dann in einem frohen, an beiden Seiten in Ferne von Hügeln eingefaßten Tale hin, endlich sah ich Assisi liegen.“ Goethe, Italienische Reise, Den 25. abends. Perugia

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Unsere italienische Reise Teil 12

von Philalex89

Donnerstag, den 16. Juli

Heute wollten wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und nur in äußerster Not eine Abkühlung im See wagen. Endlich warf ich die leere Propanflasche, die uns in Kufstein im Stich gelassen hatte, weg und kaufte zwecks geplanter warmer Tortellonizubereitung eine gefüllte. Mit Freuden waren wir morgens im nahen Lidl gewesen und hatten uns für die nächsten Tage mit Vorrat eingedeckt. Schnurstracks sicherten wir uns ein schattiges Plätzchen, freuten uns über das tolle Panorama und ließen uns von einem eintreffenden niederländischen Ehepaar, das einen Platz gleich neben uns zugewiesen bekommen hatte, nicht irritieren. Die Holländer waren im Böse-Herübergucken geübt, das merkten wir sofort, doch war dies nur unser Tagesliegeplatz. Sie ignorierend pochten wir heimlich auf unser Gewohnheitsrecht. Zum zweiten und letztem Mal wagte ich mich ins Wasser, beschloss dann aber, dass ich den See lieber lesend und schlafend genießen wollte. Vielleicht gibt dieses Gedicht die Stimmung am See wider:

Helle Hitze, heißer Sand

schnelles Schwirren schwängert Lüfte

Kecke Mückchen unerkannt

fliegen durch des Sommers Lüfte

Der Horizont, so flirrend klar

vertuscht die Sicht ins Ungewisse

Fühlte mich Eden nie so nah

wenn mich Chronos dem Orte nicht entrisse!

Und des Zephyrs sanfte Hand

kräuselt Wasser grünlich Bläue

Phöbus‘ Wagen gerät in Brand

lenkt er ihn jeden Tag aufs Neue


Im Zenit der bleichen Sonne

braune Leiber sich erquicken

Ich lieg‘ im Gras mit großer Wonne

will Gedanken zu Dir schicken

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