Tag Archive: Verona


Unsere italienische Reise Teil 6

von Philalex89

Freitag, den 10. Juli

Die Oper rückte näher! Am Abend sollte endlich das Warten ein Ende haben. Rucksacktouristen wie wir streben nach ein paar Tagen in die Ferne, egal wohin, egal wie weit, egal in welche Richtung. Wie Hannes Wader richtig erkannt hat, verspürten auch wir dieses Gefühl: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort.“ Bologna sollte nach unserem locker skizzierten Plan den nächsten Reiseabschnitt bilden, doch verbrachten wir dort nur eine gemütliche Nacht auf dem Hauptbahnhof. Nachdem wir fünf lange Tage in der außerordentlich schönen Stadt Verona verbracht hatten, nur um auf die Oper zu warten, kauften wir uns Zugtickets für den Nachtzug München-Rom nach Bologna, um von dort mit der Regionalbahn nach Ravenna zu fahren.

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Unsere italienische Reise Teil 5

von Philalex89

Donnerstag, den 9. Juli

Heute wollten wir unbedingt in ein Museum gehen und Marcus und ich hatten Lust auf moderne Kunst, die uns in Washington D.C. und New York so gut gefallen hatte. Früh waren wir im Zentrum, schickten im Internetcafè E-Mails an die Lieben nach Hause, kauften Opernkarten und suchten darauf das Museo d’Arte Moderne. Unsere Suche führte uns in einige luxuriöse Hauseingänge, aus denen wir von reizenden italienischen Empfangsdamen herauszitiert wurden. Die Galerie sollte an einem unglaublich blumig klingenden Platz namens Piazza Forti gelegen sein.

Es stellte sich heraus, dass das Ausmaß dieses Platzes der Größe eines Hinterhofs entsprach, tatsächlich war es der Hinterhof des Museums. Am Tresen empfing uns eine mürrische Museumsmitarbeiterin ohne Englischkenntnisse, die uns zu verstehen gab, dass die Hälfte der Ausstellung wegen Bauarbeiten nicht zu betreten sei. Alles in Allem schien sie sich über Besucher zu wundern und fühlte sich in ihrer Kaffeepause gestört. Als einzige Touristen in dieser Galerie wurden wir von zwei SMS schreibenden Museumswächterinnen hartnäckig verfolgt, die ihre Arbeitsernergie des ganzen Tages auf uns zu konzentrieren versuchten. Vermutlich würden wir die einzigen Besucher bleiben. Ob das wohl an der nicht gerade besucherfreundlichen Lage lag? Eine geschälte Ziege war der Höhepunkt der Ausstellung, woran Gunter von Hagens sicherlich seine Freude gehabt hätte. An manch anderen Plastiken und Gemälden hatten wir mehr Gefallen.

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Den Rest des Tages liefen wir herum, informierten uns über unsere Weiterfahrt nach Ravenna und verglichen die Preise der Restaurants. Wir entschieden uns für eines, in dem es Pasta für fünf Euro gab. Hier haben wir gelernt, dass Pasta in Italien nur eine Vorspeise ist und hungrig verließen wir das Lokal, um noch eine Pizza für unterwegs zu erstehen.

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Unsere italienische Reise Teil 4

von Philalex89

Mittwoch, den 8. Juli

Am nächsten Morgen verlängerten wir unseren Aufenthalt im Hostel um eine Nacht. So haben wir es übrigens auf der ganzen Reise mit den Übernachtungen gehalten: Erst einmal schauen, ob die Herberge uns gefällt und dann jeden Morgen aufs Neue verlängern. Unser erster ganzer Tag in Verona brach an! Wir fuhren zum Gardasee.

Da wir leider ohne Auto unterwegs waren, nahmen wir den Bus Richtung Garda, auf eine erfrischende Abkühlung nach drei Tagen staubiger Reise hoffend. Unsere Busroute liest sich wie die Weinkarte vom Italiener an der Ecke: An der Valpolicella-Region vorbei, durch Bardolino und am Gardsee entlang. Für 35 Kilometer brauchten wir eineinhalb Stunden, bezahlten dafür aber jeder nur 3,30€ und konnten die gemütlichen Dörfer Venetiens, die sich an wellige Hügel mit Zypressen und Orangenhainen schmiegten, durch die Busfenster bewundern. Zwischen den Endmassiven der Dolomiten und dem industrialisierten Flachland steht dieses Gebiet Italiens sinnbildlich für den Übergang von der Einsamkeit Südtirols zu der Geschäftigkeit der Po-Ebene.

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Unsere italienische Reise Teil 3

von Philalex89

Dienstag, den 7.Juli

Mein etwa zwei Pfund schwerer Italienreiseführer schreibt über Shakespeares bekannteste Tragödienstadt folgendes: „Der Dichter war niemals in der kunstsinnigen Stadt.“ Aha, wie interessant. Konnte man sich eigentlich schon fast denken. Die nächste Frage könnte lauten: War Goethe je in Persien? Schließlich hat er doch den „West-östlichen Divan“ geschrieben! Und weiter: „Käme er [Shakespeare] heute, wäre er von den Festspielen in der römischen Arena und der jährlichen Weinmesse vermutlich so begeistert, dass er seiner Liebestragödie sicherlich einen versöhnlichen Schluss gäbe.“ Es ist erstaunlich, was sich die flotten Federn vom Verlag Baedeker anmaßen, um dem gelangweilten Massentouristen von heute einen verträumten, eloquenten Einstieg in den Artikel zu bieten. Meiner Erfahrung nach hätten Romeo und Julia sich gar nicht erst kennen gelernt, hätte Shakespeare versucht, eine Oper in Verona anzusehen. Wir freuten uns wirklich auf Giacomo Puccinis „Turandot“, wobei wir nicht wussten, dass erstens echte Opernliebhaber diese Veranstaltung meiden und zweitens aufgrund des unter freiem Himmel spielenden Orchesters das Risiko eines wetterabhängigen Totalausfalls nicht zu unterschätzen ist.

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