Tag Archive: zigarretten-asiate


Winter

es ist winter. kinder fahren schlitten, der radiomann sagt minus 20°C zur nacht an. der schnee glitzert so schön in der sonne und ein halb erfrorener obdachloser übergibt sich in der notaufnahme. während die s-bahn 20 minuten verspätung hat, die berufspendler sich die hände reiben, holen sie in der ukraine wieder ihre holzöfen raus.  wie klimaschützend gedacht: in deutschland heizen jetzt auch wieder viele familien mit holz und die förster zählen schon den baumbestand. im gaza-streifen ist es eher zu heiß als zu kalt, aber da gibt es ja auch keine bäume. die nächte sind sternenklar in berlin und putins eiskalter atem scheint nicht nur osteuropa zu vereisen. barack dagegen spart sich den atem für seinen amtseintritt und barak ist atemlos, weil er sich um seine uzischützen, frankreich und ägyten gleichzeitig kümmern muss.

sogar die zigaretten-asiaten stehen nicht mehr bis spät abends an der u-bahnstation, schließlich haben wir oberschenkelhalsbruchwetter. es ist so kalt, dass das fresh frozen plasma sich fast warm anfühlt, noch vor dem erwärmen im plasmatherm. bei scheinwerferlicht landend wirbelt der adac-hubschrauber feine schneegriesel auf, die in der luft tanzen und dennoch wieder den boden berühren müssen. die leute in den bars trinken cocktails wie tequila sunrise oder swimmingpool, um dem winter zu entfliehen. die tage werden wieder länger, überall liegen noch sylvesterknaller herum, die stadtreinigung muss wahrscheinlcih ersteinmal die straßen streuen, was solls… ob wohl am fernsehturm eiszapfen hängen? das jahr 2009 hat schon eine große veränderung gebracht: der döner gegenüber kostet 30 cent mehr, wir können also getrost sagen: es kann nur noch besser werden.

es ist die zeit ski zu fahren – oder doch nicht? für martin schmitt war es ein guter start in die skisaison, für dieter althaus leider nicht. doch einer freut sich bestimmt über den unfall: der freigelassene RAF-kauz christian klar schaut auf bildern schon so dämonisch drein. doch hier in berlin ist er anscheinend sehr beliebt. sein mageres antlitz stiert von begrüßungsplakaten der autonomen, die vornehmlich an brückenpfeiler gepappt wurden, herab. was gibt es sonst noch für wichtige nachrichten aus der welt? demnächst fängt das dschungelcamp an, da wären wir wieder beim fliehen vor dem winter. und kiffen soll schizophrenie auslösen. außerdem soll ein bauernsohn aus bayern seine bayrischen bauerneltern erschlagen haben. ich glaub es wird zeit, dass es frühling wird. 😉

liebe grüße aus friedrichshain

euer philip

Where’s the difference?

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IT’S THE ATTITUDE

nun also doch. nach eineinhalb monaten. norddeutsche tiefebene und endlich keine krankenhauskost mehr, sondern mutters sonntagshänchen im römertopf!

was hab ich für diesen genuss durchgemacht: es fing damit an, dass ich letztes wochenende keine 160 euro für eine eigentlich kostenlose heimfahrt hinblättern wollte, nur weil die deutsche bürokratie mal wieder versagt hat und ein stempel und eine unterschrift dem selbstzweck von akten und ordnern zum opfer gefallen waren. ich rege mich vielleicht auf! in deutschland bekommt ein angehender therapiehund schneller einen ausbildungsplatz als ein durchschnittlicher hauptschüler! (so gesehen im altenheim meiner großmutter)

wie kann ein schienenverkehrsmittel nur „intercity express 554 hansestadt greifswald“ heißen? nun ja , das ist eine andere frage, viel interessanter ist es, dass ich es tatsächlich geschafft habe, in einer viertel stunde von friedrichshain den hauptbahnhof zu erreichen und das besagte hochgeschwindigkeitsgefährt, das vom berliner ostbahnhof nach köln hbf unterwegs war, zu besteigen und sogar noch einen  platz – ja man könnte es so sagen – zu erkämpfen. nachdem alle businessmen ihre applelaptops ausgepackt hatten, konnte ich mich an einem konzert ihrer gleichzeitig einsetzenden blackberry- und iphoneklingeltöne erfreuen, so holte ich sofort meine riesenkopfhörer und meinen steinzeit-discman heraus, um die ganzen meetingabsprachen nicht anhören zu müssen. Wieso muss diese berufsgruppe noch an einem freitag um 16.51 Uhr fanatisch arbeiten, wo sie doch mal zu einem guten buch greifen oder während der fahrt schlafen oder musikhören könnten. in jedem geschäftsmann lauert doch ein geheimer masochist.

der intercity von hannover nach bremen war nicht so gut besucht, doch auch hier hatte ich amüsante nachbarschaft. „dieser zug fährt über nienburg, verden, bremen hauptbahnhof, delmenhorst nach…“. fünf minuten später fragt mich mein nachbar, ob dieser zug auch in delmenhorst halten würde. ich stand ihm rede und antwort und verbuddelte mich unter einer abgestaubten frankfurter allgemeinen zeitung, wovon – so schien es – nur noch der verdammte wirtschaftsteil übrig war. mist! hier hatten also auch schon die businessmen gewütet! ah, da war noch eine zeitung… hmm, nur das „immobilienblatt“. was sollte ich neben diesem delmenhorster ohne zeitung machen? puh, glück gehabt, der feuilleton-teil tauchte plötzlich doch noch auf…

angekommen in bremen musste ich erstmal über dir größe, oder besser „kleinheit“, des bremer hauptbahnhofes schmunzeln, der die dimensionen des u-bahnhofes friedrichstraße gefühlt nicht übersteigt. genau so der trostlose bahnhofsvorplatz. syke, die schöne stadt im grünen, begrüßte mich herzlich mit schwärzester dunkelheit, leichtem nieselregen und einer stille wie im nuklearen winter. diese stille, frei von autohupen und streunenden anarchisten, machte mir fast angst, weswegen ich mich schon auf einen fröhlich-lauten abend mit meinen alten syker freunden freute, der dann am samstag abend celebriert wurde.

so jetzt muss ich aber sachen packen, denn mein zug fährt in einer stunde, vielleicht ist es ja wieder der ice „greifswald“. also wieder zurück in die bunte metropole.

welches gedicht beschreibt die abendstimmung in einem kaff wie syke besser als dieses bekannte gedicht von goethe:

Ein Gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

parodie auf friedelshain:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Punks pöbeln im Haine.
Warte nur, balde
Pöbelst du auch.

verschmitzte grüße

philip

der erste monat

ich sitze hier auf meinem stuhl und schaue aus dem fenster, geradewegs in ein schlechtbeleuchtetes fitnessstudio – es ist ein frauenfitnessstudio, nein, deswegen hab ich mir das zimmer nicht ausgesucht… -, welches genau im ersten stock einer mittelklasse-hotelkette liegt, dessen paneuropäische gäste sich jeden tag abends aus ihren fenstern lehnen, heimlich, den rauchmelder austricksend, rauchen und diverse andere dinge tun, sodass mein blick aus dem fenster allabendlich den charakter einer postmodernen theaterinszenierung annimmt, doch ganz nebenbei: ist es nicht eigentlich vermessen, den ersten artikel unseres ersten blog mit dem wort „ich“ anzufangen?

berlin du bist so wunderbar berlin

wenn ich in der u-bahn eingeschlafen bin, und nicht weiß wohin, woraus, schau ich die leute an. Dort wo die meisten prolls, betrunkenen, alternativen, links-anarchisten und die schrägsten paradiesvögel aussteigen, kann ich sicher sein, befindet unsere heimat-haltestelle, manchmal haben sich diese aufgezählten gruppen/weltanschauungen auch in einer person vereinigt und dann weiß ich, ich bin in friedrichshain. Doch auch der südeuropäische austauschstudent, der sich in der jazzkneipe mit seiner trompete ein bisschen geld dazu verdient, oder die germanistikstudentin im 20. semester, mit einem probiotisch erzogenen kleinkind auf dem rücken, gehören zur typischen bevölkerung und prägen nachhaltig das stadtbild. ganz zu schweigen von dem ziagaretten-asiaten, den ganzen tag im zugigen (wie doppeldeutig) u-bahnhof stehend. Die lebenseinstellung der typischen friedelshainer lässt sich am besten an dem gegenüber der neuen o2-world aufgestellten Plakat „h4-world“ festmachen, die menschen leben hier einfach (h4=hartz4), doch auch sehr kreativ, lustig und etwas aufmüpfig.

was haben wir nicht alles schon erlebt… sei es der besuch der offiziellen obama wahlparty oder die deutschlandpremiere von james bond, samt rotem teppich und b-promi-star-glamour a la oliver pocher, „top“model jenny und co., oder das grandiose deep-purple-konzert in der max-schmeling-halle, der tag der deutschen einheit vor dem brandenburger tor.

jetzt sind wir berliner, doch man merkt nich wirklich nen unterschied, oder doch? 4,4 millionen nachbarn aller nationalitäten, oder ist es der döner für 2,20€ der berlin ausmacht, oder das kontinentale klima, frisch aus russland rüberwehend, der geruch der u-bahn, ist es der blick auf den fernsehturm direkt vor der haustür (also der blick), sind es die kneipen, die jeden tag gefüllt sind… damit es nicht zu kitschig wird sag ich es wie mein patenonkel: berlin ist keine stadt, berlin ist ein lebensgefühl. (das ist doch erst recht kitschig, oder?)

für mich bis jetzt ein ziemlich müdes gefühl, das wird aber  an der 8-stunden-schicht im unfallkrankenhaus liegen… hey! dafür sind wir nun stolzer stützpunkt des adac-hubschraubers christoph berlin.

das reicht für heute, bleibt anständig, wir versuchen es zumindest und zum abschluss noch ein zitat aus alfred döblins „berlin alexanderplatz“:

…, er steht jetzt vergnügt und breitbeinig im Berliner Land, und wenn er sagt, er will anständig sein, so können wir ihm glauben, er wird es sein.  ihr werdet sehen wie er wochenlang anständig ist. aber das ist gewissermaßen nur eine gnadenfrist.

grüße philip

p.s.: anständig ist langweilig