Tag Archive: Ravenna


Unsere italienische Reise Teil 8

von Philalex89

Sonntag, den 12. Juli

Im Moment befinden sich die drei jungen Reisenden nach einer Woche schon über eintausendzweihundert Kilometer von Syke entfernt in der glühend heißen Provinz Emilia-Romagna. Unbarmherzige fünfzehn Autominuten braucht ein nach Erfrischung lechzender Mensch von Ravenna an die azurblauen Gestade des Mare Adriatico. Kleine Perlen von Schweiß lösen sich an den Schläfen, bahnen sich ihren Weg zum Kinn, fallen gesammelt, glitzernd durch die dicke, drückende, dumpfe Atmosphäre, um dann auf siebzig Grad heißem, abgefahrenem Asphalt ihr kurzes Dasein dampfend zu beenden. Die drei Reisenden unserer Geschichte sind zu Fuß unterwegs, ohne Auto. Das Meer scheint unendlich weit weg, die drei trotzen der Versuchung und schleppen sich zum Bahnhof. Eigentlich haben sie nicht sehr viel von dieser Stadt gesehen, in der Italiens Dichterfürst Dante Alighieri 1321 starb und begraben liegt. Die drei würdigen nicht sein Grab, dessen Bewohner die „Göttliche Komödie“, und damit eine vom Latein unabhängige italienische Schriftsprache, erschaffen hat.

Uns fern, etwa sechstausend Meilen, steiget

Der Mittag auf, indes schon diese Welt

Den Schatten fast zum ebnen Bette neiget,

Wenn nach und nach sich uns der Ost erhellt;

Dann wird der Glanz erst manchem Stern benommen,

Des Strahl nicht mehr bis zu uns niederfällt,

Und wie Aurora mehr emporgeklommen,

Verschließt der Himmel sich von Glanz zu Glanz,

Bis auch des schönsten Sternes Licht verglommen.

(Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie, Dreißigster Gesang)

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Unsere italienische Reise Teil 7

von Philalex89

Samstag, den 11. Juli

Eine Stunde später schliefen wir auf breiten Bahnhofsbänken und warteten auf den Drei-Uhr-Nachtzug aus Deutschland, der sich wahrscheinlich gerade den Brennerpass hochschaufelte, das Ziel „Roma Termini“stets vor Augen.

„Genießen Sie bequemes Reisen zu ausgeschlafenen Angeboten. Erleben Sie mit City Night Line die schönsten Städte Europas. Wählen Sie zwischen Komfortkategorien Schlaf-, Liege- und Sitzwagen. Wohlfühlambiente und Weckdienst mit Frühstück ans Bett inklusive.“ Die schönsten Attribute eines modernen Schlafwagens habe ich kursiv hinterlegt, damit möchte ich keineswegs betonen, dass wir in den Genuss dieser gekommen sind. Der Stahlkoloss kam quietschend zu Stand. Eine junge, für diese Uhrzeit sehr dynamische Schaffnerin, sprang von der Plattform und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen, während italienische Bahnarbeiter mit der Teilung des Zuges begannen. Wohin der Rest des Zuges weiter fuhr, blieb uns ein Rätsel. Glücklicherweise gab uns die tüchtige Zugbegleiterin, die sich in keiner Weise über Rucksacktouristen zu dieser Uhrzeit wunderte, zu verstehen, dass man Tickets während der Fahrt kaufen könne.

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